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Grauer Star: Bald Tropfen statt OP?

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Getrübte Linse bei einem Patienten mit Grauem Star (Foto: sdigital/ thinkstock)
Bisher hilft gegen den Grauen Star nur eine Operation, ein Medikament gegen die Eintrübung der Augenlinse gibt es nicht. Doch das könnte sich ändern: US-Forscher haben nun ein Molekül aufgespürt, das die Linsenproteine im Auge an der Verklumpung hindert und sogar bereits bestehende Klumpen wieder auflösen kann. In Versuchen mit Mäusen und mit menschlichen Augenlinsen klarte sich dadurch die Linse auf und die Trübung ließ nach. Nach Ansicht der Forscher könnte dies ein vielversprechender erster Schritt hin zu einem Arzneimittel gegen den Grauen Star sein.

Der Graue Star ist bei uns eine typische Alterskrankheit: Etwa die Hälfte aller über 70-Jährigen leiden an dieser Eintrübung der Augenlinse. Sie entsteht, weil die Proteine der Linse ihre Struktur wechseln und statt der transparenten Kristalle ungeordnete und unlösliche Amyloid-Klumpen bilden. In Entwicklungsländern erblinden auch schon Kindern durch dieses medizinisch als Katarakt bezeichnete Leiden. Will man die Sehkraft der Betroffenen wiederherstellen, gibt es bisher nur die Möglichkeit einer Operation: Die getrübte Linse wird dabei komplett entfernt und eine klare, künstliche Linse eingesetzt. Während dieser Eingriff bei uns längst Routine ist, fehlt es dafür in den ärmeren Ländern jedoch an Geld und der nötigen Infrastruktur. Als Folge ist der Graue Star weltweit für geschätzt 20 Millionen Fälle von Erblindung verantwortlich. Doch es gibt neue Hoffnung: Leah Makley von der University of Michigan und ihre Kollegen haben nun ein Mittel gesucht und gefunden, dass die Verklumpung der Linsenproteine hemmen und sogar wieder auflösen kann.

Erfolg mit „Molekül 29“

Ausgangspunkt ihrer Suche waren zwei Proteine der Augenlinse, αA-Crystallin (cryAA) und αB-Crystallin (cryAB), die eine wichtige Rolle für die Stabilisierung der Linsenstruktur spielen. Sie verhindern normalerweise die Verklumpung der Linsenproteine, verlieren aber im Alter oder bei Linsenschäden beispielsweise durch UV-Strahlung ihre Form und Funktion. Die Forscher suchten daher nach Molekülen, die an diese beiden Helferproteine binden und sie so stabilisieren können. Mit Hilfe eines Computerprogramms testeten sie 2450 chemische Verbindungen auf ihre „Passform“ und wurden beim Molekül Nummer 29 fündig, einem Sterin mit der chemischen Bezeichnung 5-Cholesten-3b,25-diol. In einem Test im Reagenzglas erwies sich dieses Molekül tatsächlich als wirksam: Es löste Teile der Katarakt-typischen Proteinverklumpung wieder auf und hemmte auch die Bildung der Amyloidklumpen.

Nun jedoch galt es zu prüfen, ob dieses Molekül auch im Auge seine Wirkung entfalten kann. Dafür nutzten die Forscher Mäuse eines Stammes, der aus genetischen Gründen ab einem gewissen Alter an Grauem Star erkrankt. Sie träufelten den bereits halb erblindeten Mäusen zwei Wochen lang dreimal pro Woche einen Tropfen der Molekül-Lösung ins rechte Auge und prüften danach, wie dies die Trübung der Augenlinse beeinflusste. Das Ergebnis: „Wir haben eine substanzielle Verbesserung der Linsen-Transparenz beobachtet“, berichten die Forscher. Die Besserung sei auffallend und sogar beim bloßen Blick in das Mäuseauge zu erkennen. Das aber zeigte, dass das Molekül das Fortschreiten des Grauen Stars nicht nur Abbremste; sondern sogar die Trübung der Linse teilweise wieder rückgängig machen konnte.

Und noch wichtiger: Diese Wirkung konnten die Wissenschaftler auch dann beobachten, wenn sie menschliche, bei Staroperationen entfernte Augenlinsen mit dem Mittel behandelten. Die Moleküllösung löste die Verklumpungen teilweise auf und ließ dadurch die Linse wieder transparenter erscheinen. „Das Molekül 29 könnte daher ein vielversprechender Weg hin zu einer nichtchirurgischen Behandlung des erblichen und des altersbedingten Katarakts sein“, konstatieren Makley und ihre Kollegen. Noch ist dies nur ein erster Schritt. Aber die Forscher sind zuversichtlich, dass dieses Molekül und weitere, ähnlich wirkende Verbindungen, zu einem Medikament gegen den Grauen Star führen könnten.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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