Gewaltiger Eisschild schmilzt rapide Grönlands Eis-Goliath taumelt - wissenschaft.de
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Gewaltiger Eisschild schmilzt rapide

Grönlands Eis-Goliath taumelt

Groenlandeis_Finn Bo Madsen
Groenlandeis_Finn Bo Madsen
Den riesigen Eisschild im Nordosten Grönlands kann nichts erschüttern. Davon waren Forscher bislang überzeugt. Doch die Messungen der letzten zehn Jahre erbrachten ein erschütterndes Ergebnis: Der Eisschild bröckelt und schmilzt und mit ihm der kälteste Teil Grönlands.

Der Grund für die Schmelze: Die Enden der dortigen Gletscher münden in einen Bereich des Nordpolarmeeres, der normalerweise nahezu das gesamte Jahr hindurch gefroren bleibt. Das Meereis wirkt dort wie eine Art Barriere, die die Gletscherzungen stabilisiert und abbremst. Gleichzeitig verhindert das Eis, dass wärmeres Wasser in Kontakt mit den Eisströmen kommt.

Das aber hat sich nun geändert, wie neue Messungen zeigen. Für ihre Studie hatten die Forscher Daten von Eisdickenmessungen per Flugzeug und von Satelliten der Jahre 2003 bis 2012 sowie frühere Messungen bis zurück ins Jahr 1978 ausgewertet. Zusätzlich bezogen sie Daten des GPS-Netzwerks GNET mit ein, dessen Stationen registrieren, wie stark sich der Untergrund aufgrund der abnehmenden Eislast hebt.

Ausmaß ist überraschend groß

Ihr Untersuchungsgebiet konzentrierte sich dabei auf das Einzugsgebiet des Zachariae-Eisstroms im Nordosten Grönlands. Dieser 600 Kilometer lange Strom aus Eis reicht von der Küste bis weit in Landesinnere hinein. Das Becken, in dem er fließt, repräsentiert 16 Prozent des gesamten grönländischen Eisschilds.

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Das Ausmaß der Veränderungen in den letzten zehn Jahren erstaunte selbst die Forscher. Bis zum Jahr 2003 blieb der nordöstliche Eisschild relativ stabil. Dann aber begann eine rapide Schmelze: Von April 2003 bis 2012 verlor er im Durchschnitt zehn Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Der Zachariae Eisstrom hat sich seit 2003 um 20 Kilometer zurückgezogen – in nur zehn Jahren. Zum Vergleich: Einer der bisher schnellsten Gletscher Grönlands, der Jakobshavn Isbrae im Südwesten der Insel, benötigte für 35 Kilometer immerhin 150 Jahre. „Die Tatsache, dass nun auch der Nordosten zunehmend zum Massenverlust des grönländischen Eisschilds beiträgt, ist neu und überraschend“, sagt Studienleiter Shfaqat Abbas Khan von der Technischen Universität Dänemark in Lyngby.

Nach Angaben der Forscher begann das Tauen im Nordosten, als eine Reihe besonders warmer Sommer in den Jahren 2002 bis 2004 das Meereis der dortigen Küsten dezimierte und so die schützende Barriere wegfiel. Ein Einstrom wärmeren Wassers kombiniert mit den höheren Lufttemperaturen löste quasi die Bremse der Gletscherzungen und ließ sie schneller ins Meer fließen. Das warme Meerwasser verstärkte dann das submarine Abschmelzen und trug weiter zur Instabilität der Gletscher bei, wie Khan und seine Kollegen erklären.

Es schmilzt an allen Ecken und Enden

Die Messungen zeigten noch einen weiteren bedenklichen Effekt: Das Eis taut nicht nur in Küstennähe stärker auf, auch weit im Landesinneren hat sich der Abfluss des nordöstlichen Eisstroms beschleunigt. „Wegen der gewaltigen Größe des Eisstroms hat dies das Potenzial, die gesamte Massenbalance des grönländischen Eisschilds in naher Zukunft signifikant zu ändern“, warnt Khan.

Verschärfend kommt hinzu: Klimaprognosen sagen ausgerechnet für den Nordosten Grönlands in den kommenden Jahrzehnten die stärkste Erwärmung voraus, wie die Forscher berichten. „Grönland könnte damit in Zukunft noch stärker zum Meeresspiegel-Anstieg beitragen als bisher angenommen“, sagt Bevis.

Bereits jetzt gilt das grönländische Eisschild als einer der größten Beiträge für die steigenden Pegel. In den letzten 20 Jahren gingen 0,5 Millimeter der insgesamt 3,2 Millimeter Anstieg pro Jahr auf das tauende Eis der Rieseninsel zurück. Nachdem der Klimawandel nun auch an der letzten noch stabilen Ecke nagt, wird das bald wohl mehr werden.

Nadja Podbregar

Quelle: Shfaqat Khan (Technical University of Denmark, Lyngby) et al., Nature Climate Change, doi: 10.1038/nclimate2161

Foto: Finn Bo Madsen/Technische Universität Dänemark

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