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Umwelt+Natur

Grüne Fassaden helfen doppelt

Grüne Fassade
Begrünte Fassaden tun Stadtbewohnern auf mehrfache Weise gut (Foto: ultraforma/ iStock)

Städte sind meist von Beton und Stein dominiert. Bis auf Parks, Straßenbäume und Balkone gibt es oft nur wenig Grün. Doch das ließe sich durch vermehrte Begrünung von Hausfassaden ändern – zum großen Vorteil von Natur und Stadtbewohnern gleichermaßen. Denn wie eine Studie nun bestätigt, wirken begrünte Fassaden nicht nur wie eine natürliche Klimaanlage, sie filtern auch messbare Mengen von Schadstoffen wie Stickoxiden und Feinstaub aus der Luft.

Ballungsräume und Städte sind ein Lebensraum mit einem ganz eigenen Klima – und spezifischen Problemen. So heizen sich die vielen Asphalt- und Betonflächen tagsüber stark auf und halten die Wärme bis in die Nacht hinein. Als Folge ist es in der Stadt meist mehrere Grad wärmer als im ländlichen Umland. Angesichts des Klimawandels und zunehmender Hitzewellen macht dies die Städte zu wahren Hitzeinseln. Gleichzeitig führen der starke Verkehr und weitere Emissionsquellen in den Ballungsräumen zu erhöhten Stickoxid- und Feinstaubbelastungen der Luft, was wiederum die Gesundheit der Stadtbewohner belasten kann.

Efeu versus blanker Putz

Ein Ansatz, um diese stadtspezifischen Probleme zumindest zu lindern, ist es, möglichst viel Grün in die Städte zu integrieren. Denn schon Straßenbäume können enorme Mengen an Staub aus der Stadtluft filtern und sorgen überdies für Kühlung und Schatten. Ähnlich effektiv wirkt auch die Begrünung von Fassaden, wie sich nun zeigt. Typische Fassaden-Kletterpflanzen sind der Efeu (Hedera helix) oder der Wilde Wein (Parthenocissus). Sie sind sehr anpassungsfähig und trockenheitsverträglich und gedeihen auch an verhältnismäßig anspruchslosen Standorten.

Für ihre Studie hatten Forscher um Hans Georg Edelmann von der Universität Köln Efeu-begrünte Fassaden mit klassisch verputzten Hausfassaden verglichen. Über mehrere Wochen hinweg ermittelte das Team die Tagestemperatur-Verläufe sowie die fassadennahe Luftfeuchte und maß die Absorption von Stickoxiden (NOx) und Feinstaub der Partikelgröße von 2,5 Mikrometer (PM 2,5) durch die Blätter des Efeus.

Ausgeglichenere Temperaturen und weniger Schadstoffe

Die Auswertungen bestätigten: Efeu und anderer Fassadenbewuchs wirken im Sommer nachhaltig kühlend, im Winter wärmeisolierend auf die Fassaden. So zeigte die begrünte Fassade im Sommer im unteren Temperaturbereich nur Schwankungen von 10 bis 13 Grad Celsius, während die Temperatur von blanken Hausfassaden um bis zu 35 Grad Celsius zwischen Tag und Nacht variierte. Zudem ergaben die Messungen, dass Efeu die gesundheitsschädlichen Stickoxide absorbierte und den Feinstaub filtrierte. Zudem habe die Bepflanzung einen positiven Effekt auf die Absorption des Treibhausgases CO2, so die Forscher.

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„Begrünte Fassaden stellen eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel dar – nicht nur im Hinblick auf die Stadttemperatur, sondern auch hinsichtlich der Feinstaubproblematik“, erläutert Edelmann. Grundsätzlich trügen grüne Fassaden zu einer ganzen Reihe städteklimatisch vorteilhafter Eigenschaften bei. „Fassadenbepflanzung verbessert sowohl das Stadt- als auch das Raumklima, mindert Überhitzung und Smog, sie produziert Sauerstoff und trägt zur Erhaltung und Erhöhung der Artenvielfalt in der Stadt als Lebensraum für Fauna und Flora bei“, so der Forscher.

Gerade angesichts des Klimawandels und der zu erwartenden, noch stärkeren Aufheizung der Städte halten die Wissenschaftler es für sinnvoll, mehr begrünte Fassaden in den Ballungsräumen anzulegen. Auch der anhaltenden Verschlechterung der Luftqualität vor allem durch Autoabgase könnte man so zumindest in Teilen entgegenwirken.

Quelle: Universität zu Köln

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