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Umwelt+Natur

Grüner Daumen im ewigen Eis

Antarktis-Gärtner Paul Zabel verabschiedet sich vom EDEN-ISS-Gewächshaus. (Credit: DLR, CC-BY 3.0)

19 Kilogramm Kohlrabi, 117 Kilogramm Salat, 46 Kilogramm Tomaten… Antarktis-Gärtner Paul Zabel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat mit seiner üppigen Ernte gezeigt: Wer Pflanzen raffiniert mit allem Nötigen versorgt, kann sogar unter spacigen Bedingungen beachtliche Erträge erzielen. Ein Jahr lang hat er in einem Hitech-Gewächshaus bei der Neumayer-Station III in der Antarktis die Möglichkeiten des Pflanzenanbaus im extremen Umfeld erprobt. Durch seinen Erfolg konnte er dem zehnköpfigen Überwinterungsteam der Station frische Abwechslung auf den Speiseplan bringen.

Auf Mond- Mars- und Weltraumstationen soll einmal Gemüse wachsen können – doch auch dem Anbau auf der Erde ist das Projekt EDEN-ISS des DLR gewidmet. Denn eine steigende Weltbevölkerung in Kombination mit den Folgen des Klimawandels könnte es zunehmend erfordern, Nutzpflanzen auch in klimatisch ungünstigen Regionen zu kultivieren. Für Wüsten oder kalte Gebiete sowie bei Weltraummissionen könnten geschlossene Gewächshaussysteme für klimaunabhängige Ernten sowie für weniger Wasserverbrauch und Pflanzenschutzberdarf sorgen. In diesem Zusammenhang will das DLR mit dem Projekt EDEN-ISS ausloten, wie sich geschlossener Anbau in einem Extremumfeld optimieren lässt. Konkret handelt es sich dabei um den antarktischen Winter mit seiner Extremkälte und Finsternis.

Hightech-Oase in der Eiswüste

Um nahe der Antarktisstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) das Modellgewächshaus zu errichten, sind Zabel und drei weitere Mitglieder des EDEN-ISS-Teams am 16. Dezember 2017 in der Antarktis angekommen. Nach der rund zweimonatigen Aufbauphase blieb Zabel dann mit neun weiteren Überwinterern auf der deutschen Antarktisstation. Dort verbrachte er die Zeit der extremen Kälte und der Finsternis, während er sich um die Pflanzen in dem Hightech-Gewächshaus kümmerte – von der Aussaat über die Kultivierung bis zur Ernte. Um das Pflanzenwachstum auf der Anbaufläche von etwa 13 Quadratmetern zu ermöglichen, musste er sicherstellen, dass alle Systeme zur Versorgung mit künstlichem Licht, Wärme, Feuchtigkeit und Nährstofflösungen optimal liefen. Daneben standen natürlich Untersuchungen und Experimente an.

„Von Bremen aus waren wir mit Paul in täglichem Kontakt“, berichtet EDEN-ISS-Leiter Daniel Schubert vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. „Er hat über die vergangenen Monate, die ihm einiges abverlangt haben, eine großartige Arbeit für das Projekt EDEN-ISS geleistet. Unter anderem war dabei oft der Weg zur Arbeit eine Herausforderung: Das EDEN-ISS-Gewächshaus ist immerhin 400 Meter von der Station entfernt. Bei Stürmen und Temperaturen bis unter minus 40 Grad Celsius ist diese Distanz kein lockerer Spaziergang. Im Extremfall musste das Gewächshaus von Bremen aus so gut wie möglich überwacht und gesteuert werden.

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Frisches Gemüse in der Isolation

Eine detaillierte Auswertung der Ergebnisse von Zabels Mission läuft derzeit. Die umfangreichen Informationen, die unter anderem technische, botanische, mikrobiologische sowie psychologische Analysen umfassen, werden für Mai 2019 erwartet. Fest steht bereits, dass Zabel immer wieder – auch unterstützt von den übrigen Überwinterern, eine beachtliche Ernte auf der kleinen Fläche einfahren konnte: Unter anderem 67 Kilogramm Gurken, 46 Kilogramm Tomaten, 19 Kilogramm Kohlrabi, 8 Kilogramm Radieschen, 15 Kilogramm Kräuter sowie 117 Kilogramm Salat. „Die Ernte war so reichlich, dass ein Teil nicht immer gleich direkt verzehrt werden konnte, so dass wir den Luxus von Vorräten im Kühlschrank genießen konnten“, berichtet Zabel.

Nun ist der Antarktis-Gärtner wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. „Die Antarktis ist ein faszinierender Ort. Ich bin sehr glücklich, dass ich einer der wenigen Menschen sein konnte, der die Möglichkeit hatte, in der Antarktis zu überwintern. In den vergangenen zwölf Monaten habe ich viele einzigartige Eindrücke und Herausforderungen erlebt. Es ist schön, wieder zuhause zu sein und Familie, Freunde und Kollegen wiederzusehen“, sagt Zabel.

In dem EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis soll es nun auch weiterhin grünen und gedeihen, kündigt das DLR an: In den kommenden zwei Jahren werden die Verfahren und Techniken weiterentwickelt werden. „Bald übergeben wir das Gewächshaus an die neuen Überwinterer, die das EDEN-ISS-Projekt in der Antarktis fortführen und sich um den Pflanzenanbau kümmern werden“, sagt Schubert. Er und sein Team werden nun in die Antarktis reisen, um das Gewächshaus zu warten und technisch für die Fortführung auf den neusten Stand zu bringen.

Quelle: DLR

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