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Umwelt+Natur

Grünflächen können die subjektive Lärmbelastung mindern

Stadtpark
Stadtparks bieten Erholung – auch vor Lärm. (Bild: TasfotoNL/ iStock)

Parks, Wiesen und anderes Stadtgrün nehmen nicht nur für das Klima an Bedeutung zu. Durch sie empfinden Stadtbewohner auch den stressigen Straßen- und Eisenbahnlärm im Siedlungsraum als weniger belastend, wie eine Studie ergeben hat. Von der Lärmbelastung durch Flugzeuge jedoch lenken die Grünflächen offenbar nicht ab – im Gegenteil: Je grüner die Umgebung, umso störender empfanden die Befragten den Fluglärm.

Auf dem Weg zur Arbeit, im Büro und in der Wohnung in der Innenstadt – ständig hören wir Lärm. Verkehrsgeräusche von Autos, Lastern, Zügen oder Flugzeugen belasten insbesondere die vielen Bewohner urbaner Gebiete . Laut Weltgesundheitsorganisation WHO fühlt sich jeder Dritte tagsüber durch Lärm belästigt, beim nächtlichen Schlaf ist es jeder fünfte. Die Störgeräusche haben dabei einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unsere Gesundheit: Eine erhöhte Lärmbelastung kann zu Stress, Schlafstörungen oder sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes führen.

Grünflächen verringern Lärmbelastung durch Auto und Bahn?

Wie man diese negativen Auswirkungen der Lärmbelastung in dicht besiedelten, urbanen Regionen vermindern kann, haben nun Forschende um Beat Schäffer von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) untersucht. Sie wollten insbesondere herausfinden, ob grüne Naherholungsgebiete das subjektive Lärmempfinden von Straßen-, Bahn- und Fluglärm mindern können. Dazu nutzten die Wissenschaftler den sogenannten „Normalized Difference Vegetation Index“ (NDVI), der die Pflanzenbedeckung auf Basis von Infrarot-Satellitendaten angibt. Diese Daten kombinierten sie mit Grünflächen-Angaben des Schweizer Bundesamts für Landestopografie.

Um die Wirkung der Parks, Wälder und Co. auf das Lärmempfinden von Bewohnern urbaner Regionen zu prüfen, glich das Team diese Daten mit den Ergebnissen der SIRENE-Umfrage ab. Diese Studie befragte rund 5600 Teilnehmer zur Lärmbelästigung durch Straßen-, Bahn- und Fluglärm. Das Ergebnis: Wie bereits in anderen Studien nachgewiesen, fühlten sich die meisten Befragten durch eine grüne Umgebung subjektiv weniger stark vom Straßen- und Zuglärm belästigt. Ob ein naher Park, ein Teich oder Berge am Horizont – ein Blick und Gang ins Grüne konnte das Lärmempfinden erheblich senken. Je näher dabei die Erholungszone zum eigenen Wohnort war, umso geringer war die subjektiv empfundene Belästigung durch Lärmemissionen. Bei stark begrünter Fläche reduzierte sich der wahrgenommene Lärmpegel so um etwa sechs Dezibel für Straßen- und drei Dezibel für Bahnlärm.

Fluglärm wirkt im Grünen lauter

Interessant jedoch: Die empfundene Lärmbelastung durch Flugzeuge minderten Grünflächen für den Großteil der Befragten hingegen nicht. Stattdessen fühlten sich die meisten umso gestörter vom Fluglärm, je mehr Grünflächen sie umgaben und empfanden den Lärm um bis zu zehn Dezibel lauter. Das hat laut der Forscher unterschiedliche Gründe. „Während wir dem Straßen- oder Zuglärm durch etwas mehr Distanz entfliehen können, gelingt uns das beim Fluglärm nicht“, erklärt Schäffer. Wir seien dem Lärm aus der Luft quasi hilflos ausgeliefert, da wir diesem nicht durch ein paar Meter Abstand entkommen können, so das Forscherteam. Dieses „Ausgeliefertsein“ führt womöglich dazu, dass wir diesen Lärm als störender wahrnehmen.

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Auch die sogenannte Inkongruenz spielt eine Rolle: „Wir erwarten in einem Park, dass es leise ist. Wird diese Ruhe dann durch etwas gestört, das wir nicht beeinflussen können, dann nehmen wir dieses Geräusch als weitaus belastender wahr“, so Schäffer. Im Gegensatz zum Park oder Wald fällt uns ein Flugzeug am Himmel in der Großstadt kaum auf und auch der Fluglärm geht offenbar eher unter. Um die Ergebnisse zum Lärmempfinden näher zu erforschen, wollen Schäffer und seine Kollegen weiter die psychischen und die physiologischen Aspekte von Lärm prüfen und zusätzliche Faktoren wie etwa die Vegetationsdichte einbeziehen. Ziel ist es, dass man diese Erkenntnisse künftig auch bei der Städteplanung für stark besiedelte urbane Gebieten beachtet.

Quelle: Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Fachartikel: Environment International, doi: 10.1016/j.envint.2020.105885

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