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Gute Bakterien, schlechte Bakterien

Bakterien auf der mütterlichen Plazenta können beim Ungeborenen Entzündungsreaktionen auslösen und so das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse US-amerikanischer Forscher hin, die den Mutterkuchen und das Blut von Frühchen untersucht haben. Demnach kommt es darauf an, welche Mikroorganismen sich auf der Plazenta befinden: Auf manche Varianten reagiert der Körper des Ungeborenen mit einer abwehrenden Entzündung, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Geburt zu früh ausgelöst wird. Andere Mikroben, insbesondere Milchsäurebakterien, scheinen dagegen den Fötus zu schützen, haben die Wissenschaftler entdeckt. Eine gezielte Veränderung der Bakterienflora in der mütterlichen Scheide zu Beginn einer Schwangerschaft könnte daher das Risiko für Frühgeburten und damit einhergehende Langzeitschäden bei den Kindern verringern, schreiben die Forscher um Raina Fichorova.

Jährlich werden in Deutschland über 60.000 Frühchen geboren. Fast jedes zehnte Neugeborene kommt vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt, während eine normale Schwangerschaft etwa 40 Wochen dauert. Trotz guter medizinischer Versorgung sind Frühgeborene überdurchschnittlich anfällig für Krankheiten und spätere Entwicklungsstörungen. Dies gilt insbesondere für die sehr früh geborenen Säuglinge, die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.250 Gramm und vor Ende der 30. Schwangerschaftswoche geboren werden. Laut den Forschern ist häufig eine Infektion der Mutter die Ursache für eine Frühgeburt: Bei Fehlgeburten vor dem vierten Monat seien auf jeder zweiten Plazenta Bakterien nachweisbar, bei Kaiserschnitten seien es 41 Prozent.

Welche Auswirkungen eine solche bakterielle Besiedlung auf das Ungeborene hat, haben die Bostoner Forscher nun genauer untersucht. Dazu nahmen sie 527 Neugeborenen, die durch Kaiserschnitt zwischen der 23. und 27. Schwangerschaftswoche frühzeitig auf die Welt kamen, Blut ab und untersuchten dieses auf 25 verschiedene Eiweiße, die typisch für Entzündungsreaktionen sind. Gleichzeitig bestimmten sie, ob und wenn ja, welche Bakterien auf der Plazenta zu finden waren. So konnten sie zeigen, dass unterschiedliche Mikrobenkolonien mit unterschiedlich starken Entzündungsreaktionen einhergingen. War der Mutterkuchen beispielsweise mit Bakterien besiedelt, wie sie auch bei einer sogenannten bakteriellen Vaginose – einer Scheidenentzündung – zu finden sind, waren auch die Entzündungswerte des Kindes sehr hoch.

Umgekehrt schienen Milchsäurebakterien, die bei gesunden Frauen den Großteil der Scheidenflora ausmachen, die Kleinen vor Entzündungsreaktionen zu schützen. „Unsere Daten sprechen dafür, dass durch die gezielte Behandlung der plazentaren Besiedlung durch bestimmte Medikamente oder Probiotika während der frühen Schwangerschaft nicht nur Frühgeburten verhindert werden können, sondern auch die folgenschweren Entzündungsreaktionen bei den Frühchen“, resümiert Andrew Onderdonk, der zu dem Bostoner Forschungsteam gehört. Den Erfolg einer solchen Behandlung wollen die Wissenschaftler nun in weiteren Studien testen.

Raina Fichorova (Harvard Medical School) et al: mBio, doi: 10.1128/mBio.00280-10 dapd/wissenschaft.de – Marianne Diehl
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