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Umwelt+Natur

Haarige Klumpen im Salz

Steinsalz und Gips galten bislang nicht als Mineralien, in denen Fossilien erhalten bleiben: Die Bedingungen, unter denen sich die beiden Stoffe bilden ? in extrem salzigen, sauren Gewässern bei heißem, trockenem Klima ? schienen nicht geeignet, um gleichzeitig Leben zu ermöglichen. Doch nun haben Forscher um Kathleen Benison sowohl in Mineralien aus dem Erdzeitalter Perm als auch in jüngeren Salzmineralien aus Westaustralien Einschlüsse entdeckt, die ihrer Meinung nach von Mikroben stammen, berichtet das Magazin New Scientist.

Die Forscher nannten die stecknadelkopfgroßen Gebilde, die Seeigeln ähneln, „haarige Klumpen“ („hairy blobs“). Diese Klumpen bestehen aus einer Mischung aus Kristallen von Steinsalz (NaCl) und Gips (Kalziumsulfat) sowie kohlenstoffreichem Material. Mit verschiedenen Untersuchungsmethoden stellten die Forscher fest, dass die Klumpen gleichzeitig mit dem Kristall wuchsen, also keine nachträgliche Verunreinigung darstellen. Der Kohlenstoff, argumentieren sie, hat eine Struktur, wie sie typisch für Lebewesen ist.

Ihrer Meinung nach entstanden die Klumpen durch chemische Prozesse zwischen Mikroben und dem Seewasser. Anhand der abgelagerten Schwefelverbindugen schließen Benison und Kollegen, dass es sich womöglich um Einzeller handelt, die für ihren Stoffwechsel Schwefel brauchten, den sie dann oxidierten. Möglicherweise waren die Mikroben sogar mit für den niedrigen pH-Wert der Seen verantwortlich, spekulieren die Wissenschaftler.

Vor einiger Zeit entdeckten Biologen lebensfähige Mikroben, die in kleinen Tröpfchen in 250 Millionen Jahre alten Salzkristallen eingeschlossen waren. Seitdem wird in der Forschergemeinde heftig darüber diskutiert, ob Leben solch lange Zeiträume überdauern kann. Bislang war die Mikrobiologie von sauren Salzseen aber kaum erforscht. Die „haarigen Klumpen“, stellten die Forscher um Benison nun fest, lagen häufig ebenfalls in der Nähe von Flüssigkeitseinschlüssen im Salz. Zudem glichen sich die haarigen Einschlüsse aus 270 Millionen Jahre alten Salzen aus dem Erdzeitalter Perm und aus modernen Ablagerungen sehr. Die Forscher nehmen daher an, dass sie von ähnlichen Organismen stammen.

Auf dem Planeten Mars existierten in der Vergangenheit wahrscheinlich ähnlich salzige und saure Gewässer. Wie die Forscher schreiben, kommt der darin entstandene Gips nun als Ziel für die Fossiliensuche in Frage.

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Kathleen Benison (Central Michigan University, Mount Pleasant) et al.: Astrobiology Bd. 8, Nr. 3 Ute Kehse
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