Halb Beluga und halb Narwal - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Halb Beluga und halb Narwal

Forscher haben einen seltenen Hybridwal entdeckt. (Bild: Markus Bühler)

Eigentlich sind solche Techtelmechtel von der Natur nicht vorgesehen. Doch manchmal kommt es trotzdem dazu: Tiere zweier unterschiedlicher Arten pflanzen sich erfolgreich miteinander fort – und ein Hybride wird geboren. Das bekannteste Beispiel für ein solches Kreuzungsprodukt ist wohl das Maultier. Nun haben Forscher einen einzigartigen Fall aus dem Reich der Meeressäuger entdeckt: einen Hybriden aus Beluga- und Narwal. Es ist der erste Beleg dafür, dass sich diese beiden Spezies kreuzen können.

Der Beluga und der Narwal sind zwei von nur drei Walarten, die ganzjährig in den Gewässern der Arktis leben. Die beiden Meeressäuger gehören zu den Zahnwalen und sind eng miteinander verwandt. Trotzdem unterscheiden sie sich in Aussehen und Verhalten deutlich voneinander. Während der Narwal über eine hell-dunkel gesprenkelte Pigmentierung verfügt und die Männchen, aber auch manche Weibchen einen langen, spiralförmigen Stoßzahn besitzen, hat der Beluga unauffällige kegelförmige Zähne und ist komplett weiß. Die wegen dieser Färbung auch Weißwal genannte Spezies ernährt sich sehr abwechslungsreich, wohingegen Narwale in dieser Hinsicht eher Spezialisten sind.

Wal mit ungleichem Elternpaar

Die evolutionären Linien dieser beiden Walarten haben sich vor rund fünf Millionen Jahren voneinander getrennt – doch offenbar können sie sich bis heute erfolgreich miteinander fortpflanzen, wie Forscher um Mikkel Skovrind von der Universität Kopenhagen nun herausgefunden haben: Sie haben einen Hybriden aus Beluga- und Narwal entdeckt. Bei dem seltenen Tier handelt es sich um ein Exemplar, das bereits in den 1980er Jahren in West-Grönland erlegt wurde. Schon damals sorgte das seltsame Aussehen des Wals für Verwunderung. So war sein Schädel deutlich größer als bei einem typischen Nar- oder Belugawal. Außerdem besaß er eine Reihe spiralförmiger, horizontal abgewinkelter Zähne. Um was für eine Spezies handelte es sich?

Schon länger vermuteten Experten, dass der inzwischen im Naturkundemuseum in Kopenhagen aufbewahrte Wal ein Hybride sein könnte. Der entscheidende Beweis fehlte jedoch bislang. Um das zu ändern, untersuchten Skovrind und sein Team DNA-Material des Tieres, welches sie aus seinen Zähnen gewonnen hatten. Der Vergleich mit den Genomen von acht Belugas und acht Narwalen enthüllte: Das Erbmaterial des ungewöhnlichen Wesens besteht zu 54 Prozent aus Beluga- und zu 46 Prozent aus Narwal-Genen. „Soweit wir wissen, ist dies der weltweit erste und einzige Beleg dafür, dass sich diese beiden arktischen Walspezies kreuzen können“, erklärt Skovrinds Kollegin Eline Lorenzen.

Seltenes Techtelmechtel

Doch wer war die Mutter, wer der Vater? Die Antwort auf diese Frage lieferte die Analyse der mitochondrialen DNA – ein Teil des Erbguts, der nur von der Mutter an den Nachwuchs vererbt wird. Das Ergebnis: Der den Analysen zufolge männliche Wal ist der Sohn eines Narwal-Weibchens und eines Beluga-Männchens. Auch zur Lebensweise des Hybriden lieferten die Untersuchungen interessante Hinweise. Die Wissenschaftler verglichen Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotope im Knochenkollagen des Tieres mit Referenzmaterial von Beluga- und Narwalen. Dabei zeichnete sich ab: Offenbar ernährte sich der Hybridwal anders als seine beiden Elternteile. So deuteten die Isotopenverhältnisse daraufhin, dass der Hybridwal vorwiegend am Meeresgrund auf Nahrungssuche ging. Beluga- und Narwale jagen dagegen weiter oben in der Wassersäule.

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„Dieser Wal hat sehr bizarre Zähne. Möglicherweise hat dies auch seine Strategien bei der Nahrungssuche beeinflusst“, spekuliert Skovrind. Was das Techtelmechtel zwischen Beluga und Narwal überhaupt veranlasste und so zur Geburt des Hybriden führte, ist dem Forscher und seinem Team zufolge völlig unklar. Es scheint sich jedoch um ein relativ neues Phänomen zu handeln: „Im Genom dieser beiden Arten finden sich keine Belege für eine interspezifische Fortpflanzung seit mindestens 1,25 Millionen Jahren. Das heißt, die Kreuzung ist entweder extrem selten oder kommt erst seit kurzem vor“, schließt Lorenzen.

Quelle: Mikkel Skovrind (Universität Kopenhagen) et al., Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-019-44038-0

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