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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Hand wärmt Herz

Eine Tasse mit heißem Kaffe festzuhalten, fördert die zwischenmenschliche Wärme. Das haben US-Forscher in zwei Experimenten mit nichtsahnenden Probanden herausgefunden. Das warme Gefühl an den Händen sorgte nicht nur dafür, dass das Gegenüber unbewusst als herzlicher eingeschätzt wurde, sondern beeinflusste auch das Verhalten der Testteilnehmer und machte sie großzügiger. Dieser Zusammenhang zwischen körperlicher und psychologischer Wärme könnte beispielsweise im Verkauf genutzt werden, um eine Vertrauensbasis herzustellen, spekuliert Lawrence Williams von der Yale-Universität in New Haven.

Die Wissenschaftler untersuchten die Kopplung zwischen dem körperlichen Temperaturempfinden und dem psychologischen Gefühl von Wärme mit zwei Experimenten. Im ersten Experiment bekamen die Versuchspersonen unter einem Vorwand kurzfristig eine Tasse mit heißem Kaffee oder Eis-Kaffee in die Hand gedrückt. Danach erhielten sie Informationen über eine Person, deren Persönlichkeit sie einschätzen sollten. Es zeigte sich, dass die Probanden, die den heißen Kaffee gehalten hatten, diese Person als herzlicher beurteilten als diejenigen mit dem Eiskaffee.

In einem zweiten Experiment sollten die Versuchspersonen bei einer vorgetäuschten Produktbewertung Kompressen beurteilen, die zur Kälte- oder Wärmebehandlung eingesetzt werden. Als Belohnung durften sich die Probanden ein Geschenk aussuchen ? entweder für sich selbst oder für einen Freund. Die Personen, die eine Kühl-Kompresse gehalten hatten, wählten eher ein Geschenk für sich selbst, während diejenigen, die eine heiße Kompresse getestet hatten, dazu tendierten, einen Freund zu beschenken.

Das Ergebnis der beiden Experimente wird auch von Untersuchungen der Hirnaktivität gestützt. Sie zeigen, dass ein Teil der Großhirnrinde ? die sogenannte Insula ? sowohl bei körperlichen Empfindungen wie der Köpertemperatur als auch beim Erkennen von psychologischen Eigenschaften, wie der Vertrauenswürdigkeit von anderen Menschen, eine Rolle spielt. Die Verwendung der Begriffe „warmherzig“ oder „kühl“ zur Beschreibung der Persönlichkeit eines Menschen komme also nicht von ungefähr, erklärt Williams. Auch wenn damit nicht die Körpertemperatur der Person gemeint ist, gebe es doch einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bedeutungen dieser Begriffe.

Lawrence Williams und John Bargh (Universität von Colorado, Boulder und Yale Universität, New Haven): Science, Bd. 322, S. 606. ddp/wissenschaft.de ? Sonja Römer
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