Heidekraut als Hummelmedizin - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Heidekraut als Hummelmedizin

Heidekraut
Blühendes Heidekraut (Bild: PPAMPicture/ iStock)

Heidekraut ist nicht nur schön anzusehen – für Hummeln ist der Nektar dieser Pflanzen auch echte Medizin. Denn wie Biologen herausgefunden haben, enthält der Nektar der Besenheide eine Substanz, die häufige Darmparasiten der Hummeln beseitigt. Nach Ansicht der Forscher könnten noch viele weitere Pflanzen außer dem Heidekraut wertvolle Schutzwirkungen für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber besitzen – umso wichtiger sei der Schutz solcher Pflanzen.

Honigbienen, Hummeln und andere Bestäuberinsekten haben es schwer: Ihre Nahrung und ihre Lebensräume werden durch die intensive Landwirtschaft immer knapper, Pestizide schädigen ihre Gesundheit und noch dazu müssen die Insekten gegen verschiedenen Krankheitserreger und Parasiten kämpfen. All diese Faktoren gelten daher als Mitursache für den alarmierenden Schwund von Wildbienen und das Absterben ganzer Honigbienenvölker im Laufe der letzten Jahre.

Nektar-Inhaltsstoff hemmt Parasiten

Doch offenbar trägt die Natur zumindest ein wenig dazu bei, ihren sechsbeinigen Geschöpfen zu helfen. Denn sie produziert nicht nur Arzneipflanzen, die bei uns Menschen heilende Wirkungen entfalten, es gibt auch pflanzliche Medikamente für Hummel und Co, wie nun Hauke Koch von den Royal Botanic Gardens in Kew und sein Team herausgefunden haben. Für ihre Studie hatten sie den Nektar von 17 häufig von Hummeln in Europa besuchten Pflanzen auf mögliche Arzneiwirkungen hin untersucht. Die Forscher kultivierten dafür zunächst einen häufigen Darmparasiten von Hummeln, den Einzeller Crithidia bombi und setzten dann seiner Nährlösung den Pflanzennektar zu.

Die Versuche ergaben: Einige der Pflanzennektare zeigten tatsächlich eine leicht hemmende Wirkung auf die Parasiten. Am eindeutigsten und stärksten aber war diese Wirkung beim Nektar der Besenheide (Calluna vulgaris). Er hinderte das Wachstum der Parasiten und tötete einen Teil von ihnen, wie die Forscher berichten. Nähere Analysen ergaben, dass eine bestimmte chemische Komponente des Heidekraut-Nektars für diese Wirkung verantwortlich ist. Diese Callunen getaufte Verbindung hemmt nicht nur die Vermehrung der Parasiten, sondern scheint Hummeln auch vor einer Infektion mit diesen Einzellern schützen zu können, wie Tests ergaben.

Pflanzenschutz ist Bienenschutz

Nach Ansicht der Forscher demonstriert dieser Fund, dass Pflanzen nicht nur als Nahrung für Insekten wichtig sind – sie tragen auch dazu bei, ihre Gesundheit zu erhalten. „Unsere Arbeit zeigt, dass Heidelandschaften noch wertvoller sein könnten als bisher gedacht“, sagt Koch. „Denn sie versorgen wilde Hummeln mit einer natürlichen Medizin in Form dieses Nektars und schützen sie so gegen einen häufigen Parasiten.“ Entsprechend wichtig sei es, die verbliebenen Heidelandschaften zu schützen und vor der Zerstörung zu bewahren. Denn nach Angaben des Wildlife Trusts sind allein in Großbritannien in den letzten 150 Jahren 85 Prozent aller Flachland-Heidegebiete verschwunden.

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Doch neben der Besenheide könnten auch andere Pflanzen bisher unerkannte medizinische Wirkungen auf Insekten haben, wie die Wissenschaftler erklären. Bisher sei dies jedoch kaum untersucht. „Wenn wir wissen, welche Pflanzen nötig sind, um eine gesunde Balance zwischen den Bienen und ihren Parasiten zu erhalten, dann kann dies helfen, gezielt die Habitate zu erhalten und zu regenerieren, die die Bienengesundheit fördern“, sagt Co-Autor Mark Brown vom Royal Holloway College der University of London. Der Schutz der Pflanzen hilft damit auch gleichzeitig dem Schutz der Bestäuberinsekten.

Quelle: The Royal Botanic Gardens; Fachartikel: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2019.08.037

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