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Umwelt+Natur

Hektisches Leben am Korallenriff

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Die Pygmäen-Grundel in ihrem natürlichen Lebensraum, dem Korallenriff. (Bild: J. E. Randall)
Pygmäen-Grundeln leben nur 59 Tage und sind damit die am kürzesten lebenden Wirbeltiere, die bis jetzt bekannt sind. Nur gerade drei Wochen bleiben den winzigen Korallenriff-Fischen, um sich fortzupflanzen. Das haben australische Forscher bei Untersuchungen am Great Barrier Reef herausgefunden. So können die Pygmäen-Grundeln in einem Jahr sieben Generationen hervorbringen.

Für ihre Arbeit untersuchten die Forscher die so genannten Otolithen von 319 Pygmäen-Grundeln (Eviota sigillata). Diese Ohrsteine gehören zum Gleichgewichtsorgan der Tiere und bilden sich, indem sich jeden Tag eine neue Kalk-Schicht ringförmig auf den Steinen ablagert ? ähnlich wie die Jahresringe eines Baumes. Anhand dieser Steine konnten die Wissenschaftler das Alter der Grundeln bestimmen.

Die Forscher stellten fest, dass die Pygmäen-Grundel höchstens 59 Tage lebt. Nachdem sie aus dem Ei geschlüpft ist, entwickelt sich die Grundellarve während drei Wochen in der offenen See, bevor sie sich am Korallenriff niederlässt. Von den 35 Tagen, welche die Grundel beim Korallenriff verbringt, braucht sie mindestens zehn Tage, bis sie die sexuelle Reife erlangt. So bleiben für die Fortpflanzung nur drei Wochen.

Die Fruchtbarkeit der Pygmäen-Grundel wird zudem durch ihre Körpergröße begrenzt: Mit ihren elf bis zwanzig Millimetern ist die Anzahl der Eier, die sie produzieren kann, beschränkt. 11 bis 17 Tage braucht die Grundel, um ein Gelege von 108 bis 163 Eier abzulaichen. In den drei Wochen Fortpflanzungszeit kann die Pygmäen-Grundel daher drei Gelege mit insgesamt rund 400 Eiern ablegen, die von den Männchen gut bewacht werden. Denn die Sterblichkeit der Korallenriff-Fischlarven ist normalerweise größer als 95 Prozent, was eine möglichst hohe Überlebensrate der Larven nötig macht. Pro Jahr kann die Pygmäen-Grundel somit sieben Generationen produzieren.

Bislang galt der zwölf Wochen lebende Türkise Prachtgrundkärpfling (Notobranchius furzeri) als das am kürzesten lebende Wirbeltier. „Erstaunlicherweise sind schriftlich belegte Extreme in der Entwicklungsgeschichte von Wirbeltieren auch immer bei Korallenriff-Fischen zu finden“, schreiben die Forscher. So ergab eine Untersuchung an 146 verschiedenen Arten von kleinen Riff-Fischen, dass die tägliche Sterblichkeitsrate bei fast acht Prozent lag. Die Fische sind deshalb zeitlich sehr eingeschränkt und unterliegen einem großen Selektionsdruck. Ob aufgrund der hohen Räuberrate, der verhältnismäßig konstanten Umgebung oder der außergewöhnlich hohen biologischen Vielfalt: Korallenriffe bieten die besonderen Bedingungen, welche die Evolution und die Erhaltung von Extremen in der Entwicklungsgeschichte von Wirbeltieren ermöglichen.

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Martial Depczynski und David Bellwood ( James-Cook-Universität, Townsville): Current Biology, Bd. 15, S. 288

ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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