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Herzen von Chorsängern schlagen im Gleichtakt

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Das gemeinsame Singen synchronisiert den Herzschlag (Universität Göteborg)
Das gemeinsame Singen hat seine Wurzeln weit in der Vergangenheit: Schon unsere Vorfahren nutzten rituelle Gesänge zur Beschwörung oder als Heilmittel, sangen Kampflieder oder feierten mit gemeinsamem Singen und Tanzen. Das Singen hat dabei zahlreiche positive Wirkungen: Es entspannt, verbindet und hebt die Stimmung. Ein Experiment schwedischer Forscher belegt nun, dass auch der Herzschlag beim gemeinsamen Singen beeinflusst wird: Schon nach ein paar Takten wird er bei allen Mitgliedern des Chores synchron – ihr Herz schlägt quasi im Gleichtakt.

Normalerweise schlägt unser Herz keineswegs gleichmäßig, ganz im Gegenteil: Ständig beschleunigt sich der Puls, wird wieder langsamer, dann wieder schneller. Besonders deutlich ist dies bei körperlicher Beanspruchung, wenn das Herz schneller schlägt, um mehr Blut zu den Muskeln zu pumpen. Aber selbst wenn wir in Ruhe sind, beispielsweise bewegungslos im Bett liegen, schwankt unser Puls leicht. Diese sogenannte Herzfrequenzvariabilität gilt als Zeichen für eine gute Gesundheit. Fehlen diese Schwankungen oder sind sie nur schwach ausgeprägt, kann eine Krankheit, aber auch chronischer Stress die Ursache sein. Mögliche Folgen dieser gestörten Variabilität sind dann oft ein zu hoher Blutdruck.

Ein wichtiger Einflussfaktor für die Variation der Herzfrequenz ist die Atmung, wie Björn Vickhoff von der Universität Göteborg und seine Kollegen erklären: „Atmen wir bewusst langsam und tief aus, verlangsamt sich unser Herzschlag, atmen wir tief ein, beschleunigt er sich leicht“, so die Forscher. Das Ausatmen aktiviert einen Nerv des vegetativen Nervensystems, den Vagusnerv, der direkt auf das Schrittmacherzentrum des Herzens wirkt. Dadurch schlägt das Herz langsamer. Beim Einatmen löst sich diese „Bremse“ und die Herzfrequenz erhöht sich wieder. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Effekt beispielsweise beim Yoga-Atmen oder anderen bewussten Atemtechniken. Das erkläre, warum diese auch eine positive Wirkung auf die Herzgesundheit und den Blutdruck haben, so die Forscher.

Wie wirken Summen, Mantra und eine Hymne auf das Herz?

Genau an dieser Stelle setzt die aktuelle Studie von Vickhoff und seinen Kollegen an: Sie wollten wissen, ob auch das Singen im Chor einen Yoga-ähnlichen Effekt auf die Herzfrequenzvariabilität hat. Denn, so ihre Hypothese, da auch beim gemeinsamen Gesang kontrolliert und bewusst geatmet wird, müsste auch dies positiv auf das Herz wirken. Um das zu prüfen, ließen sie 15 junge Erwachsene drei verschiedene Stücke im Chor singen, während ihre Herzfrequenz kontinuierlich überwacht wurde. Das erste Stück bestand nur aus einem kontinuierlichen Summen, bei dem jeder Sänger zu beliebiger Zeit atmen konnte. Das zweite Stück bestand aus dem mit einer einfachen Melodie vertonten Satz „just relax“, der langsam wiederholt wurde – wie ein Mantra. Die Sänger erhielten die Anweisung, nur jeweils zwischen den Phrasen zu atmen – und damit regelmäßig und gemeinsam alle zehn Sekunden. Als drittes Stück wählten die Forscher eine langsame Hymne. „Während das Mantra ein koordiniertes Atmen erzwingt und das Summen völlige Freiheit lässt, nimmt die Hymne eine Zwischenstellung ein: Ihre Phrasen legen es nahe, an bestimmten Stellen zu atmen, sie fördert daher die Koordination, erzwingt sie aber nicht“, erklären die Wissenschaftler.

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Das Ergebnis: Beim Mantra und auch bei der Hymne glich sich der Herzschlag der Chorsänger schon nach wenigen Takten an: Durch ihr koordiniertes Ein- und Ausatmen schwankte auch ihr Herzrhythmus im Gleichtakt zwischen schnell und langsam, wie die Forscher berichten. Beim Summen, bei dem die Sänger zu beliebiger Zeit atmeten, blieb der Herzschlag dagegen asynchron. „Gesänge mit langem Phrasen erreichen demnach den gleichen Effekt wie die Atemübungen beim Yoga“, berichten die Forscher. Sie fördern ein ruhiges und regelmäßiges Atmen und verstärken dadurch die natürliche und gesunde Schwankung der Herzrate. Das belege, dass Singen nicht nur positive Wirkungen auf die Psyche und das Nervensystems als Ganzes habe, sondern auch in großem Maße auf das Herz, konstatieren Vickhoff und seine Kollegen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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