Forschungsprojekt soll Maßnahmen gegen tödliche Pilzseuche entwickeln Hilfe für Deutschlands Feuersalamander - wissenschaft.de
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Forschungsprojekt soll Maßnahmen gegen tödliche Pilzseuche entwickeln

Hilfe für Deutschlands Feuersalamander

Feuersalamander
Die europäischen Feuersalamander sind von einer tödlichen Pilzsweuche bedroht (Foto: Timm Reinhardt)
Der gefürchtete „Salamanderfresser“-Pilz ist jetzt auch im Westen Deutschlands angekommen. Um die deutschen Feuersalamander vor der tödlichen Seuche zu retten, hat jetzt ein großangelegtes Projekt begonnen, das die Ausbreitung des Pilzes überwachen und Gegenmaßnahmen entwickeln soll.

Es begann im Jahr 2010: Eine geheimnisvolle Krankheit raffte in den Niederlanden einen Großteil der Feuersalamander hinweg. Wenig später stellten Forscher fest, dass ein mit dem Tierhandel aus Asien eingeschleppter Pilz die Ursache dieser tödlichen Seuche ist. Der Batrachochytrium salamandrivorans – Salamanderfresser – getaufte Pilz befällt bei Salamandern und Molchen zunächst die Haut und führt nach fortschreitender Lähmung schließlich schnell zum Tod.

Das Schlimme dabei: Werden die Feuersalamander infiziert, reagiert ihre Immunabwehr nicht auf den Krankheitserreger. Die Tiere haben damit keine Chance gegen die tödliche Pilzkrankheit und können auch keine Resistenzen aufbauen. Als Folge sterben ganze Populationen innerhalb von wenigen Tagen an dieser Pilzerkrankung. In Belgien und den Niederlanden wird Batrachochytrium für ein fast vollständiges Erlöschen der Bestände verantwortlich gemacht.

Jetzt sind auch Deutschlands Salamander in Gefahr

Inzwischen schlagen auch deutsche Biologen Alarm: Nach den Massensterben bei Feuersalamandern in den Niederlanden und Belgien wurde der tödliche Pilz nun auch bei Feuersalamandern und Molchen in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Das Fatale daran: Deutschland liegt im Zentrum des Verbreitungsgebiets der europäische Feuersalamander. Ein Großteil des gesamten Bestands lebt bei uns. Gehen diese Tiere an der tödlichen Pilzseuche zugrunde, könnte die gesamte Art bedroht sein.

„Der Feuersalamander ist eine Art, für die wir in Deutschland eine besondere nationale Verantwortung haben“, erklärt Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN). „Außerdem gefährdet ein Ausbreiten des Pilzes in Deutschland nicht nur den Feuersalamander, sondern der Pilz infiziert auch andere Salamander- und Molcharten. Solche Arten spielen eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen.“

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Überwachung und Gegenmaßnahmen

Um der Ausbreitung der Pilzseuche entgegenzuwirken, hat das Bundesamt für Naturschutz jetzt Maßnahmen ergriffen. Ein großangelegtes Projekt soll die Verbreitung des Pilzes überwachen und Bekämpfungsmaßnahmen entwickeln. Dafür werden Wissenschaftler der Universitäten Trier und Braunschweig sowie mehrerer Biologischer Stationen künftig regelmäßig Larven und ausgewachsene Feuersalamander aus dem Freiland einfangen und mittels molekulargenetischer Methoden auf Pilzbefall untersuchen.

Zudem gibt es eine europaweite Meldeplattform für den Salamanderpilz im Internet. Auf diesen Seiten können Laien auch nachlesen, was sie tun können, wenn sie einen toten Feuersalamander finden. Mit Hilfe der gesammelten Daten wollen die Forscher bestimmen, wie, wo und wie schnell sich Batrachochytrium salamandrivorans unter den Salamandern in Deutschland ausbreitet. Die Erkenntnisse sollen auch ein bundesweites Management im Umgang mit dem Pilz und seine Eindämmung ermöglichen.

Zudem soll das Projekt konkrete Maßnahmen erarbeiten, durch die eine weitere Verbreitung des Erregers in wildlebenden Beständen von Amphibien verhindert werden kann. Ziel ist es, konkrete Handlungsempfehlungen für Behörden, Institutionen und Verbände, die mit dem Artenschutz befasst sind, zu entwickeln.

Quelle: Bundesamt für Naturschutz

© natur.de – Nadja Podbregar
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