Hilfe für unsere Feldhamster - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Hilfe für unsere Feldhamster

Feldhamster
Feldhamster sind bei uns akut bedroht. (Foto: llocricetulus/iStock)

Not auf dem Acker: Der Hitzesommer 2018 hat hierzulande Mais, Getreide und Co frühzeitig auf den Feldern vertrocknen lassen. Das aber ist nicht nur für Landwirte fatal – auch der ohnehin bedrohte Feldhamster leidet in diesem Jahr noch mehr als sonst. Jetzt soll ein Rettungsprojekt dem gefährdeten Hamster helfen. In fünf Bundesländern setzen dafür Forscher in Zusammenarbeit mit Landwirten Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des Nagers um.

Einst war der Europäische Feldhamster (Cricetus cricetus) auf unseren Feldern häufig. Der ursprünglich in den Steppen Osteuropas beheimatete Nager zog schon vor Jahrtausenden mit der Ausbreitung der Landwirtschaft westwärts und passte sich perfekt an das Leben im Acker an. Den Sommer über, wenn das reifende Getreide auf dem Feld steht, frisst sich der Hamster ein Fettpolster an und sammelt Vorräte für den Winter.

Hunger auf dem Feld

Doch inzwischen ist der scheue Nager zum Sorgenkind für Natur- und Artenschützer geworden. Denn die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und dem Einsatz von effizienten Erntemaschinen, die „jedes Körnchen“ abernten, macht den Hamstern das Überleben schwer. Stoppelfelder werden meist sofort nach der Ernte umgepflügt. Getreidefelder verwandeln sich innerhalb kürzester Zeit in öde Ackerwüsten. Der Feldhamster kann so nicht genügend Wintervorräte an Ähren- und Körnerresten hamstern. Auch frühere Erntezeiten, fehlende Hecken und Feldränder und der Pestizideinsatz machen es dem Hamster schwer, genügend Nahrung für sich und seine Jungen zu finden.

Die 30 Zentimeter großen und rund 500 Gramm schweren Tiere sind mittlerweile so selten, dass sie in ganz Deutschland vom Aussterben bedroht und streng geschützt sind. Besonders dramatisch ist die Lage der Hamster in diesem Jahr: Weil das Getreide durch die anhaltende Trockenheit notgereift ist, gibt es weniger und kleinere Körner. In einigen Regionen konnte nur ein Drittel der üblichen Ernte eingefahren werden. „Auf und unter dem Acker finden zurzeit zwei ganz unterschiedliche Existenzkämpfe statt“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Landwirte kämpfen um weitere Subventionen und der Feldhamster kämpft seit Jahren um sein Überleben.“

Schutzprojekt bindet Bauern mit ein

Um den Feldhamster bei uns zu retten, haben nun die Deutsche Wildtier Stiftung, die Senckenberg Gesellschaft, der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen, die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz ein gemeinsames Verbundvorhaben zum Schutz des Feldhamsters gestartet. In fünf Bundesländern sollen jetzt zielgerichtete Artenhilfsmaßnahmen umgesetzt werden. Die Herausforderung dabei: Im Gegensatz zu anderen Arten helfen dem Feldhamster keine Schutzgebiete – er benötigt landwirtschaftlich genutzte Flächen. Bei dem Rettungsprojekt müssen daher Landwirte mitmachen.

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„Zunächst wird mit ehrenamtlichen Mitarbeitern der Feldhamster-Bestand großflächig erfasst“, erklärt von Münchhausen das Projekt. Auf Grundlage der Kartierungen werden dann gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben zielgerichtete Schutzmaßnahmen geplant und umgesetzt. „Dazu gehören beispielsweise ungeerntete Getreidestreifen, die den Hamstern Nahrung und Deckung bieten“, so von Münchhausen. Auch Feldraine und andere Refugien für den Hamster sollen gefördert werden. Das Rettungsprojekt läuft vorerst bis 2023 und wird mit knapp fünf Millionen Euro vom Bundesamt für Naturschutz gefördert.

Quellen: Deutsche Wildtierstiftung, Bundesamt für Naturschutz

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Der Sommer war produktiv. Im Septemberheft der GIO, Gruppe. Interaktion. Organisation ist ein Artikel von mir erschienen: „Dynamiken im digitalen Wandel. Herausforderungen bezüglich Medien, sozialer Prozesse und Demokratie.“ Hier im Blog möchte ich auf einen anderen Aspekt eingehen, der mich in Forschung – und auch Organisationsberatung – stark beschäftigt: Wie sind Digitalisierung und damit einhergehende soziale und Organisationsdynamiken beforschbar?

Digitalisierung ist ein Phänomen, dem immer noch viele etwas ratlos gegenüberstehen. Vieles verändert sich. Der Alltag von Menschen ändert sich, Abläufe in Organisationen werden anders, digitale Medien und Apps sind alltägliche Begleiter und die dadurch hervorgerufenen Veränderungen oft nicht ganz greifbar. Der technologische Wandel ist für die Forschung interessant, aber so ganz klar wie dem methodologisch und methodisch – vor allem sinnvoll – begegnet werden kann, ist es oft nicht. Warum?

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Digitalisierung hat neue Prozesse hervorgebracht, bekannte Abläufe wurden auf den Kopf gestellt und viele dieser Prozesse sind noch nicht endgültig ausgehandelt. Bestes Beispiel dafür sind Organisationen und ihre Strukturen. Seitdem ich beruflich weniger an Universitäten und mehr in Unternehmen und NGOs unterwegs bin, ist mein Einblick diesbezüglich auch ein anderer und intensiverer. In vielen Bereichen fehlen die Zugänge um diese Veränderungsprozesse steuern zu können, oft auch deshalb weil die Steuerung sozialer Prozesse an sich oftmals mehr dem Zufall als einem überlegten Ansatz entspricht. Egal ob technologieaffine oder –ferne Organisationen: In den meisten fehlen die Antworten wie den Herausforderungen begegnet werden kann. Technologieaffine, wie z.B. IT-Unternehmen, sind zwar dem technologischen Wandel gut gewachsen, häufig aber mit den dadurch bedingten sozialen Veränderungen über- bzw. gefordert. Technologiefernere Organisationen, selbst welche mit implementierten, organisationellen Changeansätzen, sind oft mit den zusätzlichen und ungewohnten, technologisch bedingten Herausforderungen konfrontiert. Spannend dabei ist, und das ist das Feld in dem ich mich inzwischen viel bewege, dass jede Organisation ihre ganz eigenen Anforderungen, Ticks, Gewohnheiten und auch Macken hat, denen sinnvollerweise situativ begegnet werden muss – keine Organisation gleicht einer anderen.

Ähnliches gilt auch für Forschungsansätze: Mehr vom Gleichen funktioniert nicht, wenn sich Abläufe und Prozesse verändert haben. Die Messung des Status Quo liefert kaum Daten über mögliche Ansatzpunkte für notwendige Veränderungen. Deshalb greifen quantitative, sozialwissenschaftliche Analysen häufig zu kurz oder bleiben auf der Ebene von Zufriedenheitsbeschreibungen und Ähnlichem. Datenanalysen – Stichwort big data – liefern hier oft wesentlich sinnvollere Ergebnisse und in diesem Bereich tut sich seit einiger Zeit sehr viel um neue Ansätze und Wege zu erreichen. Um aber die oben beschriebenen Veränderungen in Organisationen zu erfassen, braucht es andere Zugänge. Veränderungen von Prozessen und das Erfassen habitueller bzw. kollektiver Ausrichtungen, d.h. der Mindsets von Organisationen und den Menschen darin, funktioniert nur mit Methodologien, die dementsprechend agieren.

LeserInnen dieses Blogs werden jetzt schon wissen was ich meine. Interpretative Forschungsansätze können genau das. In den letzten beiden Jahren arbeite ich viel genau an den Übergängen und Schnittmengen zwischen Forschung und Beratung. Mit Organisationsanalysen, die methodologisch mit Grounded Theory oder dokumentarischer Methode durchgeführt werden, können kollektive Orientierungen, Prozesse und Argumentationslinien gut erfasst werden. So entsteht quasi eine Theorie zu einer spezifischen Organisation, die darin enthaltenen Modelle erfassen gut welche Ausprägungen von Phänomenen sich in diesen Unternehmen und NGOs wiederfinden. Damit steigt das Verständnis – ums umgangssprachlich zu sagen – wo der Schuh drückt und was die Menschen in den Organisationen beschäftigt. Die daraus entwickelten Beratungsmaßnahmen und Veränderungsprozesse sind so forschungsbasiert in der Perspektive der handelnden Personen(gruppen) begründet und wesentlich treffsicherer. Besonders gut funktioniert dieser Zugang, wenn die Maßnahmen partizipativ mit Beteiligung der Organisationsmitglieder entwickelt und dann auch umgesetzt werden. Das Forschen hat den Vorteil in die Logik – bzw. Logiken, oft sind in Organisationen unterschiedliche vorhanden – der Unternehmen und NGOs Einblick zu erhalten und zu verstehen warum welche Abläufe vorhanden sind. Soziologisch gesprochen ist jedes solche Projekt eine kleine Sozialisation in den Habitus einer Organisation. Die Begleitung ist dann schlicht näher an den Notwendigkeiten dran.

Ra|dio|quel|le  〈f. 19〉 Ausgangspunkt einer starken Radiostrahlung im Kosmos; Sy Radiostrahler ... mehr

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