Hirn-Duett - wissenschaft.de
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Hirn-Duett

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Musiker haben nicht nur die gleiche Leidenschaft, sondern zeigen beim gemeinsamen Spielen auch die gleichen Hirnaktivitäten.
Wenn zwei Gitarristen zusammen die gleiche Melodie spielen, arbeiten auch ihre Gehirne unisono: Ihre Hirnstrommuster passen sich beim Spielen aneinander an und synchronisieren sich, haben jetzt deutsche und österreichische Forscher gezeigt. Vor allem bei der Suche nach einem passendem Tempo vor dem Beginn des Stückes und in den ersten Sekunden des gemeinsamen Spiels sind die Übereinstimmungen sehr groß. Hauptquelle der synchronen Hirnströme sind Bereiche hinter der Stirn und im Zentrum des Gehirns, fand das Team um Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin heraus.

Für das reibungslose Zusammenleben in so komplizierten Gesellschaften wie der menschlichen ist es nicht selten nötig, das eigene Verhalten mit dem anderer zu koordinieren ? und sei es nur, um bei einer Mannschaftssportart auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten oder bei einem Spaziergang die gleiche Geschwindigkeit zu wählen. Besonders wichtig ist die Verhaltenssynchronisation jedoch bei Tätigkeiten, bei denen ein bestimmter Rhythmus gehalten werden muss, etwa beim Tanzen oder beim gemeinsamen Musizieren.

Um nun zu untersuchen, ob koordiniertem Verhalten auch synchronisierte Hirnaktivitäten zugrunde liegen, wählten Lindenberger und sein Team daher folgerichtig ein Gitarrenduett. Ihre Versuchsanordnung: Zwei Spieler saßen sich genau gegenüber und bekamen von einem Metronom einen Rhythmus vorgegeben. Anschließend gab einer von ihnen ein Startzeichen, und beide begannen unisono ein etwa 20 Sekunden langes Melodienfragment zu spielen. Währenddessen zeichnete ein Elektroenzephalograf mit Hilfe von auf der Kopfhaut befestigten Elektroden die Hirnströme der beiden Spieler auf. Zusätzlich registrierten zwei Mikrophone zeitgleich die Gitarrentöne.

Vor allem die Spannungsschwankungen mit niedrigen Frequenzen, die im vorderen Kopfbereich und mitten auf dem Kopf aufgezeichnet wurden, waren zwischen den Spielern stark synchronisiert, berichten die Forscher. Dort liegen unter anderem die Hirnareale, die Sinneseindrücke verarbeiten, Bewegungen koordinieren und das Verhalten anderer registrieren und interpretieren. Zusätzlich gab es noch synchronisierte Muster in Schläfen- und Scheitellappen des Gehirns, die vermutlich auf die Wahrnehmung, Produktion und Wertschätzung von Musik zurückgehen.

Eine zentrale Frage lasse sich anhand der aktuellen Ergebnisse allerdings nicht zufriedenstellend beantworten, schreiben die Forscher: Entsteht die Übereinstimmung der Hirnströme, weil beide Musiker ähnlich auf die gleichen Reize reagieren? Oder ist diese Reaktion nur der Auslöser, der eine umfassendere Synchronisation einleitet, die unter anderem auf der sozialen Wechselwirkung zwischen den beiden basiert? Das soll nun in weiteren Studien geklärt werden.

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Ulman Lindenberger (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) et al.: BMC Neuroscience, in press ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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