Hirnforscher: Kinder lernen besser, wenn sie beim Nachahmen den Sinn hinter einer Handlung verstehen - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Hirnforscher: Kinder lernen besser, wenn sie beim Nachahmen den Sinn hinter einer Handlung verstehen

In zwei Studien haben französische und amerikanische Neurowissenschaftler entdeckt, dass verschiedene Gehirnregionen für soziales Verhalten in einem Netzwerk interagieren. Die Studien, die Teil eines Forschungsprojektes, das die neurologischen Grundlagen sozialer Wechselwirkungen aufzudecken versucht, sind in der Januar und Februar Ausgabe des Journals NeuroImage (Vol.15, Nr.1, S.265 und Nr.2, S. 318) veröffentlicht.

Besonders sind die Wissenschaftler um Jean Decety vom France’s Institut de la Santé et de la Recherche Médicale und Andrew Meltzoff vom University of Washington’s Center for Mind, Brain & Learning an den Ursprüngen des Einfühlungsvermögens in eine andere Person, der Empathie, interessiert. Nicht alle Menschen verfügen über dieses Einfühlungsvermögen. Metzloff glaubt, dass die Wurzeln der Fähigkeit zur Empathie früh im Leben zu finden seien. „Die Ausbildung der Fähigkeit könnte mit der Imitation von Verhalten zusammenhängen. Kleinkinder imitieren Verhaltensweisen schon sehr früh im Leben. Ein drei Jahre altes Kind kann bereits Empathie empfinden. Es würde beispielsweise seine Mutter trösten, wenn sie weint. Durch Imitation können wir fühlen, was eine andere Person empfindet, und das ist die eigentliche Definition von Empathie.“

Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass Lernen durch Imitation in zwei sich ergänzende Bestandteile gegliedert ist. Zum einen die Imitation des Zieles einer Aktion und zum anderen die Nachahmung der Absichten, die zu einem Ziel führen. Obwohl beide Aspekte nicht voneinander getrennt werden können, ist jeweils, so die Wissenschaftler, eine andere Gehirnregion für die beiden Bestandteile zuständig. Sie sahen eine erhöhte Aktivität im mittleren präfrontalen Cortex, wenn Probanden über die Absicht und Mittel, ein Ziel zu erreichen, Kenntnis hatten und diese imitierten. Andererseits wurde bei einer Nachahmung des Zieles eine erhöhte Gehirnaktivität im linken prämotorischen Cortex festgestellt. Der präfrontale Cortex ist verantwortlich für die Persönlichkeitsstruktur einer Person, also für kognitive Vorgänge in Bezug auf Emotionen. „Diese Ergebnisse stützen die Annahme, dass die Beobachtung der Absicht hinter einem Verhalten genauso oder vielleicht noch wichtiger ist als das Betrachten des Verhaltens selber“, so die Verfasser.

Die Entdeckungen könnten helfen, die pädagogische Praxis zu verbessern. „In der Entwicklung eines Kindes ist es für die menschliche Interaktion wichtig, die Absichten und Ziele einer anderen Person zu wissen. Wenn Kinder einfach nur exakt nachahmen, ohne Gründe zu verstehen, werden sie kein tiefes Verständnis für andere Personen entwickeln können“, so Meltzoff.

Nicole Waschke
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Tan|ga|re  〈f. 19; meist Pl.; Zool.〉 in Mittel– u. Südamerika heimischer, bunter Singvogel, der den Finken ähnelt: Thraupidae [<portug. tangara ... mehr

Op|tik  〈f. 20〉 I 〈unz.〉 1 Lehre vom Licht; Sy Lichtlehre ... mehr

Bio|sen|sor  〈m. 23〉 Instrument zur (elektron.) Messung von physikalischen u. chemischen Abläufen am u. im Körper

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige