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Umwelt+Natur

Hochlandrinder fördern die Vielfalt auf der Wiese

Hochlandrind
Durch ihre Futtervorlieben fördern Hochlandrinder die botanische Artenvielfalt auf Weideflächen. (Bild: RenePi/ istock)

Die Kuh bestimmt mit, welches Kraut wächst: Abhängig von der Rinderrasse unterscheidet sich die botanische Zusammensetzung von Weideflächen offenbar deutlich. Wie Forscher herausgefunden haben, wachsen auf von produktionsorientierten Rindern wie Fleckvieh beweideten Wiesen ganz andere Pflanzen als auf Flächen, auf denen Hochlandrinder fressen. Letztere fördern durch ihre Futterwahl offenbar stärker die Artenvielfalt. Außerdem wirken sie der Ausbreitung von Sträuchern besser entgegen. Aus diesem Grund eignen sich diese Robustrinder besonders gut für die Erhaltung und Bewirtschaftung wertvoller Graslandschaften, erklärt das Team.

Ob Heide oder Almwiese: Viele Graslandschaften in Europa wurden im Laufe der Jahrhunderte durch den Menschen geschaffen. Als unsere Vorfahren begannen, Landwirtschaft zu betreiben, drängten sie an vielen Stellen den Wald zurück. Später trugen wilde, aber vor allem auch domestizierte Pflanzenfresser dazu bei, die neu entstandenen Landschaften offen zu halten. Die Beweidung durch Schafe, Ziegen und Rinder formt diese besonderen Ökosysteme bis heute. Bekannt ist dabei, dass sich jede Tierart auf ihre eigene, charakteristische Weise als Gärtner betätigt: Die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft hängt davon ab, welche Spezies auf der Weide frisst.

Unklar war bisher allerdings, wie unterschiedliche Rassen einer Art die Vegetation beeinflussen. „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Vieh durch Zuchtmaßnahmen enorm verändert“, erklären Caren Pauler von der Universität Göttingen und ihre Kollegen. „Dies könnte sich auch auf die Zusammensetzung der Graslandvegetation auswirken.“ Ein gutes Beispiel dafür ist das Rind: Robuste und meist ältere Rassen wie die Hochlandrinder unterscheiden sich in Sachen Futterbedarf und Körpergewicht deutlich von gezielt auf die Fleisch- und Milchproduktion hin optimierten Rindern wie Fleck- und Braunvieh oder das Angusrind.

Mehr Klettpflanzen

Macht es einen Unterschied, ob Robustrinder oder produktionsorientierte Rassen auf einer Weide grasen? Dieser Frage sind die Wissenschaftler nun in Bergregionen in Süddeutschland und in der Schweiz nachgegangen. Für ihre Studie verglichen sie die botanische Zusammensetzung auf Flächen, die seit vielen Jahren von Hochlandlandrindern beweidet wurden, mit angrenzenden Weiden intensiverer Rinderrassen. Insgesamt untersuchten sie dabei 50 Flächen an 25 unterschiedlichen Standorten.

Die Analysen ergaben: Tatsächlich gab es deutliche Unterschiede in Bezug auf die Vegetation. So wiesen Weiden mit produktionsorientierte Rinderrassen unabhängig vom Standort mehr Pflanzen auf, die besonders tolerant gegenüber intensiver Beweidung und Tritten sind. Im Gegensatz dazu, kamen auf von den langhaarigen Hochlandrindern beweideten Wiesen mehr Arten vor, deren Samen sich im Fell der Tiere verhaken und so verbreiten. Alles in allem war die Artenvielfalt auf den Weiden dieser Rinder dabei deutlich höher als auf den Vergleichsflächen. „Hochlandrinder hatten einen direkten positiven Einfluss auf die Diversität der Vegetation“, berichtet das Team.

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Weniger Sträucher

Je länger sich diese Rinderrasse auf einer Weide befand, desto klarer fiel der Unterschied in Sachen Artenvielfalt aus, wie die Ergebnisse zeigten. Darüber hinaus war der Anteil an höhergewachsenen Sträuchern auf den Wiesen der Hochlandrinder niedriger – ein Hinweis darauf, dass diese Tiere weniger anspruchsvoll in der Wahl ihres Futters sind. „Rinderrassen könnten die unterschiedlichen Reaktionen der Vegetation auf Beweidung, die in der Praxis häufig beobachtet werden, zumindest miterklären. Dieser Faktor ist bisher kaum berücksichtigt worden“, konstatieren die Forscher.

Ihrer Ansicht nach zeichnet sich nun ab, dass die robusten und anspruchslosen Hochlandrinder ein großes Potenzial als Gärtner in semi-natürlichen Graslandschaften haben. Denn sie verhindern unerwünschtes Strauchwachstum und erhalten und fördern offenbar die Artenvielfalt in diesen einst von Menschenhand geschaffenen Landschaftsformen.

Quelle: Caren Pauler (Universität Göttingen) et al., Agriculture, Ecosystems and Environment, doi: 10.1016/j.agee.2019.106585

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