Honigbienen: Mit gezielter Zucht gegen die Varroamilbe - wissenschaft.de
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Honigbienen: Mit gezielter Zucht gegen die Varroamilbe

Bienen
Bienenkönigin in der Würzburger Bienenstation. (Bild: Dirk Ahrens-Lagast)

Die blutsaugenden Varroamilben sind eine der wichtigsten Ursache für das Sterben vieler Bienenvölker. Denn sie schwächen die Honigbienen und übertragen Krankheitserreger. Jetzt wollen Imker mit gezielter Zucht gegen die Milben vorgehen. Dabei fördern sie vor allem die Bienen, deren Verhalten die Vermehrung der Milben hemmt und die widerstandsfähiger gegenüber dem Parasitenbefall sind.

Honigbienen haben es schwer: Nahrungsmangel, Pestizide und auch Krankheitserreger und Parasiten setzen ihnen in den letzten Jahren schwer zu. In manchen Gegenden müssen diese wichtigen Bestäuberinsekten und Honiglieferanten um ihr Überleben kämpfen. Vor allem im Winter zeigt sich dabei meist, ob ein Bienenvolk gesund und stabil genug ist, denn in der kalten Jahreszeit gehen besonders viele Bienenvölker ein. In Deutschland traf dies im letzten Winter nach Angaben des Imkerbundes etwa jedes siebte Bienenvolk.

Vermehrung in der Brutzelle der Bienenlarve

Eines der größten Probleme von Bienen und Imkern ist die parasitische Milbe Varroa destructor. „Die Varroamilbe ist laut Deutschem Bienenmonitoring für bis zu 95 Prozent der Herbst- und Winterverluste von Honigbienen verantwortlich“, erklärt Imker Dirk Ahrens-Lagast von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. „In einem brütenden Bienenvolk verdoppelt sie ihre Population in einem Zeitraum von drei bis vier Wochen.“ Die Milben werden von den Bienenarbeiterinnen in den Stock eingetragen und lassen sich dann von den Ammenbienen zu den Brutwaben bringen. Dort nisten sie sich ein und zapfen die Bienenlarven an. Im Schutz der verdeckelten Brutwaben vermehren sich die Milben dann – zu Lasten der Larven.

An genau diesem Punkt setzt nun eine neue Strategie von Bienenzüchtern und Imkern an: Weil die Vermehrung der Varroamilbe zeitlich eng an den Verpuppungsprozess der Bienenbrut gekoppelt ist, können sich bereits kleinste Änderungen oder Störungen in diesem Prozess auf die Milbenvermehrung auswirken. Eine solche Störung ist das Öffnen und Schließen – das sogenannte Recapping – der Brutzellen. „Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Brutzellen eines Bienenvolks nach dem Verdeckeln erst wieder von der schlüpfenden Biene geöffnet werden“, erläutert Ahrens-Lagast. Die Varroamilbe kann sich demnach ungestört in diesen Waben vermehren, so dachte man.

Unterdrückte Milbenvermehrung durch „Recapping“

Doch das ist nicht immer so, wie jüngste Studien zeigen: Es gibt Honigbienen-Linien, die ihre Brutzellen offenbar häufiger kontrollieren. Sie öffnen diese Zellen dann regelmäßig, unabhängig davon, ob sich tatsächlich Milben in ihnen befinden. Manche räumen sie aus, andere lassen sie eine Weile offen, bevor ein neuer Deckel darauf kommt. Das Interessante daran: „Das Recapping bewirkt eine unterdrückte Milbenvermehrung, beispielsweise indem störungsbedingt keine der Tochtermilben in der geschlossenen Brutzelle begattet wird“, erklärt Ahrens-Lagast. Diese Milben sind dann nicht lebensfähig und sterben, wenn die Biene schlüpft.

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Diese Eigenschaft nutzen Forscher und Imker der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (AGT), um gezielt Bienenvölker zu züchten, die sich durch diese und andere Verhaltensweisen gegen die Varroamilbe behaupten können. Dafür kreuzen sie regelmäßig die besten Bienen dieser milbentoleranteren Linien mit eigenen Bienenvölkern. Das Ergebnis sei eine stetige Verbesserung der Leistung und Eigenschaften, insbesondere der Varroatoleranz, erklärt Ahrens-Lagast. In den besten Völkern der Zuchtpopulation wird die Milbenvermehrung von den Bienen bereits so stark unterdrückt, dass Imker sogar eine Zeit lang auf die üblichen Maßnahmen zur Varroabehandlung mit chemischen Wirkstoffen verzichten können, wie der Imker berichtet. Die solcherart optimierten Zuchtpopulationen werden dann genutzt, um Jungköniginnen und Drohnen an Imker und andere Zuchtstationen weiterzugeben.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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