Hühner mit Biss - wissenschaft.de
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Hühner mit Biss

Moderne Vögel können prinzipiell Zähne bilden, obwohl bezahnte Vogelarten bereits seit Millionen von Jahren ausgestorben sind. Das haben britische und amerikanische Wissenschaftler gezeigt. So entwickeln sich bei Hühnerembryonen mit einer bestimmten genetischen Veränderung automatisch Zähne, die den Beißern des Alligators ähneln. Auch normale Hühner tragen noch das gleiche genetische Programm für die Entwicklung von Zähnen in sich, das jedoch nicht ausgeführt werden kann, berichten die Forscher.

Die Vorfahren moderner Vögel hatten noch Zähne, die sich allerdings vor etwa 70 bis 80 Millionen Jahren zurückbildeten. Parallel dazu entwickelte sich der Schnabel, ein charakteristisches Merkmal aller heute lebenden Vögel. Dennoch ist die Fähigkeit zur Zahnbildung noch im Erbgut heutiger Vögel verankert. Wissenschaftlern war es bereits gelungen, aus dem Kiefergewebe von Geflügel zahnartige Gebilde zu züchten. Dazu benötigten sie allerdings Gewebezellen von Mäusen, die den Genen in den Vogelzellen den Befehl zum Aufbau von Zähnen gaben.

Zahnbildung kann auch ohne solche Kommandos von anderen Tieren funktionieren, konnten Matthew Harris von der Universität von Wisconsin in Madison und seine Kollegen jetzt zeigen. Für ihre Studie untersuchten sie Hühnerembryonen, deren Körperbau wegen einer besonderen Genmutation stark verändert war. Im Ober- und Unterkiefer der Ungeborenen entdeckten die Wissenschaftler zahnartige spitze Auswüchse, die dem Gebiss von Alligatorembryonen im gleichen Entwicklungsstadium ähnelten. Das war für Harris und sein Team nicht überraschend, da Krokodile die nächsten lebenden Verwandten von Vögeln sind.

Nicht die Mutation selbst sei Auslöser für die Gebissbildung, vermuten die Forscher. Vielmehr bewirke der Defekt im Erbgut eine anatomische Änderung des Kiefers, so dass molekulare Signale für die Zahnbildung das Mundgewebe erreichen konnten. Auch gesunde Vögel besitzen ein solches genetisches Programm für die Bildung von Krokodilszähnen, das allerdings wegen ihres Körperbaus unterdrückt wird. Harris und sein Team fanden dennoch einen Weg, dieses Programm auch bei Hühnerembryonen ohne Genmutation auszuführen. Dazu aktivierten sie ein bestimmtes Protein in deren Körper und konnten so die Bildung von Alligatorzähnen auslösen.

Matthew Harris (Universität von Wisconsin, Madison) et al.: Current Biology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.cub.2005.12.047 ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann
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