Hund folgen – Wölfe führen - wissenschaft.de
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Hund folgen – Wölfe führen

Bei dieser Aufgabe war gute Zusammenarbeit zwischen Mensch und Wolf gefragt. (Bild: Friederike Range/Vetmeduni Vienna)

Sind Hunde kooperativer veranlagt als ihre Ahnen – die Wölfe? Was die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit dem Menschen betrifft, haben Forscher nun gezeigt: Beide arbeiten gut mit uns zusammen, es gibt aber einen interessanten Unterschied: Hunde orientieren sich beim Teamwork stärker am Verhalten des Menschen – sie folgen. Wölfe übernehmen hingegen eher auch selbst mal die Initiative. Offenbar entstand dieser Unterschied durch die Zuchtauswahl im Rahmen der Domestikation, sagen die Forscher.

Klar ist: Der Hund ist aus dem Wolf hervorgegangen. Wo, wann und wie die Raubtiere zu den besten Freunden des Menschen wurden, liegt allerdings weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. Möglicherweise wurde der Wolf im Verlauf der letzten Eiszeit sogar mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt zum Gefährten des Menschen. Anschließend machte dann die Zuchtauswahl aus dem Wolf (Canis lupus) schließlich den Hund (Canis familiaris). Dabei veränderte sich das Aussehen der Tiere – doch inwieweit hat die Domestikation auch Verhaltens-Veranlagungen geprägt? Wie sich Wölfe und Hunde charakterlich unterscheiden, erforschen bereits seit vielen Jahren Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Wie unterscheiden sich Wolf und Hund?

In ihrer aktuellen Studie sind die Forscher um Friederike Range nun der Frage nachgegangen, ob Hunde besser in der Lage sind, mit dem Menschen zu kooperieren als ihre Ahnen. Der Hintergrund: Es wäre möglich, dass die Zuchtauswahl im Rahmen der Domestikation zu diesem Effekt geführt hat. Wie die Wissenschaftler in einer früheren Studie bereits verdeutlicht haben, scheinen Hunde zumindest nicht generell kooperativer veranlagt zu sein: Untereinander arbeiten sie sogar schlechter zusammen als Wölfe. Doch zeigen sie dafür vielleicht eine höhere Kooperationsbegabung in Kombination mit dem Menschen?

Um dieser Frage nachzugehen, haben die Forscher Experimente mit 15 Grauwölfen und 12 Mischlingshunden durchgeführt. Um Verhaltensunterschiede auf grundlegende Veranlagungen zurückführen zu können, wurden die Wölfe und Hunde im Wolf Science Center der Veterinärmedizinischen Universität Wien in gleicher Weise aufgezogen: Sie haben von Geburt an eine enge Bindung zu Menschen. Bei den Tests trat jeweils ein Team aus einem Wolf oder Hund gemeinsam mit einem dem jeweiligen Tier vertrauten Menschen an. Sie sollten an einem speziellen Gerät ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen: Um eine Futterbelohnung für das Tier zu erreichen, mussten die beiden gleichzeitig an einem Seil ziehen. Dabei war gute Abstimmung gefragt: Wenn einer der Partner allein oder zu heftig zog, flutschte das Seil aus der Vorrichtung und die Chance auf den Gewinn war vertan.

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Erfolgreiche Kooperation, aber…

Die Auswertungen der Erfolge und Verhaltensweisen bei den Tests ergaben: Wenn Hunde und Wölfe bei Menschen aufgewachsen sind und unter ähnlichen Bedingungen gehalten werden, arbeiten sie mit dem Menschen gleichermaßen gut zusammen. Wie die Forscher berichten, zeigen gibt es allerdings durchaus Besonderheiten: „Bei der Detailanalyse der kooperativen Interaktionen tauchten interessante Unterschiede zwischen Wölfen und Hunden auf. Es zeigte sich, dass – während Wölfe eher dazu neigen, Verhalten zu initiieren und die Führung zu übernehmen – Hunde eher darauf warten, was der menschliche Partner macht und dieser Verhaltensweise folgen“, sagt Range.

Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse, dass die vermeintlich ungleichen Brüder sich ähnlicher sind als vielfach angenommen, sagen die Forscher. Die Kooperationsfähigkeit mit dem Menschen ist nicht typisch für den Hund, sondern liegt am „Wolf im Hund“ – auch ihre wilden Vorfahren besaßen demnach bereits das Potenzial dazu. Offenbar ist es allerdings bei der intensiven Kooperation im Wolfsrudel wichtig, dass die einzelnen Tiere vergleichsweise selbstständig agieren. Im Zusammenleben mit dem Menschen war es hingegen vermutlich günstiger, wenn sich die Tiere stark am Menschen orientierten. Entsprechend veranlagte Tiere wurden deshalb für die Weiterzucht ausgewählt und so hat sich dieses Merkmal beim besten Freund des Menschen schließlich verfestigt, erklären die Wissenschaftler.

Veterinärmedizinische Universität Wien, Scientific Reports, https://www.nature.com/articles/s41598-019-40468-y

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