Hysterisches Immunsystem: Überreaktion begünstigt Infektionen bei Mukoviszidose - wissenschaft.de
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Hysterisches Immunsystem: Überreaktion begünstigt Infektionen bei Mukoviszidose

Amerikanische Wissenschaftler haben entdeckt, warum bei Menschen mit der Erbkrankheit Mukoviszidose so häufig schlimme Atemwegsinfektionen auftreten: Nicht der typische zähflüssige Schleim, sondern eine Überaktivität des eigenen Immunsystems bereiten den Bakterien den Boden. Christopher Karp von der Universität Cincinnati und seine Kollegen stellten fest, dass in den Lungen der Betroffenen wichtige Schaltermoleküle fehlen, die das Immunsystem in Schach halten. Die daraus resultierende ständige Entzündungsreaktion schädigt auf Dauer das Lungengewebe, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Nature Immunology (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/ni1056).

Bei der Erbkrankheit Mukoviszidose bildet sich in den Lungen und dem Verdauungstrakt der Betroffenen wegen einer Störung des zellulären Wassertransports ein dickflüssiger Schleim, der die Funktion der Organe behindert. Besonders in der Lunge treten zudem sehr häufig bakterielle Infektionen auf. Im Lauf der Zeit wird das Lungengewebe immer stärker geschädigt.

Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Infektionen das Immunsystem nicht zur Ruhe kommen lassen und die so ausgelöste Entzündung das Gewebe zerstört. Nach den Ergebnissen von Karp und seinen Kollegen sind die Infektionen jedoch nicht die Ursache, sondern eine Folge der Gewebeschädigung.

Bei einer akuten Entzündung produziert eine bestimmte Sorte weißer Blutkörperchen aggressive Substanzen, die eindringende Krankheitserreger töten sollen. Gelingt das nicht bereits nach kurzer Zeit, schaltet das Immunsystem auf die so genannte chronische Entzündungsreaktion um, bei der der Kampf mit weniger aggressiven Mitteln weitergeführt wird. Wesentlich für dieses Umschalten sind so genannte Lipoxine, die den weißen Blutkörperchen den Befehl zum Rückzug erteilen. Genau diese Befehlsmoleküle fehlen in den Atemwegen von Mukoviszidose-Patienten, entdeckten Karp und seine Kollegen.

Aus diesem Grund bleibt das Immunsystem ständig in höchster Alarmbereitschaft und produziert fortwährend die aggressiven Stoffe. Diese greifen auf Dauer das eigene Körpergewebe an und schädigen so die Lungen der Patienten. Das zerstörte Gewebe ist wiederum sehr viel anfälliger für Infektionen als gesundes ? ein Teufelskreis beginnt.

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Die neuen Ergebnisse bieten nach Ansicht der Wissenschaftler einen vielversprechenden Therapieansatz, da eine Gabe der Schalterstoffe Lipoxine die Gewebeschädigung und damit auch einen großen Teil der Infektionen vermeiden sollte. Erste Versuche bei Mäusen seien bereits sehr erfolgreich verlaufen.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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