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Ich seh Deinen Augen nach, Kleines!

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Dem Blick folgen: Wölfe schaffen etwas, was bislang nur bei Primaten und Krähen beobachtet wurde. Copyright: WSC
Wölfe wissen, was andere sehen: Die Tiere haben die Fähigkeit, den Blicken ihrer Artgenossen und sogar denen des Menschen zu folgen und nachzuvollziehen, was diese fokussieren. Das gelingt ihnen selbst dann, wenn sich zwischen ihrem eigenen Standpunkt und dem betrachteten Gegenstand eine Barriere befindet: In einem solchen Fall wechseln sie gezielt ihre Position, bis sie hinter diese Barriere schauen können. Das haben österreichische Forscherinnen beobachtet, als sie neun zahme Wölfe längere Zeit begleiteten. Bisher war ein solches Verhalten nur bei Menschen, Menschaffen und einigen Krähenvögeln beobachtet worden. Dass Wölfe ebenfalls dazu fähig sind, lasse die geistigen Fähigkeiten der Tiere nun in einem neuen Licht erscheinen – und könnte künftig helfen, die evolutionären Ursprünge der beachtlichen Kommunikationsfähigkeiten von Haushunden zu verstehen, schreiben Friederike Range und Zsófia Virányi.

Die Fähigkeit, seine Blickrichtung mit der eines anderen zu koordinieren, gilt als ein Schlüsselfaktor für das Verständnis dessen, was das Gegenüber beabsichtigt oder worauf es gerade seine Aufmerksamkeit lenkt. Die meisten Tiere haben dabei jedoch Schwierigkeiten: Sie können zwar aus dem Blick eines Artgenossen auf bestimmte Veränderungen in ihrer Umgebung schließen, fassen ihn jedoch nicht als kommunikatives Signal auf – etwa als Hinweis auf eine Futterstelle, die in der Nähe steht. Range und Virányi wollten nun wissen, wie sich dies bei Wölfen verhält. Sie beschäftigen sich bereits seit Jahren mit den kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Wölfen und Hunden. Ein Schwerpunkt dabei ist, wie es dazu kam, dass der Wolf in Gestalt des Hundes ein so enger Partner des Menschen wurde.

Die Forscherinnen arbeiteten für ihre Versuche mit neun handaufgezogenen Wolfswelpen. Sie fanden heraus, dass diese bereits im Alter von 14 Wochen und damit sehr früh den Blicken ihrer Pfleger folgten, wenn diese in die Ferne sahen. Beträchtlich später, mit etwa sechs Monaten, entwickelten die Tiere dann die Fähigkeit, auch sozusagen hinter die Kulissen zu schauen: Blickte der Pfleger etwa auf eine Holzwand, die den Blick der Wölfe versperrte, liefen sie um die Wand herum, weil sie wissen wollten, was sich dahinter befand.

Die unterschiedlichen Zeitpunkte, zu denen die Tiere die beiden Varianten lernten, legen laut Range und Virányi nahe, dass es sich auch um zwei verschiedene kognitive Mechanismen handelt, die den Verhaltensweisen zugrunde liegen. „Folgt ein Tier dem Blick in die Ferne, so ist das ein relativ einfacher kognitiver Mechanismus“, sagt Friederike Range – wahrscheinlich handele es sich um eine angeborene Veranlagung, sich mit anderen zu orientieren, die dann durch Lernen verstärkt wird. Dagegen seien sehr viel mehr geistige Ressourcen nötig, um zu wissen, dass man um eine undurchsichtige Barriere herumgehen muss, wenn man sehen will, was der andere sieht.

Wölfe können damit mehr, als Forscher ihnen bisher zutrauten: „Das Folgen des Blickes eines Artgenossen ist ein erster Schritt zu der ‚Theorie des Geistes‘, also der Erkenntnis eines Tieres, dass Artgenossen auch ein bestimmtes Wissen haben und Intentionen, die sich von den eigenen unterscheiden“, sagt Range.

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Friederike Range und Zsófia Virányi (Wolf Science Center, Universität Wien): PLoS One, Bd. 6, Nr. 2, Artikel e16888 dapd/wissenschaft.de – Hans Groth
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