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Im Spiegel des Mitgefühls

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Manche Forscher nehmen an, dass die Spiegelneuronen unser Mitgefühl steuern. (Foto: iStock/Michael De Leon)
Im Gehirn von Rhesusaffen gibt es Zellen, die nicht nur aktiv werden, wenn das Tier eine Bewegung ausführt, sondern auch, wenn es einen Artgenossen oder einen Menschen dabei beobachtet. Das hatte ein Team um Giacomo Rizzolatti von der italienischen Universität Parma schon 1992 festgestellt. Die Wissenschaftler mutmaßten, dass auch Menschen solche „Spiegelneuronen“ haben, die es ermöglichen, die Absichten von anderen zu verstehen.

2007 erschien in bild der wissenschaft ein kritischer Artikel über die angeblichen „Wunderzellen“ ( 11/2007, „Nervenbrücke zwischen du und ich?“). Die Ideen, was die Zellen leisten könnten, seien überzogen, hieß es darin. Das Problem ist: Die Wissenschaftler hatten im Gehirn der Affen Elektroden platziert und so die Aktivität einzelner Nervenzellen abgeleitet. Bei menschlichen Probanden benutzte man dagegen überwiegend die funktionelle Kernspintomografie (fMRT), die Änderungen der Durchblutung im Kopf misst. Damit lässt sich jedoch nicht die Aktivität von einzelnen Nervenzellen bestimmen, sondern nur die von größeren Bereichen.

Die Befunde mithilfe von fMRT-Aufnahmen sind zwar durchaus aufschlussreich: So entdeckte ein Team um Tania Singer vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften 2004, dass bestimmte Areale im Gehirn nicht nur aktiv sind, wenn wir Schmerz empfinden, sondern auch, wenn wir mit einem leidenden Partner mitfühlen. Unklar ist aber, ob in beiden Situationen tatsächlich dieselben Zellen feuern. Inzwischen haben sich viele weitere Studien mit Spiegelneuronen beim Menschen befasst – die meisten davon verwendeten fMRT. „Da ist eine fantasievoller als die andere“, urteilt der Neurologe Hans-Peter Thier von der Universität Tübingen. „Die Belege sind sehr bescheiden.“

Keine Verbindung zu Autismus

Doch 2010 gelang es einem Team um den Neurowissenschaftler Roy Mukamel von der Universität Tel Aviv die Aktivität einzelner „Spiegelneuronen“ direkt zu messen, und zwar bei Epilepsie-Patienten, denen man für eine Operation im Gehirn Elektroden eingesetzt hatte. Die Zellen feuerten nicht nur, wenn die Patienten eine Greifbewegung ausführten oder einen emotionalen Gesichtsausdruck zeigten, sondern auch, wenn sie jemanden nur dabei beobachteten. „Aber diese Spiegelneuronen liegen in Bereichen, die für das Gedächtnis zuständig sind, und nicht in motorischen Bereichen wie bei den Affen“, sagt Thier.

Andere Wissenschaftler sprechen daher statt von einzelnen Spiegelneuronen von einem menschlichen Spiegelneuronen-System. Für dieses System interessieren sich auch klinische Forscher: So vermuten manche, dass bei Autismus dieses System gestört sei, was das soziale Miteinander erschwere. Doch als Antonia F. de C. Hamilton vom University College London 2013 in einem Übersichtsartikel 25 Studien zu dem Thema unter die Lupe nahm, kam sie zu einem ernüchternden Ergebnis: „Alles in allem spricht wenig für eine allgemeine Fehlfunktion des Spiegelsystems bei ­Autismus.“ Die Spiegelneuronen bei Affen stellen die Forscher ebenfalls noch vor Rätsel: So feuern einige nur, wenn die Handlung in Greifweite stattfindet.

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Primaten sind übrigens nicht die Einzigen, bei denen man Spiegelzellen vermutet. 2008 veröffentlichte ein Team um ­Richard Mooney von der Duke Univer­sity in North-Carolina die Ergebnisse einer Studie mit Singvögeln. Im Vogelgehirn hatten die Forscher Zellen entdeckt, die sowohl beim Singen einer bestimmten Tonfolge als auch beim Hören des gleichen Gesangs feuerten. Die Forschung zu Spiegelneuronen ist noch lange nicht abgeschlossen.

© wissenschaft.de – Hanna Drimalla
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