Immun gegen tödliches Gift - wissenschaft.de
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Immun gegen tödliches Gift

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Fledermäuse der Art Otonycteris hemprichii haben eine Immunität gegen das in der Regel tödlich wirkende Gift verschiedener Skorpionarten entwickelt. Das hat ein internationales Forscherteam durch Feld- und Laborstudien herausgefunden. Zuvor waren zwar bereits Überreste von Skorpionen in den Hinterlassenschaften von Fledermäusen gefunden worden, doch nun konnten die Wissenschaftler erstmals beobachten, dass die Säugetiere gar nicht erst versuchten, den Giftstacheln der Spinnentiere auszuweichen. Stattdessen nahmen die Fledermäuse sogar wiederholt Stiche ins Gesicht in Kauf, um ihre Beute in Kopf und Vorderleib zu beißen, bis diese sich nicht mehr regte. Anschließend verspeisten sie die Skorpione, oftmals einschließlich Stachel und Giftdrüse, berichten die Wissenschaftler um Marc Holderied von der University of Bristol.

Die Fledermausart Otonycteris hemprichii kommt in den Wüstengebieten Marokkos und des Mittleren Ostens vor sowie im Nordwesten Indiens. Zu ihren Hauptbeutetieren zählen Skorpione, diesen Rückschluss ließen bisher schon Untersuchungen der Hinterlassenschaften der Fledermäuse zu: Bis zu 70 Prozent des gefundenen Materials stammte von den giftigen Spinnentieren. Die Forscher interessierte nun, wie es die Fledermäuse schaffen, ihre gefährliche Beute zu erlegen, ohne dabei selbst getötet zu werden.

Zu diesem Zweck banden sie zunächst im israelischen Arava Valley unter freiem Himmel acht Feldskorpione (Buthus occitanus) auf dem Boden fest und beobachteten, wie wildlebende Fledermäuse die Tiere angriffen: Die Flattermänner jagten paarweise oder in Gruppen und stießen immer wieder auf die Skorpione herab, wobei sie auf den Kopf der Tiere zielten. Um sich zu verteidigen, versuchten die Skorpione währenddessen, die Fledermäuse mit ihrem Giftstachel zu treffen ? was ihnen wiederholt gelang, wie auch die Laborexperimente bestätigten: Die Fledermäuse wiesen nach den Angriffen diverse Verletzungen im Gesicht auf, einmal sogar unmittelbar unter dem Augenlid.

Dennoch versuchten sie auch in den Laborversuchen, bei denen die Skorpione frei herumlaufen konnten, nicht, den Angriffen der Spinnentiere auszuweichen. Im Gegenteil, sie nahmen sie offensichtlich billigend in Kauf, um dafür den Kopf der Skorpione erfolgreich attackieren zu können. Trotz der zahlreichen Einstiche zeigten die Fledermäuse jedoch keinerlei Vergiftungsreaktionen. Nach erfolgreicher Jagd zogen sie sich vielmehr mit den erlegten Gifttieren zurück und verspeisten sie ? oft samt Stachel und Giftdrüse.

In ihren Experimenten konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Fledermäuse offensichtlich gegen eine ganze Reihe von Skorpiongiften immun sind: Bei ihrer Jagd beschränkten sie sich keineswegs auf weniger giftige Arten, sondern stürzten sich selbst auf viele als hochgiftig zählende kleine Skorpionarten wie den Gelben Mittelmeerskorpion (Leiurus quinquestriatus). Um ihre Beute zu finden, verlassen sie sich dabei weniger auf die für Fledermäuse typische Ultraschallortung, sondern vor allem auf ihr Gehör: Frisch getötete Skorpione, die die Forscher im Versuchsraum drapiert hatten, entdeckten die Fledermäuse nicht. Lebten die Skorpione noch, zog jede ihrer Bewegungen einen Angriff durch die Flattermänner nach sich.

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Marc Holderied (University of Bristol) et al.: Journal of Comparative Physiology A, doi: 10.1007/s00359-010-0608-3 dapd/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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