Impulse für mehr Bewusstsein - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Impulse für mehr Bewusstsein

Amerikanischen Forschern ist es erstmals gelungen, einem Mann in einem wachkomaähnlichen Zustand sein Bewusstsein mithilfe von Elektroden im Gehirn teilweise wiederzugeben. Die Wissenschaftler um den Neurochirurgen Ali Rezai von der Cleveland-Klinik in Ohio hatten dem Mann im Jahr 2004 zwei Elektroden ins Gehirn eingesetzt, um durch elektrische Stimulation seine Wachheit zu steigern. Tatsächlich verbesserte der Zustand des Patienten deutlich, und zum jetzigen Zeitpunkt kann er bewusste Handlungen ausführen und sinnvolle Antworten auf zumindest die Hälfte der ihm gestellten Fragen geben.

Der Patient, der heute Mitte dreißig ist, hatte 1998 bei einem Überfall schwere Hirnverletzungen erlitten und war dadurch in einen so genannten minimalbewussten Zustand geraten. In diesem Zustand haben die Patienten die Augen offen und scheinen wach zu sein, reagieren jedoch nur gelegentlich auf Reize aus der Umgebung und sind unfähig, mit anderen zu kommunizieren. Aufnahmen vom Gehirn des Patienten ergaben, dass insbesondere der rechte Stirnlappen, der für bewusstes Handeln von Bedeutung ist, stark zerstört war. Andere Hirnregionen, unter anderem diejenige für Sprache, schienen jedoch weitgehend intakt geblieben zu sein.

Nachdem sich der Zustand des Patienten innerhalb von sechs Jahren kaum verändert hatte, implantierten Ali Rezai und seine Kollegen zwei Elektroden in den Thalamus, einer wichtigen Schaltstation im Gehirn. Da diese unter anderem die Wachheit reguliert, hofften sie, so das Aktivitätsniveau des Patienten zu steigern. Tatsächlich erschien der Patient bereits unmittelbar nach der Operation deutlich wacher. Im Verlauf von zwei Monaten verbesserten sich seine Leistungen hinsichtlich Wachheit, Bewegung und Kommunikation mit anderen deutlich. Inzwischen kann der Patient verständliche und korrekte Antworten geben, wenn er beispielsweise gebeten wird, Objekte auf Fotos zu benennen. Die Verbesserung hält auch dann noch an, wenn die Elektroden zwischenzeitlich ausgeschaltet werden.

Obwohl der Erfolg bisher nur bei einem Patienten erzielt werden konnte, hoffen Rezai und seine Kollegen, mit Elektroden im Gehirn in ähnlichen Fällen weitere Erfolge erzielen zu können. Andere Forscher sind hier jedoch skeptischer. Bisher hätten solche Maßnahmen bei Patienten mit Hirnschädigungen nur begrenzten Erfolg gezeigt, sagt etwa David Hovda, ein Neurowissenschaftler von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Erfolgversprechend könne ein solcher Eingriff vor allem bei Patienten sein, bei denen genug Hirnmasse intakt geblieben sei.

Science, Online-Dienst Originalarbeit der Forscher: Ali Rezai et al.: Beitrag auf dem Jahrestreffen der Society for Neuroscience ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

on|to|lo|gisch  〈Adj.; Philos.〉 zur Ontologie gehörend, auf ihr beruhend

Flü|gel|schlag  〈m. 1u〉 Bewegung mit dem Flügel ● den ~ der Zeit verspüren 〈fig.; geh.〉 den Ablauf einer bewegten Zeit (bewusst) erleben ... mehr

hoch|do|siert  auch:  hoch do|siert  〈Adj.〉 in hoher Dosierung ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige