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Nachgefragt Umwelt+Natur

In welcher Körperlage ruhen Tiere und warum?

Wenn sie sich mal hinlegen, liegen Elefanten besonders häufig seitlich. (Bild: Christian Schiffmann)

Wie ruhen Elefant, Kuh, Känguru und Co – seitlich, auf dem Bauch oder auf dem Rücken? Schweizer Forscher haben untersucht, in welchen Körperpositionen pflanzenfressende Säugetierarten typischerweise relaxen und ob es dabei Gesetzmäßigkeiten gibt. Wie sie berichten, zeichnet sich ab: Je größer ein Tier, desto seltener legt es sich hin – und wenn doch, dann eher auf die Seite. Es gibt aber Ausnahmen, die mit dem Verdauungssystem zu tun haben, erklären die Forscher.

Für ihre Studie sind Marcus Clauss von der Universität Zürich und seine Kollegen aufmerksam durch Zoos spaziert: Sie hofften, so viele Tierarten wie möglich beim Schlafen beziehungsweise Ruhen beobachten zu können. Beschränkt haben sie sich dabei nun zunächst auf Pflanzenfresser. Das Resultat: Sie beobachteten tausende Ruhezustände bei insgesamt 36 Arten – von den Elefanten bis zu den Nagetieren. So konnten sie einen Katalog der typischen Ruhe-Positionen anfertigen und analysieren.

Als Faustregel gilt den Forschern zufolge: Kleine Tiere mit kurzen Beinen ruhen meist in Brustlage. „Je kürzer der Abstand der Körpermitte zum Boden ist, desto eher legen sich Tiere auf diese Weise hin“, sagt Clauss. Je größer Arten sind, desto häufiger legen sie sich hingegen auf die Seite oder ruhen im Stehen. Letzteres ist etwa bei Pferden besonders stark ausgeprägt. Sie haben dazu sogar einen speziellen Mechanismus entwickelt, erklären die Wissenschaftler: Pferde „fixieren“ im Stand mit ihrer Kniescheibe eines ihrer Hinterbeine – dadurch müssen sie beim Ruhen ihre Muskeln kaum anspannen. Warum sich große Tiere häufig seitlich positionieren, wenn sie sich mal hinlegen, erscheint den Forschern zufolge plausibel: Wegen ihres Gewichts ist diese Position bequemer für die Beine.

Warum Kühe nie seitlich liegen

Doch wie Clauss und seine Kollegen berichten, gibt es dabei interessante Ausnahmen: Wiederkäuer wie Kühe, Schafe, Antilopen, Hirsche oder Giraffen liegen immer in Brustlage. Der Grund: Bei diesen Tieren werden im Magen die Futteranteile, die noch einmal gekaut werden sollen, anhand der Schwerkraft aussortiert. Damit dies jederzeit reibungslos funktioniert, muss der Magen im Stehen wie im Liegen die gleiche Position zur Schwerkraft haben, so die Erklärung. Andere Tierarten, die ebenfalls einen Teil des Mageninhalts wieder hochwürgen, wie etwa Kamele, legen sich allerdings dennoch manchmal auf die Seite, beobachteten die Forscher. Ihnen zufolge scheint dies möglich, da sie anders als die eigentlichen Wiederkäuer ihren Verdauungsmechanismus kurzzeitig unterbrechen können.

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Zum Ruheverhalten des größten untersuchten Landsäugetiers berichten Clauss und seine Kollegen: Wenn sich Elefanten mal hinlegen, dann meist in Seitenlage. Werden sie jedoch älter und können nicht mehr so gut aufstehen, meiden sie das Ablegen. „Darum ist es wichtig, Elefanten im Zoo Hügel aus Sand zur Verfügung zu stellen. Wenn sie leicht schräg liegen, kommen auch alte Tiere viel leichter wieder hoch“, erklärt Co-Autor Christian Schiffmann. Haben die Tiere diese Möglichkeit nicht, lehnen sich ältere Elefanten beim stehenden Ruhen gern an Wänden, Pfosten oder Baumstämme an.

Und zu guter Letzt: Gibt es denn auch Pflanzenfresser, die gern mal auf dem Rücken liegen? Als einzige untersuchte Tierart ruhen sich die Riesenkängurus auch manchmal in dieser Position aus, haben die Forscher festgestellt.

Quelle: Universität Zürich, Journal of Mammalogy, doi: 10.1093/jmammal/gyz044

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Mond|fins|ter|nis  〈f. 9; Astron.〉 Verfinsterung des Mondes durch den Erdschatten

Fa|vus  〈[–vus] m.; –; unz.; Med.〉 chron., ansteckende Pilzerkrankung der Haut bei Mensch u. Tier, bes. behaarter Körperteile, wobei die Haarwurzeln zerstört werden [lat., ”Honigscheibe, Honigwabe“; nach dem Aussehen]

be|ni|gne  auch:  be|nig|ne  〈Adj.; Med.〉 gutartig (Geschwulst, Geschwür); ... mehr

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