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Invasion der Knochenfresser

Vor der Küste Kaliforniens haben Forscher äußerst merkwürdige Würmer entdeckt. Aus dem Kadaver eines Grauwals, der in fast 3000 Metern Tiefe im Canyon von Monterey lag, sammelten Greg Rouse vom South Australian Museum in Adelaide und Kollegen zwei Arten einer bislang unbekannten Gattung, der sie den Namen Osedax (lateinisch für „Knochenfresser“) gaben. Die Kreaturen haben eine einzigartige Ernährungsstrategie entwickelt, berichten Forscher in der Zeitschrift Science (Bd. 305, S. 668): Sie verspeisen die Knochen verendeter Wale.

Die Knochenfresser „Osedax rubiplumi“ und „Osedax frankpressi“ sind entfernt mit den Regenwürmern verwandt. Am auffälligsten an den zwei bis sieben Zentimeter langen Tieren sind rote Büschel am oberen Ende des Körpers. Mit diesen Kiemen nehmen die Würmer Sauerstoff aus dem Wasser auf. Darunter liegt ein muskulöser Stiel, der sich bei Gefahr in eine transparente Röhre zurückzieht. Am unteren Ende, gewöhnlich im Walknochen verborgen, weitet sich der Körper zu einer grünlichen Wurzel aus. In diesen Ausläufern leben Millionen von Bakterien, die die Fette aus den Walknochen zersetzen. Diese Bakterien sind sozusagen die Nährstofffabriken der Würmer. Sie brauchen daher weder Mund noch Darm.

Zur Überraschung der Forscher waren alle gefundenen Tiere Weibchen: Mitten in dem grünlichen Wurzelgeflecht befand sich bei Tieren jeder Größe ein großer Sack voller Eier. Bei genauerem Hinschauen entdeckten Rouse und seine Kollegen jedoch auch die Männchen:Sie sind mikroskopisch klein, leben im Körper der Weibchen und sind offenbar nie über das Larvenstadium hinausgekommen.

„Diese Würmer scheinen das ökologische Äquivalent von Löwenzahn zu sein“, staunte Ko-Autor Robert Vrijenhoek vom Monterey Bay Aquarium Research Institute. „Sie wachsen rasch, produzieren viele Eier, so dass der Nachwuchs sich in alle Richtungen ausbreiten kann wie Unkraut.“ Diese Strategie ist sinnvoll, da die Würmer auf tote Wale als Lebensraum angewiesen sind. Ist ein Kadaver verbraucht, sterben sie. Vorher müssen sie genug Eier oder Larven produzieren, die mit der Meeresströmung davon schwimmen und irgendwann eine neue Walleiche kolonisieren.

Durch Studien des Erbguts der Tiere fanden die Forscher heraus, dass der letzte gemeinsame Vorfahr der beiden Osedax-Arten vor 42 Millionen Jahren lebte, ungefähr zu der Zeit, als auch die ersten Wale im Meer auftauchen. Durch die DNA-Analyse konnten die Forscher auch die Verwandschaftsverhältnisse der Würmer klären: Die beiden Arten sind mit Röhrenwürmern verwandt, die an heißen Tiefseequellen leben. Diese Tiere besitzen ebenfalls keinen Mund und keinen Darm und leben mit Bakterien in Symbiose, die sich von Schwefelwasserstoff ernähren. Die neu entdeckten Würmer sind allerdings die ersten bekannten Tiere, die eine Gemeinschaft mit Fett spaltenden Mikroben bilden.

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Ute Kehse
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