Invasion der Raub-Plattwürmer - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Invasion der Raub-Plattwürmer

Ein räuberischer Wurm hat sich in Frankreich bereits weit ausgebreitet. (Bild: Pierre Gros)

„Aliens“ mit Appetit auf Regenwurm und Co: In Europas Gärten machen sich momentan eingeschleppte Plattwürmer breit, berichten Forscher. Die skurrilen Wesen aus Südamerika fressen am Boden lebende Tiere und bedrohen dadurch die heimischen Ökosysteme. Vor allem Frankreich ist von der Invasion bereits betroffen, dokumentiert die Studie mit Beteiligung von Gartenbesitzern.

Einst waren Tier- und Pflanzenarten durch geografische Hindernisse wie Meere und Gebirge auf bestimmte Regionen der Erde beschränkt. Doch der Mensch sorgt bekanntlich für Globalisierung: Durch Handel und Verkehr gelangen Lebewesen von einem Kontinent zum anderen oder auf entlegene Inseln. In einigen Fällen landen sie dabei im „Paradies“: Sie stoßen auf ideale Lebensbedingungen, haben keine Feinde und können sich deshalb stark vermehren. Es gibt zahlreiche Beispiele für solche invasive Arten, die momentan in vielen Bereichen der Welt die ursprünglichen Ökosysteme bedrohen.

Bereits weit verbreitet

Das Forscherteam um Jean-Lou Justine Nationalmuseum für Naturgeschichte in Paris, rückt nun Eindringlinge in den Fokus, auf die Gartenbesitzer in Europa nun zukünftig immer häufiger treffen könnten: Plattwürmer – sogenannte Landplanarien. Bereits 2018 berichteten sie über Funde von nach Europa eingeschleppten Vertretern dieser Wesen aus Neuguinea und Asien. Die Verbreitungsgebiete dieser Invasoren waren allerdings begrenzt. Der neue Eindringling hat sich hingegen zumindest in Frankreich bereits weiträumig etabliert, geht aus der Studie hervor. Es handelt sich um den bis zu sieben Zentimeter langen Wurm Obama nungara.

Der invasive Palttwurm frisst eine Schnecke. (Bild: Pierre Gros)

Der räuberische Bewohner der Erdoberfläche wurde bereits in mehreren europäischen Ländern gesichtet, darunter Spanien, Portugal, Großbritannien, Italien und Belgien. In keinem dieser Länder wurde jedoch bisher das Ausmaß des Auftretens von O. nungara systematisch untersucht. In Frankreich haben Justine und seine Kollegen das Vorkommen nun mithilfe eines Mitmachprojekts erfasst: Gartenbesitzern aus ganz Frankreich haben Funde der Würmer gemeldet.

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Bedrohung für die Ökosysteme

Die Ergebnisse zeigen, dass O. nungara bereits in 72 der 96 Departements des Landes vorhanden ist – einem Gebiet, das 75 Prozent der Fläche Frankreichs ausmacht. In manchen Gärten wimmelt es offenbar regelrecht von den schleimigen Gesellen. Die Art kommt besonders häufig entlang der Atlantikküste und der Mittelmeerküste vor, geht aus den Daten hervor. Doch auch aus dem Elsass nahe der deutschen Grenze wurden Wurmfunde gemeldet. Über das tatsächliche Ausmaß der Verbreitung von O. nungara in Europa lässt sich somit nur spekulieren.

Untersuchungen der Tiere belegten, dass sie ursprünglich aus Argentinien stammen. Den Forschern zufolge wurden sie wahrscheinlich durch Topfpflanzen verbreitet. Wie sich die Eindringlinge nun genau auf die Ökosysteme auswirken, ist bisher unklar, sagen Justine und seine Kollegen. Aber ihr Fressverhalten lässt Übles ahnen: Sie haben es auf Schnecken, Regenwürmer und andere bodenlebende Lebewesen abgesehen und könnten somit die Artenvielfalt und die ökologischen Gleichgewiche erheblich bedrohen. Den Autoren zufolge haben wir es im Fall von O. nungara nun mit dem bedrohlichsten Vertreter aller in Europa vorkommenden invasiven Plattwürmer zu tun.

Quelle: PeerJ, Fachartikel: PeerJ , doi: 10.7717/peerj.8385

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