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Erde+Klima Umwelt+Natur

Invasive Wildschweine belasten das Klima

Wildschweine graben den Boden um und sorgen dabei für erhebliche CO2-Freisetzungen. (Bild: The University of Queensland)

Saumäßige Fremdlinge: Neben Schäden an der Natur tragen die durch den Menschen weltweit verbreiteten Wildschweine auch erheblich zum Klimawandel bei, verdeutlicht eine Studie. Durch ihre Wühltätigkeit sorgen sie in ihren neuen Verbreitungsgebieten für eine Kohlendioxid-Freisetzung aus dem Boden, die der von über einer Million Autos entspricht, geht aus den Modellberechnungen hervor. Der weitere Vormarsch der Wildschweine sollte somit aus ökologischer sowie klimatischer Sicht eingedämmt werden, sagen die Wissenschaftler.

Einst waren sie nur in Europa und Asien beheimatet – doch dann verschaffte der Mensch den Wildschweinen (Sus scrofa) eine globale Karriere: Die Tiere wurden als Jagdwild in Nord- und Südamerika sowie in Australien und auf vielen Inseln angesiedelt und paarten sich dort auch mit verwilderten Hausschweinen. Die anpassungsfähigen Allesfresser gediehen anschließend prächtig und breiteten sich aus. In einigen Regionen sind die Wildschweine beziehungsweise wilden Schweine noch immer stark auf dem Vormarsch. Bisher stand vor allem der damit verbundene Schaden an der Natur im Fokus: Die Tiere bedrohen viele Tier- und Pflanzenarten und können die ökologischen Gleichgewichte in ihren nicht angestammten Lebensräumen damit destabilisieren.

CO2-Freisetzung durch Wühlen

Darüber hinaus ist bereits bekannt, dass sie durch ihre Wühltätigkeit Erosionsprozesse beschleunigen können und zu einem verstärkten Abbau von Biomasse im Boden beitragen. „Wildschweine gehen bei der Nahrungssuche ähnlich vor wie Traktoren, die durch Felder pflügen und den Boden umdrehen“, sagt Christopher O’Bryan von der University of Queensland in Brisbane. „Wenn Böden durch Menschen oder, wie in diesem Fall, durch Wildtiere aufgewühlt werden, wird Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Da der Boden fast dreimal so viel Kohlenstoff enthält wie die Atmosphäre, hat selbst ein kleiner Teil des aus dem Boden freigesetzten Kohlenstoffs das Potenzial, den Klimawandel zu beschleunigen“, erklärt der Wissenschaftler.

Vor diesem Hintergrund sind er und seine Kollegen nun der Frage nachgegangen, welche Treibhausgasmengen von Wildschweinen in den Gebieten freigesetzt werden, in denen sie nicht ursprünglich heimisch sind. Als Grundlagen für ihre Modellberechnungen dienten ihnen frühere Einschätzungen dazu, wie viel Kohlendioxid durch die Tätigkeit von Wildschweinen aus Böden freigesetzt werden kann. Diese Daten verknüpften sie mit Informationen zur Verbreitung der Tiere und Schätzungen zu den Bestandsdichten.

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Tierischer Beitrag – vom Menschen verursacht

Aus den Modellberechnungen geht hervor, dass Wildschweine in ihren nicht-ursprünglichen Verbreitungsgebieten auf einer Fläche von möglicherweise bis zu 124.000 Quadratkilometern wühlerisch tätig sein könnten. Als einen mittleren Richtwert der damit verbundenen Emissionen kommen die Wissenschaftler auf 4,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Um die Bedeutung dieser Menge zu veranschaulichen, vergleichen sie: Die von den invasiven Wildschweinen weltweit freigesetzte Treibhausgasmenge entspricht etwa den jährlichen Abgasen von 1,1 Millionen PKWs.

Wie O’Bryan und seine Kollegen betonen, wollen sie durch ihre Berechnungsergebnisse das problematische Potenzial eher grundlegend aufzeigen. Denn es handelt sich bei diesen Werten bisher nur um grobe Einschätzungen, da die Datengrundlagen mit einem großen Unsicherheitsfaktor verbunden sind. So ist die Beschaffenheit der Böden und das damit verbundene Potenzial der Kohlendioxid-Freisetzung bei vielen Regionen unklar. Das Gleiche gilt für die Bestandsdichten bei den Wildschweinen in ihren nicht angestammten Verbreitungsgebieten. Vor allem bei diesem Aspekt sollten nun weitere Untersuchungen für mehr Klarheit sorgen, sagen die Forscher.

„Invasive Arten wie das Wildschwein sind ein vom Menschen verursachtes Problem, daher müssen wir uns ihre ökologischen Auswirkungen bewusst machen und Verantwortung dafür übernehmen“, sagt Co-Autor Nicholas Patton von der University of Canterbury. Dies impliziert auch Maßnahmen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung, damit der tierische CO2-Fußabdruck nicht immer größer wird. Patton räumt ein, dass die Kontrolle der Wildschweinestände schwierig ist. Doch vor dem Hintergrund ihres Gefährdungspotenzials sowohl für die Ökosysteme als auch für das Klima scheint ein Eingreifen angebracht: „Wenn sich invasive Wildschweine in Gebiete mit reichlich Bodenkohlenstoff ausbreiten dürfen, kann das Risiko von verstärkten Treibhausgasemissionen in Zukunft immer größer werden“, so Patton.

Quelle: University of Queensland, Fachartikel: Global Change Biology, doi: 10.1111/gcb.15769

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