Italiener denken von links nach rechts, Araber von rechts nach links - wissenschaft.de
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Italiener denken von links nach rechts, Araber von rechts nach links

Italiener erwarten den Auftritt des Helden von der linken Seite, Araber sehen zuerst nach rechts. Die Richtung, in die Menschen zuerst schauen, wird hauptsächlich durch die lebenslang verwendeten Lesegewohnheiten und nur zu einem ganz geringen Anteil durch die Gehirnstruktur bestimmt. Das ist das Fazit zweier interkultureller Studien der italienischen Psychologen Anne Maass und Aurore Russo von der Universität Padua, die sie im Fachmagazin Psychological Science (Ausg. 14, Nr. 4) veröffentlichen.

Unter Neuropsychologen der westlichen Welt war es lange Zeit unbestritten, dass Geschehnisse und Tätigkeiten, die von links nach rechts ablaufen, vom Gehirn bevorzugt werden. So zeigen Studien, dass Probanden Bilder immer von links nach rechts anschauten und in Sätzen das Subjekt stets links vom Objekt erwarteten. Maass und Russo vermuteten dagegen, dass diese Bevorzugung kulturell bedingt ist. Sie wiederholten die Studien mit einer Gruppe Italiener, deren Leserichtung von links nach rechts verläuft, und mit einer Gruppe arabischer Probanden, die von rechts nach links lesen. Tatsächlich fielen den Arabern die von rechts nach links aufgebauten Tests und Aufgaben deutlich leichter als die entgegengesetzt angeordneten, während es sich bei den Italienern genau umgekehrt verhielt.

Aus den Ergebnissen beider Gruppen konnten die Forscher zwar auf eine gewisse biologische Veranlagung für eine Wahrnehmung von links nach rechts schließen. Diese sei jedoch stark von den kulturell geprägten Vorlieben überlagert, schreiben die Wissenschaftler.

Viele Studien beschäftigen sich mit der Frage, ob das menschliche Verhalten mehr biologisch oder kulturell geprägt ist. Die von Maass und Russo veröffentlichten Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie sehr Schlussfolgerungen dabei verfälscht werden können, wenn nur in einem Kulturkreis geforscht wird.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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