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Jetzt im Angebot: Klon-Schmusetiere

Die amerikanische Firma Genetic Savings and Clones will mit kopierten Haustieren viel Geld verdienen. Trickreiche Techniken machen es möglich.

Ihre großen grünen Augen schauen neugierig in die Kamera. Dann setzt Little Gismo ihre Entdeckungsreise fort und tapst munter über das weiße Designersofa. Niedlich ist sie anzuschauen, wie alle kleinen Katzenbabys, doch „vor allem sieht sie aus wie Gismo“ , lobt ihr neuer Besitzer Dan zufrieden. Und genau das war ihm wichtig: Little Gismo ist ein Klon, und zwar von Gismo, Dans verstorbener Hauskatze.

Bestellt war das Nachfolgemodell für 50 000 Dollar bei der amerikanischen Firma Genetic Savings and Clones (GSC). Sie ist das bisher einzige Unternehmen weltweit, das das Klonen von Katzen anbietet. Inzwischen ist der Service für 32 000 Dollar erhältlich. „Wir haben großes Vertrauen in unsere effiziente Klontechnologie“, begründet GSC-Sprecher Ben Carlson den Preisnachlass. Das klingt nach Fließbandproduktion, dabei hat die Firma bis dato nur sechs Katzen angefertigt und zwei davon verkauft. Doch die Auftragsbücher von GSC sind prall gefüllt: In den Genbanken der Firma schlummert das Zellmaterial von mehreren Hundert Katzen und Hunden, deren Besitzer auf einen Klon warten. Sie würden Effizienz sicherlich begrüßen, müssen sich jedoch gedulden. „Wir haben nur acht wissenschaftliche Mitarbeiter, und die arbeiten immer nur an einer Katze“, berichtet Carlson.

Für das kleine Startup-Unternehmen könnte der Druck nicht größer sein: Nicht nur, dass es mit der Auslieferung ihrer Kätzchen unter Zugzwang steht, es musste sich auch im Rennen um den ersten geklonten Hund geschlagen geben, das im August ein südkoreanisches Forscherteam mit „Snuppy“ gewann. Denn ursprünglich wollte man ebenfalls auf den Hund kommen: „Wir sind 1997 aus dem Missyplicity-Projekt an der A&M Texas University entstanden“, erläutert Lou Hawthorne, Geschäftsführer von GSC. Familienfreund und jetziger Hauptinvestor John Sperling hatte sich damals in den Kopf gesetzt, den Hund Missy von Hawthornes Mutter zu klonen. Für vier Millionen Dollar kaufte sich Sperling in die texanische Universität ein und ließ auf dem damaligen Neuland des Hundeklonens forschen. „Nachdem wir durch die Medien bekannt geworden waren, konnten wir uns vor Anfragen kaum retten“ , erinnert sich Hawthorne. „Hunde- und Katzenbesitzer haben uns bekniet, das Klonen auch für ihre Tiere zu ermöglichen.“

Hawthorne witterte ein Geschäft mit den toten Vierbeinern. Aus dem persönlichen Anliegen, Hawthornes Mutter eine Freude zu machen, wurde im Jahr 2000 die Firma GSC mit Sitz in Kalifornien, die die Forschung in Texas weiterhin sponserte. Gut zwei Jahre später machte das Unternehmen Schlagzeilen mit der weltweit ersten Klonkatze namens CC (Kürzel von „Copycat“). Sie entstand mit der gleichen Technik wie drei Jahre zuvor Klonschaf Dolly: dem Zellkerntransfer. Zunächst wird dabei aus einer reifen, unbefruchteten Eizelle einer Katze der Zellkern und damit die gesamte Erbinformation der Spenderin entfernt. Hinein kommt ein neuer Kern aus einer Zelle des zu klonenden Haustiers. Idealerweise stammt diese Zelle aus einer lebenden Katze, aber Material aus einem bis zu einer Woche alten Kadaver tut es auch. Abschließend erhält eine läufige Katze als „Leihmutter“ diese modifizierte Eizelle eingepflanzt und gebärt – wenn alles gut läuft – nach 65 Schwangerschaftstagen einen perfekten Klon.

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So wie CC, die jedoch einen Schönheitsfehler hat: „Es war ein echter Marketing-Alptraum“, erinnert sich Carlson, „denn CC besitzt keinerlei Ähnlichkeit mit der genetischen Mutter Rainbow.“ Der Klon hat schwarze Flecken, die Mutter eine orange-schwarze Zeichnung. Die Erklärung dafür ist einfach: Rainbow gehört zur Rasse der Schildpattkatzen, deren Fellzeichnung von beiden Chromosomen bestimmt wird, wobei jedoch pro Zelle immer nur ein Chromosom und somit eine Farbinformation – entweder für schwarzes oder orangefarbenes Fell – aktiviert wird. Dass CC nicht einen Tupfer Orange besitzt, liegt daran, dass in der aus Rainbow entnommenen Spenderzelle nur das Gen für schwarzes Fell aktiv war.

Die Pleite um CC und mangelnder Erfolg beim Hundeklonen führten 2003 zum Bruch mit der A&M Texas University. Seitdem versucht es die Firma auf eigene Faust: GSC erkaufte sich die Rechte an einer neuen Klontechnik namens Chromatin-Transfer und eröffnete ein eigenes Labor in Texas. 2004 produzierte GSC gleich fünf Katzen und überreichte Ende des Jahres erstmals ein Tier an einen zahlenden Kunden.

Nun muss die Firma zeigen, dass es weiterhin Schlag auf Schlag geht. Optimismus verbreitet Philip Damiani, der neue wissenschaftliche Leiter der Forschungseinrichtung von GSC in Madison (Wisconsin): „Dank der neuen Methode erhalten wir statistisch gesehen genauso viele gesunde Katzenbabys wie Züchter.“ Das Geheimnis ist: Damiani überträgt beim Klonen nicht den gesamten Nukleus der Spenderzelle, sondern entfernt vorher ganz bestimmte, an den Chromosomen hängende Proteine, die in der Spenderzelle für die Weiterentwicklung in verschiedene Zelltypen verantwortlich sind. „Wir benutzen dazu ein Färbeverfahren, das sicher stellt, dass wir tatsächlich die richtigen Moleküle erwischt haben“, sagt Damiani. Dann wird das Zellkernmaterial via Elektrofusion mit dem Spender-Ei verschmolzen: Es entsteht ein Embryo. Diese Prozedur findet in einer Petrischale statt und dauert mehr als acht Stunden. Ehe der Embryo dann in eine Leihmutter kommt, wird er genau untersucht. „Wir haben allein für diesen Bereich Millionen von Dollar in neue mikroskopische Verfahren gesteckt“, berichtet Hawthorne.

Für Damiani ist die Technik auch der Schlüssel zum erfolgreichen Klonen von Hunden. Schwierigkeiten gibt es hier eher außerhalb der Petrischale:

• Wenn die Hündin ihren Eisprung hat, müssen die Eier noch 2 bis 5 Tage im Eileiter vom Körper biochemisch stimuliert werden, um für eine Befruchtung – oder eben das Klonen – bereit zu sein.

• Der Zyklus einer Hündin ist unregelmäßig und mit zwei Läufigkeiten pro Jahr relativ selten.

„Den idealen Zeitpunkt für die Ei-Entnahme auszumachen, ist extrem schwierig“, betont Damiani. Deswegen arbeitet er gemeinsam mit einer Londoner Firma an einem künstlichen Eileiter. „Wir wollen die natürliche Umgebung dieses Organs mit verschiedenen Medien simulieren“, so Damiani, der dann die unreifen Eier, die er von Tierkliniken erhält, selber zur Reife manipulieren will. Seinen ersten Klonhund stellt der Amerikaner schon in den nächsten Wochen in Aussicht.

Das klingt wie Musik in den Ohren von John Sperling, der nach fast 10 Jahren Investment langsam auf das große Geld wartet. Immerhin: „Das Gen-Banking ist schon rentabel“, sagt Hawthorne. Für das Lagern des Vierbeiner-Erbgutes verlangt er einmalig bis zu 1400 Dollar und dann jährlich bis zu 150 Dollar. Er hofft, ab 2007 auch beim Klonen schwarze Zahlen schreiben zu können. Denn laut Umfrage haben von den 60 Millionen Hunde- und Katzenbesitzern in den USA zwar nur 10 Prozent Interesse am Klonen. Doch selbst wenn jährlich nur einer von 1000 einen Auftrag erteilte, könnte GSC gut 6000 Tiere produzieren. Bei den gegenwärtigen Preisen wäre das ein Umsatz von gut 200 Millionen Dollar pro Jahr. Dieses Geschäft will sich Hawthorne nicht durch die Lappen gehen lassen.

Das Argument, Tierfreunde könnten sich aus Heimen viel schneller und günstiger einen neuen Liebling beschaffen, lässt Hawthorne nicht gelten. Er weiß um seine besondere, etwas exzentrische Klientel. Für die ist Katze eben nicht gleich Katze – oder erst dann, wenn Little Gismo wirklich so aussieht wie Gismo. ■

Désirée Karge

COMMUNITY INTERNET

www.savingsandclone.com/

informiert über den Klonprozess und zeigt Bilder und Videos von Klonkatzen.

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