Jungbrunnen aus der Leuchtdiode - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Jungbrunnen aus der Leuchtdiode

falten_onl.jpg
LEDs könnten helfen Hautfalten zu reduzieren (links: vorher; rechts: nachher). Foto: American Chemical Society
Intensives Licht aus LEDs hat auf die Haut eine ähnliche Wirkung wie Botox: Es glättet Falten und lässt die Haut insgesamt jünger erscheinen. Das berichtet ein Forscherduo aus Ulm nach einem Selbstversuch, bei dem die Wissenschaftler eine zuvor aufgestellte Theorie in die Praxis umsetzten. Ihrer Ansicht nach zerstört das Licht einen feinen, aber stabilen Wasserfilm, der die elastischen Fasern der Haut umgibt und sie unbeweglich macht. Fehlt er, gewinnt die Faser ihre Elastizität zurück, und die Haut glättet sich praktisch von alleine. Da die gleichen Fasern auch in Blutgefäßen und Herzmuskel vorkommen, könnte das Verfahren irgendwann sogar helfen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu behandeln, schreiben Andrei Sommer und Dan Zhu.

Entscheidend für die Spannkraft der Haut ist ein Protein namens Elastin. Im Verbund mit den Hautzellen ist es von Wasser umgeben, das an der Grenzfläche zwischen dem eigentlich wasserabweisenden Eiweiß und der Umgebung ganz besondere Eigenschaften besitzt: Die Wassermoleküle ordnen sich in einer regelmäßigen Struktur an und bilden dadurch eine feste Umhüllung der Elastinfasern, die dem Eiweiß sozusagen ihre Form aufzwingt. Beginnt das Elastin zu altern, lagern sich zwischen Wasserhülle und Faser jedoch Stoffe wie Fettsäuren, Aminosäuren und Kalziumsalze ab, die das Elastin anschwellen und starr werden lassen ? gehalten nach wie vor durch den Wasserfilm. Diese Starre und Unbeweglichkeit, so die Forscher, verursache nach aktuellem Stand des Wissens die Faltenbildung.

Um der Theorie nun die Praxis folgen zu lassen, habe „einer von ihnen“ neun Wochen lang jeden Tag seine Krähenfüße um die Augen mit intensivem Licht aus dem roten Bereich des Spektrums bestrahlt. Danach sei eine deutliche Verringerung der Faltentiefe und eine Verkürzung der einzelnen Linien zu beobachten gewesen, berichten die Wissenschaftler. Ihre Erklärung: Die Energie des Lichts habe die Ordnung in der Wasserhülle verändert, so dass die Wassermoleküle von der Faser abgestreift wurden ? mit der Konsequenz, dass das Elastin wieder beweglicher wurde und die Vertiefungen ausgleichen konnte. Nach elf Monaten regelmäßiger Bestrahlung seien schließlich auch die Hautfarbe und die Beschaffenheit der Haut insgesamt verjüngt gewesen.

Neben seiner Funktion in der Haut verleiht Elastin auch Herzmuskel und Blutgefäßen ihre Elastizität. Da in diesen Gewebearten noch sehr viel mehr Wasser enthalten sei als in der Haut, könnte eine derartige Lichtbehandlung dort noch effizienter sein und helfen, die Organe zu verjüngen, spekulieren die Wissenschaftler. Interessant in diesem Zusammenhang sei auch die Tatsache, dass Licht in der jetzt verwendeten Wellenlänge schon lange für eine Beschleunigung der Wundheilung eingesetzt werde.

Andrei Sommer und Dan Zhu (Universität von Ulm): Crystal Growth & Design, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1021/cg8000703 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

epo|chal  〈[–xal] Adj.〉 1 für eine Epoche geltend 2 〈fig.; umg.〉 epochemachend, aufsehenerregend, bahnbrechend ... mehr

Uri|ca|se  〈f. 19; Biochem.〉 Enzym, das in Anwesenheit von Sauerstoff aus Harnsäure Allantoin u. Wasserstoffperoxid bildet [→ Urin ... mehr

Zi|ka|de  〈f. 19; Zool.〉 pflanzensaugende Angehörige einer Gruppe der Schnabelkerfe, deren Männchen mit einem Trommelorgan ausgerüstet sind: Cicadina; Sy Zirpe ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige