Kaffee ist besser als sein Ruf: Neue Ergebnisse entlasten den beliebten Muntermacher - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Kaffee ist besser als sein Ruf: Neue Ergebnisse entlasten den beliebten Muntermacher

taskaf.jpg
Kaffee ist zwar in allen Kulturen beliebt, gilt aber als gesundheitlich nicht ganz unbedenklich. Einige der häufigen Vorurteile konnten Wissenschaftler jedoch inzwischen entkräften. So ist das dunkle Heißgetränk beispielsweise kein Flüssigkeitsräuber, wie lange angenommen. Doch Kaffee ist nicht unbedingt nötig, um morgens in die Gänge zu kommen: Sauerstoff, Bewegung und frisches Obst mit vielen Vitaminen wirken genauso anregend.

Kaffee hat Tradition und Kultur. So werden im Orient Kardamom, Nelken und andere Gewürze mit den Kaffeebohnen gemahlen. In Äthiopien lässt der Gastwirt es sich nach dem Essen nicht nehmen, den Kaffee vor den Augen seiner Gäste von Hand zu zerkleinern und andächtig mit heißem Wasser zu übergießen. Kaffee mag unterschiedlich zubereitet werden, aber geliebt wird er an allen Orten der Welt. Alle Völker der Erde erfreuen sich seiner Wirkung, den Geist zu wecken, die Sinne wach zu rütteln, die Zunge zu lösen und das Blut in Schwung zu bringen. Kaffee ist der Muntermacher Nummer eins.

Doch das Getränk ist nicht unumstritten: Immer wieder förderten wissenschaftliche Studien den einen oder anderen schädlichen Effekt für die Gesundheit zu Tage. Von Herzrasen, Sodbrennen und sogar der Verminderung der weiblichen Fruchtbarkeit ist die Rede. Dem gegenüber stehen jedoch ebenso viele Studien, die dem Kaffee Gutes bescheinigen. Er hebe die Laune, rege die Durchblutung an und entgifte den Körper.

Trotz des scheinbaren Disputs sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig: „Bis zu vier Tassen am Tag, die über den Tag verteilt getrunken werden, schaden in der Regel gesunden Erwachsenen nicht“, erklärt Isabelle Keller, stellvertretende Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gegenüber ddp.

Viele Wirkungen des Kaffees sind vorübergehender Natur. So hat das Koffein zwar einen harntreibenden Effekt, entwässert aber im Gegensatz zur gängigen Vorstellung nicht dauerhaft. Vielmehr steuert der Körper dem vermehrten Harndrang bereits nach einigen Stunden entgegen, so dass die Flüssigkeitsbilanz im Laufe eines Tages wieder ausgeglichen wird. „Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht“, lautet die Schlussfolgerung der DGE. Der Kaffee selbst trage bereits zur Flüssigkeitszufuhr bei.

Anzeige

In Maßen genossen kann das Gebräu nachweislich auch positive Effekte haben. Koffein hebt beispielsweise die Stimmung, indem es das zentrale Nervensystem anregt. Deshalb brauchen viele Menschen morgens ein Tässchen Kaffee, um in die Gänge zu kommen.

Allerdings sollte Kaffee nicht gegen den Durst getrunken werden, da er Herz und Kreislauf auf Trab bringt, rät Keller. Mineral- oder Leitungswasser und andere kalorienarme Getränke wie Schorlen aus Fruchtsaft und Wasser sowie Früchte- und Kräutertees seien dafür die bessere Alternative.

Wer abgespannt und entnervt von der Arbeit heimkehrt, der wird sich mit einer Tasse Kaffee oft keinen Gefallen tun. Denn hohe Dosen Kaffee können bei einigen Menschen durch seine anregende Wirkung die Anspannung verstärken und kurzfristig zusätzlich nervös machen. „Wenn man einen solchen Effekt bei sich beobachtet oder auch schlecht einschlafen kann, sollte man abends lieber auf den Kaffee verzichten“, sagt Keller. Dagegen kann eine dampfende Tasse Kräutertee, ein heißes Bad oder ein Spaziergang an der frischen Luft durchaus entspannen.

Überhaupt gibt es einige Menschen, die Kaffee nur ab und an genießen sollten. Dazu gehören Schwangere und Menschen mit empfindlicher Magenschleimhaut oder Herzrhythmusstörungen. Mit einer üppigen Portion Milch wird das Gebräu zwar verdünnt, aber die Wirkung bleibt nicht aus. „Bei Schwangeren etwa gelangt der Stoff über die Nabelschnur in den Körper des Babys“, erklärt Keller. Der kindliche Organismus kann Kaffee aber noch nicht richtig abbauen. Die Folge: Das Ungeborene wird zappelig und aufgedreht.

Auf der sicheren Seite ist dagegen, wer die Müdigkeit mit milden Muntermachern verscheucht. Garantiert ohne Nebenwirkungen bleibt das Jogging oder Wandern in der freien Natur. Der Sauerstoff und die Bewegung regen ebenfalls die Durchblutung an. Der Geist erwacht aus seinem Dämmerzustand und ist wieder leistungsfähiger.

Andere Muntermacher sind Grüner und Schwarzer Tee, die zwar auch Koffein enthalten. Allerdings wird die Wirkung von anderen Inhaltsstoffen, den Gerbstoffen, gedämpft, so dass diese Getränke als „sanfter Kaffee“ bezeichnet werden können.

„Im Übrigen hilft es, generell viel Wasser und koffeinfreie, aber kalorienarme Getränke zu trinken. Das macht leistungsfähiger“, berichtet Keller. Zu den rund um gesunden Wachmachern zählen auch Müslis, frisches Obst und Gemüse. Der Energieschub durch die enthaltenen Kohlenhydrate sorgt wie der Kaffee für gute Laune. Mit dem richtigen Frühstück wird also auch ohne das braune Gebräu ein guter Start in den Tag glücken.

ddp/wissenschaft.de – Susanne Donner
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Kü|ret|ta|ge  〈[–] f. 19; Med.〉 = Ausschabung; oV Curettage ... mehr

Hem|lock|tan|ne  〈f. 19; Bot.〉 Art der Schierlingstanne: Tsuga canadensis; Sy Tsuga ... mehr

Sal|pe  〈f. 19; Zool.〉 Angehöriger einer Klasse glasartig durchsichtiger, freischwimmender Manteltiere mit walzenförmigem Körperbau: Thaliacea [<lat. salpa ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige