Kakao gegen Altersdemenz? - wissenschaft.de
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Kakao gegen Altersdemenz?

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Kakao enthält viele gesundheitsfördernde Flavanole (thinkstock)
Mit dem Alter nehmen die geistigen Leistungen ab – das ist ganz normal. Das Gedächtnis lässt auch bei denen nach, die nicht an Alzheimer erkranken – wenngleich auch in weitaus geringerem Maße. Vielleicht aber gibt es bald Abhilfe: Eine Studie von US-Forschern legt nun nahe, dass Inhaltsstoffe des Kakaos den geistigen Abbau deutlich verzögern können und die Leistungen sogar wieder verbessern. Ältere Probanden, die ein Vierteljahr lang diese Flavanole erhielten, schnitten in kognitiven Tests wieder so gut ab wie 30 Jahre Jüngere.

Ideen dazu, wie man den geistigen Abbau im Alter verhindern oder zumindest bremsen kann, gibt es viele. Bisher allerdings erwiesen sich die meisten dieser im Tierversuch wirksamen Ansätze als beim Menschen nicht sonderlich erfolgreich. Körperliche Bewegung jedoch scheint dem alternden Gehirn tatsächlich messbar auf die Sprünge zu helfen: Gleich mehrere Studien belegen, dass Sport die Durchblutung des Denkorgans erhöht und dass sich dies wiederum positiv auf die geistigen Leistungen auswirkt. In diesem Zusammenhang stießen Adam Brickman von der Columbia University in New York und seine Kollegen auf einen Pflanzeninhaltsstoff aus Kakao und Tee, der den Effekt des Sports zumindest bei Mäusen messbar steigerte. Mäuse, die zusätzlich zu regelmäßiger Bewegung ein Flavanol-haltiges Futter erhielten, zeigten sichtbare Veränderungen im Gyrus dentatus, dem Bereich des Hippocampus, der für die Bildung neuer Erinnerungen wichtig ist. Den Zellen in diesem Areal wuchsen vermehrt neue Ausläufer, die Zahl der feinen Kapillaren nahm zu und auch die geistigen Leistungen der Tiere verbesserten sich, wie die Forscher berichten.

„Angesichts dieser Studien fragten wir uns, ob eine tägliche Gabe solcher Flavanole, vielleicht zusammen mit Sport, auch bei älteren Menschen die Funktion des Gyrus dentatus verbessern kann“, sagen die Forscher. Um das zu testen, führten sie nach einigen Vorversuchen eine Studie mit 37 Menschen im Alter von 50 bis 67 Jahren durch. Alle Probanden unterzogen sich zuerst einem Test ihrer kognitiven Leistungen, bei dem sie zunehmend komplexe, ineinander verschlungene Formen als neu oder bekannt einstufen mussten. Zudem wurde mit einer speziellen Variante der funktionellen Magnetresonanz-Tomografie die Aktivität und Struktur ihres Gyrus dentatus erfasst. Drei Monate lang erhielten die Teilnehmer dann täglich entweder eine hohe Dosis Flavanole oder eine um das Zehnfache niedrigere, die Hälfte jeder Dosisgruppe nahm zudem an einem Sportprogramm teil. Nach drei Monaten wiederholten die Forscher sowohl den kognitiven Test als auch die Hirnscans.

Geistig um 30 Jahre verjüngt

Das Ergebnis: Die Probanden, die täglich eine hohe Dosis der Kakao-Inhaltstoffe erhalten hatten, schnitten in den Endtests deutlich besser ab als zu Anfang – und dies unabhängig davon, ob sie Sport trieben oder nicht. „Ein Teilnehmer, der zu Beginn der Studie das Gedächtnis eines typischen 60-Jährigen hatte, schnitt am Ende ab wie ein 30- oder 40-Jähriger“, berichtet Seniorautor Scott Small von der Columbia University. Gleichzeitig ergaben die Hirnscans auch eine signifikante Verbesserung der Durchblutung im Gyrus dentatus. Die in dieser Gruppe eingesetzten Dosierungen von gut 900 Milligramm Flavanolen pro Tag entsprechen in etwa der Menge, die in einer halben Tafel dunkler Schokolade oder zwei Portionen Kakaopulver enthalten sind. Die zehnfach niedrigere Dosis brachte dagegen keine großen Veränderungen.

„Unser Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Nahrungsergänzung durch Kakao-Flavanole die Funktion des Gyrus dentatus bei älteren Menschen verbessern kann“, konstatieren die Forscher. Dies wiederum scheint zumindest in einem speziellen Gebiet der geistigen Leistungen tatsächlich dem Abbau entgegen zu wirken. Ob diese Kakao-Inhaltsstoffe allerdings auch andere, nicht im Test erfasste Gedächtnisleistungen verbessern können, bleibt vorerst offen. Die Forscher planen bereits eine Folgestudie, bei der sie den Effekt mit einer größeren Teilnehmerzahl überprüfen wollen. Sie warnen allerdings davor, jetzt schon mal vorsorglich größere Mengen an Schokolade pro Tag zu verzehren. Immerhin reiht sich diese Studie nun in die Untersuchungen ein, die eine grundsätzlich positive Wirkung von Kakao-Flavanolen auf die körperliche und geistige Gesundheit belegen.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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