Kalte Küche - wissenschaft.de
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Kalte Küche

Die frisch geschlüpften Königslachse im Clearwater-Fluss bei Seattle zeigen ein ungewöhnliches Verhalten: Sie folgen nicht ihren Eltern, die nach dem Laichen zurück ins Meer schwimmen, sondern überwintern im Fluss und treten die Reise zum Ozean erst im folgenden Frühling an. Mit Hilfe von Peilsendern sind amerikanische Wissenschaftler nun hinter die Gründe dieses rätselhaften Verhalten gekommen. Die Tiere bleiben länger in dem nahrungsreichen, kalten Gewässer, um dort mehr Gewicht zulegen zu können. Sie orientieren sich während dieser Zeit an Temperaturunterschieden und der Strömungsgeschwindigkeit des Flusses.

Die Forscher markierten die Lachse mit eigentlich für die US-Armee entwickelten Anhängern, die sowohl Radiowellen als auch akustische Signale aussenden. Radiowellen breiten sich gut in der Luft und in seichtem Wasser aus. Akustische Signale dagegen können auch tiefes Wasser durchdringen. Da die Sender nur knapp ein halbes Gramm wiegen, konnten die Forscher auch kleine Tiere markieren, die erst 9 Zentimeter maßen, ohne diese dabei zu behindern oder zu verletzen. Durch die Kombination der beiden Methoden erhielten die Wissenschaftler ein sehr genaues Bild der Bewegungen der Lachspopulationen.

„Es erscheint unlogisch, aber durch die verspätete Wanderung können die Tiere besser überleben“, erklärt der Fischbiologe Billy Connor vom „U.S. Fish & Wildlife Service“ das Verhalten. „Die kleinen Fische spekulieren darauf, dass sie im Fluss den Räubern entkommen und sich an den reichen Nahrungsquellen vollfressen und schnell wachsen können. Wenn sie dann im nächsten Frühling ins Meer schwimmen, sind sie relativ kräftig und können Dämme besser überqueren und Räubern entkommen.“

Die Forscher vermuten, dass die im Spätherbst langsame Strömungsgeschwindigkeit im Clearwater-Fluss die Tiere dazu bringt, ihre Wanderung erst im Frühling anzutreten. Die Tiere können Temperatur und Strömung eines Gewässers wahrnehmen und orientieren sich danach. Dieses Verhalten könnte auch für Schutzmaßnahmen genutzt werden. Schon heute wird an bestimmten Flussabschnitten kaltes Wasser künstlich zugefügt, um die Überlebensrate der Lachse zu erhöhen.

Pacific Northwest National Laboratory. ddp/wissenschaft.de – Martina Bisculm
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