Kampf dem schmerzhaften Herumgestocher - wissenschaft.de
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Kampf dem schmerzhaften Herumgestocher

Die häufig schmerzhafte und langwierige Suche nach der richtigen Vene beim Blutabnehmen könnte bald der Vergangenheit angehören: Amerikanische Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem die Lage der Gefäße schnell und genau bestimmt werden kann. Dabei wird das Gefäßsystem mit einer Infrarotkamera aufgenommen und als grünlich schimmerndes Bild auf die Haut projiziert. Ein klinischer Test des neuen Systems soll noch in diesem Jahr beginnen, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 9. Oktober, S. 25).

Wenn beim Blutabnehmen oder beim Legen einer Infusion die Nadel nicht ganz genau von oben auf eine Vene trifft, rollt das Gefäß zur Seite, und es muss ein neuer Versuch unternommen werden. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann in einer Notsituation auch zu lange dauern. Der so genannte Venen-Kontrast-Verstärker von Herbert Zeman und seinen Kollegen von der Universität von Tennessee in Memphis soll nun Abhilfe schaffen. Kernstück der Entwicklung ist eine Infrarotkamera. Sie ist mit LEDs ausgestattet, die die Haut mit Infrarotlicht bestrahlen. Da dieses Licht von Blut stark absorbiert und von anderem Körpergewebe reflektiert wird, entsteht so ein Bild, in dem die Adern dunkel und das restliche Gewebe hell erscheinen.

Dieses Bild wird an einen Rechner geschickt, der mithilfe einer Bildbearbeitungssoftware den Kontrast zwischen Venen und Gewebe verstärkt. Ein Videoprojektor überträgt das entstehende Echtzeitvideo so zurück auf die Haut, dass die Projektion genau mit der Lage der Venen übereinstimmt. Um das zu erreichen, sind Kamera und Projektor jeweils in einem Winkel von 45 Grad zu einem Spiegel angeordnet, der für sichtbares Licht durchlässig ist, aber Infrarotwellenlängen reflektiert. Dieser Trick gewährleistet, dass Venenposition und projiziertes Bild nie mehr als 0,06 Millimeter voneinander abweichen.

Mit dem neuen Verfahren können Gefäße erfasst werden, die bis zu acht Millimeter unter der Haut liegen. Das projizierte Bild erscheint in einem schimmernden Grün, weil diese Farbe von der Kamera nicht erfasst wird, erklärt Studienleiter Zeman. Den Forschern ist es bereits gelungen, das System so zu verkleinern, dass es nur noch die Größe eines Schuhkartons hat und damit auch in Notarztwagen oder Ambulanzen verwendet werden kann. Besonders geeignet sei das System für den Einsatz bei Kindern, schreibt der „New Scientist“. Denn wegen der geringen Größe der Venen und dem relativ hohen Fettanteil des Gewebes sei es bei den kleinen Patienten oft sehr schwierig, die Venen richtig zu treffen.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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