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Umwelt+Natur

Keine Chance für Blender

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Als Versuchstiere dienten dreistachlige Stichlinge. Die Hälse der männlichen Exemplare färben sich in der Paarungszeit rot. Bild: © Universität Glasgow
Stichlingsweibchen fallen nicht auf Aufschneider herein: Männchen, die nur vortäuschen, gute Gene zu haben, kommen bei den Damen kaum zum Zug, haben britische Forscher entdeckt. Bei den Fischen gilt eine rote Färbung am Hals als Zeichen für vorteilhafte genetische Anlagen. Einige Männchen produzieren die Farbe jedoch auch dann, wenn sie eigentlich nicht über diese guten Gene verfügen. Allerdings können sie die energieraubende Färbung nicht eine ganze Saison beibehalten und verblassen mit der Zeit. Die Weibchen scheinen den Trick zu durchschauen: Sie wählen ihre Partner zwar nach der Halsfarbe aus, aber verlassen sich erst gegen Ende der Paarungszeit ganz auf dieses Merkmal. Dann sind nur noch diejenigen roten Männchen übrig, die sich den Schmuck dank guter Gene auch wirklich leisten können.

Im gesamten Tierreich schmücken sich Männchen mit Farben, Federn oder Hörnern und singen Lieder, zirpen oder machen andere, möglichst auffällige Geräusche, um Weibchen anzulocken. Die meisten dieser Merkmale sind mit Kosten für das Männchen verbunden, da sie für andere Zwecke als zur Attraktivitätssteigerung entweder komplett nutzlos oder sogar hinderlich sind. Darin liegt denn auch ihr Sinn: Sie sollen demonstrieren, wie viele Ressourcen ihr Besitzer zu verschwenden hat. Dies wird von den Weibchen als eine überdurchschnittlich gute Verfassung und damit auch vorteilhafte genetische Anlagen interpretiert. Folglich sind Männchen mit besonders ausgeprägten Merkmalen erfolgreicher beim anderen Geschlecht, weniger auffällige Männchen haben das Nachsehen.

Doch bei vielen Arten treten Betrüger auf. Sie schaffen es, die Merkmale ebenfalls auszubilden, obwohl ihre Gene gar nicht besonders gut sind. Im Gegensatz zu den genetisch wirklich begünstigten Männchen können sie die Energieverschwendung aber nicht lange durchhalten. Dies führt dazu, dass am Anfang der Paarungszeit jeweils mehr auffällige Männchen vorhanden sind, von denen viele nach und nach verschwinden, bis am Ende nur noch die besten übrigbleiben.

Um nun zu prüfen, ob und wie häufig Weibchen auf solche Betrügereien anspringen, entwickelten die Forscher ein Computermodell, das diesen Verlauf simuliert, und testeten es an Stichlingen im Labor. Die Fische gelten als Musterbeispiel für das Paarungsverhalten von Wirbeltieren. Am Anfang der Saison waren im Modell und in Wirklichkeit sehr viele männliche Fische mit roten Hälsen vorhanden, die für Stichlingsweibchen attraktiver sind. Nach und nach verloren viele entweder ihre Farbe oder starben, da sie all ihre Energie in das gefälschte Signal gesteckt hatten. Die Weibchen ließen sich jedoch nicht in die Irre führen: Sie paarten sich zwar bevorzugt mit besonders intensiv gefärbten Männchen, aber erst gegen Ende der Paarungszeit, wenn dieses Signal auch tatsächlich verlässlich war. Zuvor wählten sie ihre Partner nach anderen Kriterien aus. Dieses Verhalten stimmte genau mit dem vom Modell vorhergesagten überein.

Mitteilung der Universität Glasgow Originalarbeit der Forscher: Jan Lindström et al.: American Naturalist, Online-Vorabveröffentlichung vom 21. August ddp/wissenschaft.de ? Martina Bisculm
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