Kippschalter für die Fettverbrennung - wissenschaft.de
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Kippschalter für die Fettverbrennung

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Credit: Thinkstock
Fett ist nicht gleich Fett: Das unbeliebte „Hüftgold“ besteht aus weißen Fettzellen, die überschüssige Energie in Form von Fett speichern. Genau umgekehrt wirken dagegen die sogenannten braunen Fettzellen: Wie eine Art Heizaggregat verbrennen sie das Überangebot – wirken also Übergewicht entgegen. Wissenschaftler suchen schon seit einiger Zeit nach einem Weg, die unerwünschten weißen Fettzellen in braune umzuwandeln. Dieser Vision sind deutsche Forscher nun ein Stück näher gekommen: Sie sind bei Mäusen einem genetischen Mechanismus auf die Spur gekommen, der wie ein „Kippschalter“ die Fettverbrennung reguliert. Vermutlich gibt es das gleiche System auch beim Menschen, sagen die Forscher um Yong Chen von der Universität Bonn.

Das Fettzellen regulierende System, das die Forscher entschlüsselt haben, basiert auf der Wirkung sogenannter Micro-RNA. Diese genetischen Steuerelemente beeinflussen die Aktivität bestimmter Gene – sie wirken also wie eine Art Kippschalter. Pfeifer und seine Kollegen haben nun herausgefunden, dass die Micro-RNA 155 zumindest bei der Maus maßgeblich am Gleichgewicht zwischen weißen und braunen Fettzellen im Körper beteiligt ist: Sie blockiert die Umwandlung der Fettspeicher in die verbrennenden Zellen.

Geschaltete Mäuse

Die Forscher führten ihre Untersuchungen mit genetisch veränderten Mäusen durch, bei denen Micro-RNA 155 entweder vermehrt oder gar nicht gebildet wurde. Die Untersuchungen der Tiere belegten: Die Mikro-RNA fungiert als Gegenspieler zu den braunen Fettzellen. Denn bei den Versuchstieren, die viel Micro-RNA 155 bildeten, war die Bildung des braunen Fetts gestört, bei den Vergleichstieren war sie dagegen verstärkt. „Solange ausreichend von der Mikro-RNA 155 vorhanden ist, wird die Produktion der braunen Fettzellen blockiert“, sagt Chen. Erst wenn ein bestimmtes Maß unterschritten wird, löst sich diese Bremse, der Bauplan für das braune Fett kann von der Zelle umgesetzt werden und die Fett verbrennenden Zellen können sich entwickeln, erklären die Forscher.

Die Wissenschaftler sehen in ihren Resultaten nun einen potenziellen Ansatzpunkt für Medikamente gegen Fettleibigkeit und Fettstoffwechselerkrankungen, denn vermutlich lassen sich die Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen: Es gibt bereits Hinweise darauf, dass stark übergewichtige Patienten erhöhte Mengen der menschlichen Variante der Mikro-RNA 155 im Körper besitzen, sagen die Forscher. Das deckt sich also mit den Erkenntnissen aus ihren Tierversuchen: Viel Mikro-RNA 155 geht mit geringerer Fettverbrennung einher. „Wir befinden uns jedoch noch im Stadium der Grundlagenforschung“, betont Co-Autor Alexander Pfeifer von der Universität Bonn. Der Weg zu entsprechenden Medikamenten sei also noch weit.

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Yong Chen (Universität Bonn) et al.: Nature Communications, doi:10.1038/ncomms2742 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Apa|tit  〈m. 1; Min.〉 kristall. Mineral, chem. ein Calcium–, Fluor– od. Calcium–Chlor–Phosphat [zu grch. apatan ... mehr

Der Sommer war produktiv. Im Septemberheft der GIO, Gruppe. Interaktion. Organisation ist ein Artikel von mir erschienen: „Dynamiken im digitalen Wandel. Herausforderungen bezüglich Medien, sozialer Prozesse und Demokratie.“ Hier im Blog möchte ich auf einen anderen Aspekt eingehen, der mich in Forschung – und auch Organisationsberatung – stark beschäftigt: Wie sind Digitalisierung und damit einhergehende soziale und Organisationsdynamiken beforschbar?

Digitalisierung ist ein Phänomen, dem immer noch viele etwas ratlos gegenüberstehen. Vieles verändert sich. Der Alltag von Menschen ändert sich, Abläufe in Organisationen werden anders, digitale Medien und Apps sind alltägliche Begleiter und die dadurch hervorgerufenen Veränderungen oft nicht ganz greifbar. Der technologische Wandel ist für die Forschung interessant, aber so ganz klar wie dem methodologisch und methodisch – vor allem sinnvoll – begegnet werden kann, ist es oft nicht. Warum?

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Digitalisierung hat neue Prozesse hervorgebracht, bekannte Abläufe wurden auf den Kopf gestellt und viele dieser Prozesse sind noch nicht endgültig ausgehandelt. Bestes Beispiel dafür sind Organisationen und ihre Strukturen. Seitdem ich beruflich weniger an Universitäten und mehr in Unternehmen und NGOs unterwegs bin, ist mein Einblick diesbezüglich auch ein anderer und intensiverer. In vielen Bereichen fehlen die Zugänge um diese Veränderungsprozesse steuern zu können, oft auch deshalb weil die Steuerung sozialer Prozesse an sich oftmals mehr dem Zufall als einem überlegten Ansatz entspricht. Egal ob technologieaffine oder –ferne Organisationen: In den meisten fehlen die Antworten wie den Herausforderungen begegnet werden kann. Technologieaffine, wie z.B. IT-Unternehmen, sind zwar dem technologischen Wandel gut gewachsen, häufig aber mit den dadurch bedingten sozialen Veränderungen über- bzw. gefordert. Technologiefernere Organisationen, selbst welche mit implementierten, organisationellen Changeansätzen, sind oft mit den zusätzlichen und ungewohnten, technologisch bedingten Herausforderungen konfrontiert. Spannend dabei ist, und das ist das Feld in dem ich mich inzwischen viel bewege, dass jede Organisation ihre ganz eigenen Anforderungen, Ticks, Gewohnheiten und auch Macken hat, denen sinnvollerweise situativ begegnet werden muss – keine Organisation gleicht einer anderen.

Ähnliches gilt auch für Forschungsansätze: Mehr vom Gleichen funktioniert nicht, wenn sich Abläufe und Prozesse verändert haben. Die Messung des Status Quo liefert kaum Daten über mögliche Ansatzpunkte für notwendige Veränderungen. Deshalb greifen quantitative, sozialwissenschaftliche Analysen häufig zu kurz oder bleiben auf der Ebene von Zufriedenheitsbeschreibungen und Ähnlichem. Datenanalysen – Stichwort big data – liefern hier oft wesentlich sinnvollere Ergebnisse und in diesem Bereich tut sich seit einiger Zeit sehr viel um neue Ansätze und Wege zu erreichen. Um aber die oben beschriebenen Veränderungen in Organisationen zu erfassen, braucht es andere Zugänge. Veränderungen von Prozessen und das Erfassen habitueller bzw. kollektiver Ausrichtungen, d.h. der Mindsets von Organisationen und den Menschen darin, funktioniert nur mit Methodologien, die dementsprechend agieren.

LeserInnen dieses Blogs werden jetzt schon wissen was ich meine. Interpretative Forschungsansätze können genau das. In den letzten beiden Jahren arbeite ich viel genau an den Übergängen und Schnittmengen zwischen Forschung und Beratung. Mit Organisationsanalysen, die methodologisch mit Grounded Theory oder dokumentarischer Methode durchgeführt werden, können kollektive Orientierungen, Prozesse und Argumentationslinien gut erfasst werden. So entsteht quasi eine Theorie zu einer spezifischen Organisation, die darin enthaltenen Modelle erfassen gut welche Ausprägungen von Phänomenen sich in diesen Unternehmen und NGOs wiederfinden. Damit steigt das Verständnis – ums umgangssprachlich zu sagen – wo der Schuh drückt und was die Menschen in den Organisationen beschäftigt. Die daraus entwickelten Beratungsmaßnahmen und Veränderungsprozesse sind so forschungsbasiert in der Perspektive der handelnden Personen(gruppen) begründet und wesentlich treffsicherer. Besonders gut funktioniert dieser Zugang, wenn die Maßnahmen partizipativ mit Beteiligung der Organisationsmitglieder entwickelt und dann auch umgesetzt werden. Das Forschen hat den Vorteil in die Logik – bzw. Logiken, oft sind in Organisationen unterschiedliche vorhanden – der Unternehmen und NGOs Einblick zu erhalten und zu verstehen warum welche Abläufe vorhanden sind. Soziologisch gesprochen ist jedes solche Projekt eine kleine Sozialisation in den Habitus einer Organisation. Die Begleitung ist dann schlicht näher an den Notwendigkeiten dran.

einfüh|ren  〈V. t.; hat〉 1 hineinschieben, hineingleiten lassen 2 aus dem Ausland hereinbringen (Waren); ... mehr

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