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Umwelt+Natur

Klimawandel bedroht Komodowarane

Komodowaran
Ein Komodowaran (Bild: Achmad Ariefiandy/ Komodo Survival Program)

Der Komodowaran – die weltweit größte Echse – ist schon heute stark gefährdet. Der Klimawandel könnte die Echsen künftig sogar ganz aussterben lassen. Denn Prognosen zufolge werden die zunehmenden Temperaturen und der steigende Meeresspiegel die Lebensräume der seltenen Tiere stark verändern. Um das Überleben der Komodowarane zu sichern, müssten in Kürze Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Der letzte Drache unserer Zeit: Der Komodowaran, Varanus komodoensis, bewohnt schon seit mehr als einer Million Jahre die Erde. Und obwohl er mit seiner Ausdauer, enormen Kraft und messerscharfen Zähnen ein erfolgreicher Räuber ist, leben heute schätzungsweise nur noch 4000 Individuen in freier Wildbahn. Heimisch sind die berühmten Eidechsen nur auf fünf Inseln im Südosten Indonesiens: Komodo, Rinca, Nusa Kode und Gili Motang, die alle Teil des Komodo-Nationalparks sind, sowie Flores.

Indonesien wird sich aufheizen

Seit 20 Jahren beobachten Wissenschaftler mit Besorgnis die sinkenden Zahlen der seltenen Komodowarane in Indonesien. Einem Forscherteam um Alice Jones von der University of Adelaide gab dies den Anstoß, den möglichen Einfluss des Klimawandels auf die berühmten Echsen näher zu untersuchen. Denn die sich anbahnenden Veränderungen werden sich Modellen zufolge besonders stark auf tropische Inseln auswirken. „Für Indonesien sagen die Prognosen eine beispiellose Zunahme der Temperaturen und eine Verringerung der Niederschläge voraus“, berichten die Forscher. „Das wird zu einer verlängerten Trockenzeit mit vermehrten Bränden und verstärkter Bodentrockenheit führen.“

Um die möglichen Auswirkungen auf die Komodowarane zu ermitteln, nutzten Jones und ihr Team ein Ensemble vom Klimamodellen, um sechs Szenarien der künftigen Entwicklung und ihre Folgen für den Lebensraum der Tiere nachzubilden. Dabei ergaben sich je nach Szenario unterschiedlich starke Anstiege des Meeresspiegels und der Temperaturen sowie klimabedingte Veränderungen der Vegetation für die indonesischen Inseln. Diese Szenarien ergänzten die Forscher durch ein ökologisches Modell, das die Anforderungen der Warane an ihren Lebensraum und die Beuteverfügbarkeit, aber auch ihre bevorzugten Aufenthaltsorte mit einbezog. Auch die Populationsstruktur der Echsen und deren Entwicklung berücksichtigten sie.

Lebensräume und Populationen schrumpfen

Das Ergebnis: „Der Klimawandel wird wahrscheinlich zu einem starken Rückgang der Verfügbarkeit von Lebensraum für Komodo-Drachen führen“, sagt Jones. Den Modellen nach könnte sich der Lebensraum der Komodowarane bis 2050 um bis zu 92 Prozent verkleinern. Besonders betroffen wären unter anderem das von Komodowaranen bevorzugte flache, trockene Tiefland in der Nähe der Küste. Diese Habitate könnten sich durch die Erwärmung von offenen Wäldern in eine trockene Savanne verwandeln. „Eine solche Veränderung könnte diese Tiefland-Habitate schon in den nächsten drei Jahrzehnten für die Komodowarane ungeeignet machen“, berichten die Forscher. Einige Küstengebiete würden zudem durch den Meeresspiegelanstieg überflutet werden.

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Für die Komodowarane hätte dies erhebliche Folgen: „Dies wird ihre Populationen innerhalb weniger Jahrzehnte stark reduzieren“, sagt Jones. Den Prognosen zufolge könnte die Komodowaran-Population im gesamten Verbreitungsgebiet der Art je nach Klimaszenario um 30 bis 99 Prozent zurückgehen. „Unsere Modelle sagen das lokale Aussterben auf drei der fünf Inseln voraus, auf denen Komodo-Drachen heute zu finden sind“, sagt Jones Kollegin Damien Fordham. „Selbst wenn wir alle Ressourcen gleich behandeln, sieht es für die kleinen Populationen auf Kode und Montang düster aus.“ Auf den beiden größeren, geschützten Inseln Rinca und Komodo sind die Echsen dagegen weniger gefährdet, weil dort mehr Warane leben und sie mehr Ausweichmöglichkeiten haben.

Anders ist dies auf der ebenfalls größeren Insel Flores. Diese Insel ist kein Schutzgebiet und deshalb sind die Komodowarane dort aufgrund von illegaler Jagd, der Waldrodung für landwirtschaftliche Flächen und des Ausbaus von Wohnungssiedlungen zusätzlich stark gefährdet. Auch diese Population könnte daher bei ungebremstem Klimawandel aussterben. „Die Schwere und das Ausmaß menschlicher Handlungen, die die Komodo-Drachenpopulationen, insbesondere auf Flores Island, beeinflussen, werden gerade erst realisiert“, sagt Deni Purwandana vom Komodo Survial Program in Bali. Auf den anderen Inseln, die zum Komodo Nationalpark gehören, werden die Echsen hingegen aktiv geschützt und haben mehr Zufluchtsorte.

Jetzt ist der Mensch gefragt

Diese Erkenntnisse liefern wertvolle Hinweise auch zur Arterhaltung der seltenen Komodowarane. „Ein Einblick in die zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels bietet neue Möglichkeiten, mit Naturschutzbehörden und lokalen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten, um Lösungen vor Ort zu finden, die das Klima und andere Bedrohungen für Komodo-Drachen und ihre Lebensräume begrenzen“, sagt Jones Kollege Tim Jessop.

„Projekte wie die Einrichtung neuer Reservate in Gebieten, die trotz der globalen Erwärmung in Zukunft hochwertige Lebensräume erhalten sollen, könnten dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Komodo-Drachen zu mindern“, erklärt Jones. „Naturschützer müssen in den kommenden Jahrzehnten möglicherweise erwägen, Tiere an Orte umzusiedeln, an denen Komodo-Drachen seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gefunden wurden. Dieses Szenario kann mit unserem Ansatz getestet einfach werden.“

Quelle: University of Adelaide; Fachartikel: Ecology and Environment, doi: /10.1002/ece3.6705

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