Klimawandel bringt schwachen Robbenmännchen Glück in der Liebe - wissenschaft.de
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Klimawandel bringt schwachen Robbenmännchen Glück in der Liebe

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Das Paarungsverhalten der Robben auf der schottischen Insel North Rona verändert sich mit dem Klimawandel. Foto: Sean Twiss
Der Klimawandel kann unterprivilegierten Kegelrobbenmännchen zu unerwarteten amourösen Abenteuern verhelfen, haben britische Biologen beobachtet. Verantwortlich dafür ist die zunehmende Trockenheit, die von vielen Klimamodellen vorhergesagt wird: Sie veranlasst die Robbenweibchen, sich auf der Suche nach Frischwasser ungewöhnlich weit von ihrem angestammten Platz zu entfernen. Damit entziehen sie sich auch der Aufsicht des Männchens, zu dessen Harem sie gehören. Genau das nutzen dann Robbenmänner ohne eigenen Harem aus ? mit der Folge, dass die genetische Vielfalt unter den Kegelrobben immer mehr zunimmt.

Neun Jahre lang beobachtete das Team um Sean Twiss die Kegelrobbenkolonie auf North Rona, einer einsam nördlich von Schottland im Atlantik gelegenen Insel. Dabei zeichneten die Forscher auf, wie häufig es regnete, wieviel sich die Weibchen jeden Tag bewegten und wieviele und welche sexuellen Kontakte sie hatten. In trockenen Jahren waren die Weibchen mobiler als in den regenreicheren, zeigte die Analyse. In diesen Jahren kamen auch mehr verschiedene Männchen bei ihnen zum Zug als in feuchteren: Im regenreichsten Jahr vollzogen 23 Exemplare mindestens einmal den Geschlechtsakt, während es im trockensten Jahr 37 verschiedene Männchen waren.

Der Schlüsselfaktor für diesen Effekt ist die Anzahl der Pfützen an den Küstenabschnitten, an denen sich die Robben zur Paarungszeit aufhalten, erklären die Forscher. In diesen Wasserlachen können die Weibchen ihre Körpertemperatur regulieren und Trinkwasser für sich und ihr Junges gewinnen. Gibt es viele Pfützen, kann das Weibchen während der gesamten Zeit an seinem erwählten Platz bleiben und ist damit ständig in unmittelbarer Nähe des Männchens, zu dessen Harem es gehört. Wird es dagegen trockener, müssen die Weibchen von ihrem Heimatplatz wegwandern, um sich ihr Wasser zu suchen. Da sie sich dabei von dem zuständigen dominanten Männchen entfernen, können sie von diesem nicht mehr so gut überwacht werden ? eine ideale Gelegenheit, sich auch mit weniger dominanten Männchen ohne Harem zu paaren.

Da verschiedene Klimamodelle vorhersagen, dass Regenfälle in Zukunft sehr viel unregelmäßiger sein werden, könnten diese fruchtbaren Streifzüge häufiger werden, vermuten die Forscher. Das könnte ihrer Ansicht nach sogar einen positiven Effekt auf die Robbenpopulationen haben: Die größere Anzahl an Vätern erhöht die genetische Vielfalt in der Gruppe und verbessert damit langfristig wohl auch die Überlebenschancen der Tiere, so die Prognose der Biologen.

Sean Twiss (Durham University) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 0.1098/rsbl.2006.0559 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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