Klimawandel: Wenn sich Partner verpassen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Klimawandel: Wenn sich Partner verpassen

Der Klimawandel kann das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis von Pflanzen und Tieren stören – wie im Fall von Küchenschelle und Wildbienen. (Bild: Sandra Kehrberger)

Die Blüten versorgen Biene und Co mit Nektar sowie Pollen – als Gegenleistung werden sie dann bestäubt: Diese berühmte Win-Win-Beziehung zwischen Blütenpflanzen und ihren Bestäubern funktioniert allerdings nur, wenn die Insekten zur Blütezeit auch schon aktiv sind. Wie Forscher nun berichten, könnte der Klimawandel dieses System in einigen Fällen stören: Die Erwärmung kann die Entwicklung der Blüte und der Insekten ungleichmäßig verschieben und dadurch die Partner zeitlich voneinander trennen. Dies zeigen zwei Biologinnen am Beispiel der Partnerschaft der Küchenschelle und zweier an sie angepasster Wildbienenarten.

Studien der letzten Jahre haben immer mehr verdeutlicht, wie vielschichtig die Bedrohungen durch den Klimawandel für die Natur sein können. Der Grund sind die teils komplexen Wechselbeziehungen, die aus dem Gleichgewicht geraten können, wenn sich bestimmte Schlüsselfaktoren verändern. In diesem Zusammenhang kommt auch der zeitlichen Abstimmung große Bedeutung zu. Bei der Pflanzen- und Insektenentwicklung spielt dabei bekanntlich die Temperatur eine große Rolle: Sowohl die Tiere als auch die Pflanzen nutzen sie als Indikator für den richtigen Zeitpunkt der Blüte beziehungsweise des Schlupfes. Sie synchronisieren auf diese Weise ihr Erscheinen, damit ihr wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis funktionieren kann. Denn Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen und Wildbiene und Co benötigen Nektar und Pollen für ihre Entwicklung.

Blütezeit und Schlupf müssen zueinander passen

Die Klimaerwärmung führt nun bekanntermaßen dazu, dass sich das Erscheinen vieler Pflanzen- und Tierarten verfrüht – allerdings ist in vielen Fällen unklar, inwieweit dies im gleichen zeitlichen Rhythmus erfolgt. Dieser Frage sind nun Sandra Kehrberger und Andrea Holzschuh von der Universität Würzburg nachgegangen. „Wir haben den Einfluss der Temperatur auf zwei Frühlingsbienen-Arten, der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) und der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis), sowie auf die früh blühende Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) untersucht“, sagt Kehrberger.

Der zeitlichen Synchronisation von Schlupf und Blüte kommt im Leben dieser Wildbienen und auch der Pflanze eine besondere Bedeutung zu, erklären die Forscherinnen: „Für Wildbienen ist der richtige Zeitpunkt des Schlupfes insbesondere im Frühling zu Beginn der Vegetationsperiode wichtig, da bereits eine kurze Zeitspanne ohne blühende Pflanzen und damit ohne Nahrung negative Folgen für das Überleben der Bienen und die Anzahl an Nachkommen haben kann“, sagt Holzschuh. Aber auch für Pflanzenarten, die zu Beginn der Vegetationsperiode blühen und auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen sind, ist der richtige Zeitpunkt der Blüte von Bedeutung. „Ein Mangel an Bestäubern kann für sie und für ihren Reproduktionserfolg negative Folgen haben“, ergänzt Kehrberger.

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Die Küchenschelle blüht zu früh

Für ihre Studie haben die Wissenschaftlerinnen auf Versuchsflächen die Entwicklung von Bienen-Kokons sowie die Blütezeit der Küchenschelle bei unterschiedliche Temperaturbedingungen untersucht. Wie sie berichten, war das Ergebnis deutlich: Mit steigenden Temperaturen setzt die Blüte der Küchenschelle früher ein. Was den Schlupfzeitpunkt der beiden Mauerbienen betrifft, ist der Verfrühungseffekt allerdings geringer. Somit besteht die Gefahr, dass die ersten Blüten der Küchenschelle in der Abwesenheit von geeigneten Bestäubern blühen.

Dies könnte zu einem reduzierten Fortpflanzungserfolg und somit auch zu einem Schwund der Pflanzenpopulation führen. Dadurch stellt der Klimawandel für die heimische Küchenschelle, die bereits als bedrohte Art eingestuft ist, eine weitere Gefährdung dar, sagen die Forscherinnen. Wie sie betonen, kann das zeitliche Auseinanderdriften aber auch für die Wildbienen eine Gefährdung darstellen, denn die Verfügbarkeit von Nahrung kann problematisch werden.

„Unsere Forschung zeigt, dass auch der Klimawandel eine Bedrohung für heimische Pflanzen- und Wildbienenarten darstellt, die bereits durch andere Faktoren, wie den Verlust an Lebensraum und die intensive Landwirtschaft unter starkem Druck stehen“, resümiert Kehrberger. Die beiden Wissenschaftlerinnen hoffen, mit ihrer Studie auf Konsequenzen der Klimaerwärmung aufmerksam machen zu können, die nicht so vordergründig erscheinen, aber dennoch Beachtung verdienen.

Quelle: Universität Würzburg, Fachartikel: PLOS, doi: 10.1371/journal.pone.0218824

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