Kluge Rabenvögel - wissenschaft.de
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Kluge Rabenvögel

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Rabenvögel wie diese Saatkrähe sind schlaue Tiere - besonders wenn es um die Futtersuche geht.
Krähen können komplexe Aufgaben auch in einem neuen Kontext lösen und dabei abstrakte kausale Zusammenhänge erkennen. Das haben neuseeländische Forscher anhand von Experimenten mit Geradschnabelkrähen herausgefunden. Dabei verwendeten die Rabenvögel ein Hilfswerkzeug, um an ein weiteres Werkzeug zu gelangen, mit dem sie dann schließlich ein Stück Fleisch erreichten. Die Krähen zeigen dabei die Fähigkeit, ein Werkzeug als Mittel zum Zweck zu benutzen, das sich in einem vorherigen Experiment als nutzlos zur direkten Nahrungsbeschaffung erwiesen hat. Die Wissenschaftler werten dies als Zeichen für kognitive Fähigkeiten, die über ein simples Lernen durch Ausprobieren hinausgehen. Die Krähen könnten vielmehr die abstrakte Regel „ein unzugängliches Objekt kann mit einem Werkzeug erreicht werden“ auf verschiedene Situationen übertragen, berichten Alex Taylor von der University of Auckland und seine Kollegen.

Die Wissenschaftler fingen sieben wilde Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) und stellten sie vor eine Aufgabe, die nur in mehreren Schritten bewältigt werden konnte: Um an ein Fleischstück in einer Kiste mit Loch heranzukommen, mussten die Krähen einen langen Stock einsetzen. Dieser befand sich aber in einer Gitterbox und konnte nur mit einem zweiten kleineren Stock herausmanövriert werden. Diesen kleinen Stock wiederum mussten die Vögel zuvor von einer von der Decke baumelnden Schnur lösen. Vier Krähen waren bereits aus früheren Aufgaben damit vertraut, einen mit einer Schnur verbundenen Stock zu benutzen, um an Nahrung heranzukommen. Die zweite Gruppe war noch weiter ? diese Krähen hatten zusätzlich schon Schnur oder Stock einzeln verwendet, um ein zweites Werkzeug zu erreichen. Diese Fortgeschrittenen mussten also nur noch die einzelnen Handlungen gedanklich verbinden. Die „Anfänger“ aus der ersten Gruppe mussten dagegen neue Verhaltensweisen erlernen.

Alle drei fortgeschrittenen Krähen konnten die Aufgabe problemlos im ersten Versuch lösen. Dies gelang auch zwei Krähen aus der Vierer-Gruppe ? die beiden anderen mussten drei- bis viermal üben, bis sie es schließlich auch schafften. Ähnliche Experimente hatten bereits zuvor die erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten der Vögel bewiesen. Einige Forscher waren aber der Ansicht, dass die Krähen dabei keine kausalen Überlegungen machten, wie etwa „ein erstes Werkzeug ist nötig, um in den Besitz eines zweiten zu kommen, was dann der Schlüssel zur Nahrung ist“. Vielmehr würden die Rabenvögel von unerreichbaren Dingen wie einem langen Stock in einer Box angezogen, diesen deshalb mit einem anderen kürzeren Stock herausangeln und dann erst bemerken, dass mit dem langen Stock die Nahrung erreichbar werde.

In der aktuellen Studie konnten die Handlungen der Krähen aber nicht mit einem solchen Lernmodell erklärt werden: Die Wissenschaftler hatten nämlich vor dem Experiment den kurzen Stock für die Krähen zu einem unattraktiven Objekt gemacht ? sie ließen die Krähen mehrmals erfolglos versuchen, mit diesem Werkzeug das Fleischstück zu erreichen. Nach Ansicht von Taylor und seinen Kollegen stellten die Krähen dadurch die gedankliche Verbindung „kurzer Stock gleich ungeeignetes Werkzeug“ her. Erst eine bewusste Erkenntnis, dass der kurze Stock als Mittel nötig ist, an die begehrte Nahrung zu kommen, konnte dann diese Assoziation wieder löschen und so zum erfolgreichen Lösen der Aufgabe verhelfen.

Alex Taylor (University of Auckland) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Onlinevorabveröffentlichung, doi:10.1098/rspb.2010.0285 ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander
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