Knochenmark statt Dialyse - wissenschaft.de
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Knochenmark statt Dialyse

Eine Behandlung mit Stammzellen aus dem Knochenmark könnte bei Menschen mit angeborenen Nierenschäden in Zukunft Dialyse und Nierentransplantation ersetzen. Das hoffen amerikanische Wissenschaftler nach einer erfolgreichen Knochenmarkstransplantation bei Mäusen, deren Nieren durch einen genetischen Defekt nur sehr eingeschränkt arbeiteten. Durch die Behandlung habe sich das geschädigte Gewebe regeneriert und die Nierenfunktion deutlich verbessert, berichten die Forscher.

Das so genannte Alport-Syndrom ist eine Erbkrankheit, bei der der Körper eine bestimmte Form von Kollagen, den Typ IV, nicht herstellen kann. Dieses Protein verleiht nicht nur dem Innenohr Form und Stabilität, sondern auch dem feinen Netzwerk aus Gefäßen in der Niere, das für das Herausfiltern von Giftstoffen aus dem Blut zuständig ist. Fehlt das Eiweiß, bildet sich dieses Netz nicht richtig aus und die Nieren der Betroffenen versagen bereits im jungen Erwachsenenalter. Obwohl die genetischen Veränderungen, die der Krankheit zugrunde liegen, bereits seit längerem bekannt sind, ist das Alport-Syndrom bis heute nicht heilbar. Behandelt werden lediglich die Symptome, etwa durch eine Dialyse zur Unterstützung der geschädigten Nieren oder Nierentransplantationen in fortgeschritteneren Stadien.

Zumindest bei Mäusen gibt es jedoch eine weitere, sehr viel versprechende Alternative, konnten Hikaru Sugimoto und seine Kollegen nun zeigen. Wird nämlich das Knochenmark erkrankter Tiere durch das gesunder Artgenossen ersetzt, beginnt sich das Gewebe des Gefäßnetzwerks zu erholen: Die Zellen aus dem neuen Knochenmark verwandeln sich in funktionsfähige Nierenzellen und starten dann mit der Produktion des fehlenden Kollagens. Dadurch werden anschließend die Strukturen des Filtersystems stabilisiert, und es kann seine Funktion wieder aufnehmen.

Schon nach vier Wochen waren bei den behandelten Mäusen zehn Prozent der transplantierten Zellen in das Filtergewebe integriert, berichten die Forscher. Gleichzeitig verbesserte sich die Nierenfunktion der Tiere: Die Menge an Blut und Eiweiß, die sich im Urin der Mäuse befand, nahm deutlich ab ? ein Zeichen dafür, dass sich die zuvor existierenden Löcher im Filtersystem geschlossen hatten. Die Knochenmarkstransplantation sei demnach prinzipiell geeignet, Nierenkrankheiten wie das Alport-Syndrom zu behandeln und biete auch eine viel versprechende Möglichkeit für eine Therapie beim Menschen, so die Wissenschaftler. Sie wollen nun testen, ob auch andere Stammzellarten für eine solche Behandlung geeignet sind.

Hikaru Sugimoto ( Harvard Medical School, Boston) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0601436103 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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