Klimawandel gefährdet Tagfalter Kohlweißling und Co. ade? - wissenschaft.de
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Klimawandel gefährdet Tagfalter

Kohlweißling und Co. ade?

Ochlodes sylvanus
Ein Rostfarbiger Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) -  auch er ist durch zunehmende Dürren gefährdet (© Tim Melling)
Ob Kohlweißling, Brauner Waldvogel oder Rostfarbiger Dickkopffalter – all diese Schmetterlinge könnte es bald in vielen Gebieten Mitteleuropas nicht mehr geben, warnen britische Forscher. Denn der Klimawandel bringt vermehrt Trockenperioden, an die sich diese feuchteliebenden Arten nicht schnell genug anpassen können. Aber eine kleine Chance gibt es noch.

Mit der Sommerhitze haben die meisten Schmetterlinge kein Problem – eher im Gegenteil. Denn sie gelten allgemein als eher wärmeliebende Insekten. Ist es allerdings gleichzeitig auch noch trocken, dann bekommen viele Falterarten Schwierigkeiten, weil die Dürre ihren Raupen die Nahrungspflanzen nimmt. Zudem können sie dann keinen Schutz mehr vor der Sonne im feuchten, kühlen Unterholz oder Gras suchen.

Kollaps der Populationen

Klimaprognosen sagen allerdings eine Häufung genau dieser ungünstigen Wetterbedingungen voraus: Auch in Teilen Europas sollen sich mit fortschreitendem Klimawandel Wetterextreme wie Dürren und Hitzewellen häufen. Was dies für gängige Schmetterlingsarten bedeutet, haben Tom Oliver von der University of Reading und seine Kollegen nun am Beispiel Südenglands erforscht. Dafür untersuchten sie, wie sich die extreme Dürre von 1995 auf 28 Schmetterlingsarten auswirkte, wie gut sie sich erholten und welche Rolle die Lebensräume dafür spielten.

Wie sich zeigte, reagierten sechs Falterarten besonders sensibel auf die Trockenperiode, darunter auch der Große und Kleine Kohlweißling ( Pieris brassicae, Peris rapae), der Rapsweißling ( Pieris napi) sowie der Braune Waldvogel ( Aphantopus hyperantus). Sie alle sind auch bei uns heimisch. Beim Kohlweißling brachen die Populationen sogar um 60 Prozent ein und erholten sich anschließend nur langsam, wie die Beobachtungsdaten zeigten. Bei den anderen Arten ging die Population um 24 bis 56 Prozent zurück.

Lokales Aussterben vorprogrammiert

Was aber bedeutet dies für die Zukunft? Um das herauszufinden, nutzten die Forscher Klimamodelle, mit denen sie vier verschiedene Klimawandelszenarien mitsamt der erwarteten Wetterextreme bis 2100 simulierten. „Die Ergebnisse sind Besorgnis erregend“, sagt Oliver. „Für die trockensensiblen Schmetterlinge und wahrscheinlich auch weitere Arten wird es bis 2050 zu einem weitverbreiteten Aussterben von Populationen kommen.“ Und nicht nur Schmetterlinge, auch anderer trockensensible Arten unter den Vögeln, Käfern und Motten wären ähnlich gefährdet.

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Das Schlimme daran: Schaffen wir es nicht, den Klimawandel zu bremsen, wird nichts diese Entwicklung aufhalten können. „Wir stellen fest, dass kein noch so günstiges Landschafts-Management diesen Schmetterlingen die Anpassung an ein Klima nach dem business-as-usual-Szenario ermöglichen wird“, so die Forscher. Selbst wenn man ihnen weite, naturbelassene Landflächen zur Verfügung stellen würde, wäre das Ausmaß der kommenden Dürren für die Falter in vielen Gebieten zu groß. Bis 2100 würden viele lokale Populationen aussterben.

Eine kleine Chance gibt es noch

Eine Chance gäbe es aber, wenn wir es schaffen, den Klimawandel zumindest abzubremsen – auch das ergaben die Simulationen. „Die gute Nachricht ist, dass wir die Widerstandsfähigkeit der Arten gegen den Klimawandel stärken können, wenn wir ihnen mehr Lebensraum zur Verfügung stellen“, sagt Koautor Mike Morecroft von der Organisation Natural England. „Das aber wird nur funktionieren, wenn wir den Klimawandel durch effektive Kontrolle der Treibhausgase begrenzen.“

Retten könnte die Schmetterlinge unter anderem das Anlegen von Feuchtgebieten, wie die Forscher erklären. Vor allem aber benötigen sie eine Renaturierung und weniger starke Zerstückelung ihrer Habitate durch Siedlungen, Monokulturen oder andere menschliche Eingriffe. „Wenn dies umgesetzt wird, dann könnte ihre lokale Überlebenschance bis 2050 von Null auf immerhin zwischen sechs und 42 Prozent steigen“, so Oliver und seine Kollegen.

Centre for Ecology & Hydrology, Fachartikel: Nature Climate Change, doi: 10.1038/nclimate2746

© natur.de – Nadja Podbregar
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