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Komische Finkenlieder auf den Kanaren

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Buchfink (Fringilla coelebs) vom europäischen Festland. Credit: Robert Lachlan, Duke University
Ein schmetternder Gesang mit einem Schnörkel am Ende – Kenner wissen: Da singt ein Buchfink – der kurze Gesang der weit verbreiteten Singvögel ist typisch und leicht zu erkennen. Doch offenbar nur auf dem europäischen Festland, berichten Biologen: Auf Gran Canaria singt offenbar jedes Männchen ein bisschen anders. Sie machen zwar die gleichen Töne, doch die Struktur des Lieds ist individuell unterschiedlich. Die Erklärung der Forscher: Möglicherweise haben die Tiere bei der schrittweisen Kolonisierung der Atlantikinseln Erbanlagen verloren, die dem Singverhalten zugrunde liegen.

Für die Studie haben die Forscher um Robert Lachlan von der Duke University Aufnahmen von insgesamt 723 Buchfinken-Männchen gesammelt, die aus zwölf unterschiedlichen Populationen stammten: von verschiedenen Teilen des europäischen Festlandes, den Azoren und den Kanarischen Inseln. Man nimmt an, dass die Tiere, die auf den Atlantikinseln vorkommen, diese einst Schritt für Schritt erobert haben. Im Laufe von anderthalb Millionen Jahren sind sie demnach erst auf die Azoren „gehüpft“, von dort aus nach Madeira und dann schließlich zu den Kanarischen Inseln, mit dem letzten Ziel Gran Canaria.

 

Der Vergleich der Gesänge der lokalen Vertreter der Buchfinken zeigte nun, dass die Abfolge der Silben – die Syntax – immer weniger vorhersagbar ist, je weiter hinten ihre Heimat in der Besiedlungskette liegt. Die syntaktische Struktur verlor sich also stufenweise, entsprechend den Ausbreitungsschritten auf den Atlantikinseln: Auf Gran Canaria ist die Bandbreite beim Gesangsmuster deshalb am größten. „Am Ende sind die Regeln nicht nur verändert, sondern verschwunden“, sagt Lachlan. Doch was steckt hinter diesem kuriosen Zusammenhang?

 

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Inselpopulationen begünstigten möglicherweise Veranlagung zu variablem Gesang

 

Viele Studien haben bereits gezeigt, dass Vogelgesang sowohl auf Veranlagung, als auch auf Lernen beruht. Wenn kulturelle Überlieferung die einzige Quelle der syntaktischen Struktur der Finkenmusik wäre, würde man erwarten, dass der Gesang von kleinen Inselpopulationen einheitlichere Struktur aufweist als der vom Festland und nicht umgekehrt, sagt Lachlan. Doch das Lernverhalten ist wiederum Veranlagungssache, wie Untersuchungen gezeigt haben: Es gibt Gene, die bestimmen, wie Jungvögel den arttypischen Gesang von älteren lernen. „Vermutlich ist das, was wir festgestellt haben das Ergebnis der Evolution solcher Gene“, sagt Lachlan.

 

Den Forschern zufolge sei ein möglicher Aspekt der Entwicklung gewesen, dass die Vögel auf den Inseln auf weniger Gesangs-Konkurrenten gestoßen sind. Auf dem europäischen Festland verschaffen sich Buchfinkenmännchen im Chor von bis zu 60 anderen Sinvogelarten Gehör. Auf den Azoren müssen sie die Weibchen hingegen nur aus dem Geträller von acht Arten heraushören. Das allein kann allerdings nicht der Grund gewesen sein, betont Lachlan, denn auf Gran Canaria sind es wieder doppelt so viele Arten wie auf den Azoren und dennoch sank der Wiedererkennungswert des Gesangs. Möglicherweise war es bei der Besiedlung der Inseln – als die Populationen noch sehr klein waren – vorteilhaft für die Vogelmännchen, unterschiedliche Lieder aufgreifen und erlernen zu können, sagt Lachlan.

 

Originalstudie der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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