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Kompetenz ins Gesicht geschrieben

Menschen mit eher kindlichen Gesichtszügen wirken weniger kompetent als Menschen mit reiferen Gesichtern. Das kann beispielsweise in der Politik den Erfolg eines Kandidaten maßgeblich beeinflussen, hat ein amerikanisches Forscherteam gezeigt: Die auf diesen ersten Blick kompetenteren Politiker hatten auch bei einem Großteil der vergangenen Wahlen zum amerikanischen Senat die Nase vorn. Je kindlicher die Gesichter der Kandidaten dagegen wirkten, desto weniger Stimmen bekamen sie.

Es gibt zwei Mechanismen, die zur Entscheidungsfindung bei politischen Wahlen beitragen, schreiben die Forscher: Zuerst entsteht ein automatischer, nicht von Denkprozessen beeinflusster Eindruck des Kandidaten, der hauptsächlich von äußerlichen Faktoren wie beispielsweise den Gesichtszügen geprägt wird. Erst danach fließen in einem zweiten Schritt auch inhaltliche und parteipolitische Faktoren in den Entwurf ein und modifizieren das zuvor entstandene Bild.

Der erste, rein äußerliche Eindruck trägt dabei offenbar wesentlich mehr zur tatsächlichen Wahlentscheidung bei als bisher angenommen, zeigt die Studie der Wissenschaftler. Die Forscher hatten insgesamt 843 Studenten gebeten, auf Fotos von knapp 100 Kandidatenpaaren denjenigen eines Paares herauszusuchen, den sie für kompetenter hielten. Die verwendeten Bilder zeigten jeweils einen Gewinner und einen Unterlegenen aus Wahlen der vergangenen vier Jahre. Das Ergebnis: Rund 70 Prozent der Kandidaten, die von den Probanden als kompetenter eingestuft worden waren, hatten tatsächlich ihre Wahl gewonnen. Das änderte sich auch nicht, wenn die Probanden lediglich eine einzige Sekunde Zeit für ihre Beurteilung hatten.

Die Entscheidung der Tester hing dabei tatsächlich nur davon ab, wie kompetent der Kandidat erschien ? und nicht davon, wie attraktiv, Vertrauen erweckend oder sympathisch er wirkte, zeigte eine weitere Untersuchung. Diese ausgestrahlte Kompetenz hängt nach Ansicht der Psychologin Leslie Zebrowitz von der Brandeis-Universität in Waltham davon ab, wieviel Kindliches in den Gesichtszügen der Kandidaten zu finden ist. Ein rundes „Baby-Face“ mit großen Augen, einer kleinen Nase, einer hohen Stirn und kleinem Kinn strahlt demnach eher Naivität, Unterwürfigkeit und Schwäche aus. Reifere Gesichtszüge dagegen werden eher mit Durchsetzungsfähigkeit und Kompetenz assoziiert, schreibt Zebrowitz in einem begleitenden Kommentar.

Alexander Todorov et al. ( Princeton-Universität): Science, Bd. 308, S. 1623

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Leslie Zebrowitz, Joann Montepare: Science, Bd. 308

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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