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Kontraproduktive Narkose

Einige gängige Narkosemittel haben eine unerwünschte Nebenwirkung, haben US-Forscher nachgewiesen: Sie aktivieren schmerzempfindliche Nervenzellen im Körper, ähnlich wie es auch Meerrettich oder der Chili-Scharfmacher Capsaicin tun. Die Folgen sind neben einem brennenden Gefühl an der Einstichstelle stärkere Wundschmerzen nach Operationen und eine allgemeine Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit. Verschlimmert wird die Situation zudem dadurch, dass die überaktiven Nervenzellen Entzündungsreaktionen auslösen, die wiederum die Schmerzen verstärken. Bei der Planung von Operationen sollte daher wenn möglich auf ein Narkotikum ohne diese Nebenwirkungen zurückgegriffen werden, empfiehlt das Team um José Matta.

Schon länger ist bekannt, dass Narkosemittel wie Propofol und Etomidat, die per Injektion verabreicht werden, brennende Schmerzen an der Einstichstelle hervorrufen. Auch Isofluran und Desfluran ? Narkotika, die inhaliert werden ? wurden bereits mit Reizungen in den Atemwegen in Verbindung gebracht, und im Tierversuch zeigten sich nach Kontakt mit den Substanzen zudem Irritationen der Augen und der Haut. Um nun genauer zu untersuchen, wie diese Reaktionen zustande kommen, testeten die Forscher die Effekte der Wirkstoffe auf kultivierte Nervenzellen und bei Mäusen.

Das Ergebnis: Die Substanzen lösten in schmerzempfindlichen Nervenzellen Signale aus ? hauptsächlich, indem sie auf zwei Rezeptoren namens TRPA1 und TRPV1 einwirkten. Diese Schlüsselmoleküle sind auch für die Schmerzen bei Kontakt mit Hitze sowie scharfe Stoffe wie Capsaicin, Senföl und Tränengas verantwortlich. Bei den Testmäusen führte die Aktivierung der Nervenzellen zu Schmerzen an der Kontaktstelle mit den Wirkstoffen. Auch Entzündungen wurden bei den Tieren deutlich verstärkt, wenn sie mit den Narkotika behandelt wurden, zeigten weitere Tests. Fehlten die Rezeptoren hingegen, zeigten die Mäuse keine Anzeichen von Unwohlsein.

Zusammengenommen deute das darauf hin, dass die Verwendung solcher Narkosemittel vor und nach einer Operation mitverantwortlich für die Schmerzen ist, die der Patient nach dem Aufwachen spürt, erläutert Koautor Gerard Ahern. Das sei eine unerwartete Herausforderung für den Einsatz der Wirkstoffe in der Klinik. Da der Wirkmechanismus nun genauer bekannt sei, könnten bei der Narkose zusätzlich Substanzen verabreicht werden, die die verantwortlichen Rezeptoren blockieren. Alternativ sollten Narkosemittel gewählt werden, bei denen die Nervenaktivierung nicht stattfindet. Dieses Problem müsse bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe unbedingt berücksichtigt werden, empfiehlt der Forscher.

José Matta (Georgetown-Universität in Washington) et al.: PNAS, Bd. 105, S. 8784 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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