Kontroverse um Verhütung - wissenschaft.de
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Kontroverse um Verhütung

Auch bei natürlichen Verhütungsmethoden wie der Temperatur- oder Kalendermethode sterben zahlreiche Embryonen ab. Würden alle Frauen, die heute mit der Pille verhüten, auf diese von zahlreichen vor allem christlichen Ethikern favorisierten Verhütungstechniken umstellen, läge die Gesamtzahl der abgestorbenen Embryonen sogar deutlich höher als heute. Das hat der britische Wissenschaftstheoretiker Luc Bovens hochgerechnet. Der Forscher argumentiert damit gegen Kritiker, die sich aus ethischen Gründen gegen die Pille aussprechen.

Der Widerspruch Bovens gilt vor allem dem amerikanischen Autor Randy Alcorn, der von weltweit mehreren zehntausend Embryonen spricht, die jedes Jahr aufgrund der Pille zugrundegehen. Alcorn begründet diese Zahl mit der Wirkung der meisten Pillenpräparate: Diese unterbinden nicht nur den Eisprung, sondern verhindern auch das Einnisten der Eizelle in der Gebärmutter, falls es doch einmal zu einem Eisprung und einer Befruchtung gekommen ist. Bei geschätzten jährlich 780 Millionen Zyklen von Frauen, die die Pille nehmen, sterben aus diesem Grund immer noch viele tausend Embryonen in der Gebärmutter ab, so Alcorn.

Laut Bovens Berechnungen würde die Zahl abgestorbener Embryonen jedoch auf mehrere Millionen ansteigen, würde alle Frauen auf die Pille verzichten und stattdessen auf natürlichem Wege verhüten. Bei diesen Techniken, beispielsweise der Kalendermethode oder das Messen der Körpertemperatur, bestimmen Paare die fruchtbaren Tage der Frau und verzichten an diesen dann auf Geschlechtsverkehr.

Die Sicherheit dieser natürlichen Verhütungsmethoden basiere nur zum Teil darauf, dass eine Befruchtung der Eizelle verhindert wird, begründet Bovens seine Abschätzung. Denn häufig komme es dabei dennoch zu einer Befruchtung, doch die Eizelle kann sich nicht immer erfolgreich in der Gebärmutter einnisten und stirbt ab.

Auch ohne jede Verhütung gelingt diese Einnistung nur bei jeder zweiten befruchteten Eizelle, schätzen Mediziner. Die Hälfte der entstehenden Embryonen geht also ohne jeglichen Eingriff von außen zugrunde. Praktiziert ein Paar eine natürliche Verhütungsmethode, liege dieser Anteil sogar noch höher, da die Befruchtung häufiger an Tagen am Rande des fruchtbaren Zeitraums erfolgt, argumentiert Bovens. Wird die Zahl der abgestorbenen Embryonen als Kriterium genommen, seien Kondome besonders günstige Verhütungsmittel, da hier meist erst gar keine befruchteten Eizellen entstehen, so Bovens.

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Luc Bovens ( London School of Economics): Journal of Medical Ethics (Bd. 32, S. 355) ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald/Martin Schäfer
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Wissenschaftslexikon

Bur|ka  〈f. 10〉 bodenlanger, Kopf und Körper vollständig verhüllender Umhang für muslimische Frauen mit einem gitterartigen Netz im Bereich der Augen [arab.]

he|te|ro|gen  〈Adj.〉 Sy inhomogen; Ggs homogen ... mehr

♦ Em|bryo|nen|trans|fer  〈m. 6; Med.〉 Übertragung eines Embryos, bei der reife Eizellen in vitro mit Samenzellen befruchtet u. nach zwei Tagen in die hormonell behandelte Gebärmutter eingesetzt werden; oV Embryotransfer ... mehr

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