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Kornweihen in Deutschland vor dem Aus?

Kornweihe
Kornweihen könnten bald von den Wattenmeerinseln verschwunden sein. (Bild: Jochen Dirschke)

Kornweihen (Circus cyaneus) gehören zu den seltensten Brutvogelarten in Deutschland. Jetzt drohen diese Greifvögel Kornweihen auch in ihren letzten Refugien zu verschwinden – auf den Inseln des Wattenmeeres. Denn eine Bestandsaufnahme enthüllt, dass im gesamten niederländisch-deutschen Wattenmeer weniger als 25 Brutpaare übrig sind. Die Ursachen für diesen Kollaps der Bestände sind nur in Teilen bekannt – auch weil die Kornweihen Zugvögel sind.

Kornweihen kamen einst in ganz Mittel- und Nordeuropa vor. „Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren Kornweihen vor allem in Norddeutschland ein verbreiteter, wenn auch nicht häufiger Brutvogel der ausgedehnten Moor- und Heidelandschaften“, sagt Nadine Knipping von der Universität Oldenburg. Die zu den Habichtartigen gehörenden Greifvögel jagen ihre Beute – meist Wühlmäuse und andere Kleinsäuger, aber auch Singvögel – bevorzugt in offenen, naturbelassenen Landschaften wie in der Heide oder in Moorgebieten.

Bestand drastisch eingebrochen

Doch diese Lebensräume sind bei uns in Mitteleuropa inzwischen selten geworden: Moore wurden großflächig trockengelegt und in Äcker umgewandelt, ungestörte Heiden und Brachflächen gibt es nur noch wenige. Dadurch kommt die Kornweihe heute nur noch in wenigen Refugien an der Küste vor – vor allem auf den Inseln des deutschen und niederländischen Wattenmeeres. In den Dünen und Salzwiesen dieses Gebiets finden die Greifvögel noch immer genügend Nahrung, um ihre Jungen aufzuziehen.

Trotzdem aber ist der Bestand der Kornweihen in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen, wie nun eine Bestandsaufnahme von Knipping und ihre Kollegen enthüllt. „Die Brutpopulation von Kornweihen im niederländisch-deutschen Wattenmeer erreichte 1994 mit geschätzten 152 Paaren ihr Maximum“, berichten die Forscher. Doch ab dann ging die Zahl der Brutpaare immer weiter zurück – etwa um zehn Prozent pro Jahr. Inzwischen sind im niederländisch-deutschen Wattenmeer-Gebiet weniger als 25 Brutpaare übrig. „Seit Anfang der 2000er Jahre ist der Brutbestand von Kornweihen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer massiv eingebrochen und steht jetzt vor dem Erlöschen“, sagt Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Wattenmeer. Das sei alarmierend.

Was sind die Ursachen?

Was aber ist der Grund für diesen drastischen Rückgang? Klar scheint, dass zumindest die wenigen auf den Wattenmeerinseln verbliebenen Kornweihen durchaus erfolgreich Junge aufziehen. Die Studie belegt, dass die scharfsichtigen Mäusejäger im Nationalpark Wattenmeer genügend Beute finden. „Das Angebot an Wühlmäusen – ihrer Hauptbeute für die Aufzucht der Jungen – hat sich nicht wesentlich verändert“, berichtet Knipping. Auch andere kleine Säugetiere und Vögel würden die Vögel häufig erbeuten.

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„Mit ein bis zwei flüggen Jungvögeln pro Brut erreicht die Greifvogelart im Nationalpark einen vergleichsweise hohen Fortpflanzungserfolg, der seit 2009 stabil ist“, so Knipping. Doch das könne den festzustellenden Rückgang nicht ausgleichen. Wie die Analysen der Forscher ergaben, sind vor allem die Überlebensraten der ausgewachsenen Kornweihen stark gesunken – warum, ist bislang unklar. „Entscheidend für das Vorkommen der Kornweihen im Wattenmeer ist ihr Überleben außerhalb der Brutzeit“, berichtet Südbeck.

Schutz und Forschung müssen länderübergreifend sein

Das Problem: Weil Kornweihen zu den Zugvögeln gehören, ist nur schwer nachvollziehbar, wie es ihnen im Rest des Jahres ergeht. Nach Ansicht der Forscher ist es daher nun wichtig, auch entlang der Zugrouten und den Rast- und Überwinterungsgebieten nach den Gründen für den Rückgang der Kornweihen zu forschen. „Letztlich gilt es, die Ursachen des Bestandsrückgangs schnell zu ermitteln, um auf internationaler Ebene Gegenmaßnahmen ergreifen zu können“, sagt Knipping. Bei einem Kornweihen-Experten-Gesprächskreis im März wolle sie sich für den gesamteuropäischen Kornweihenschutz einsetzen.

„Natur- und Artenschutz kann nicht an Ländergrenzen haltmachen. International erarbeitete Lösungskonzepte sind bei selten gewordenen Zugvogelarten dringend notwendig“, sagt auch Alexander Bonde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt unterstützt.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU); Abschlussbericht zu den Kornweihen im Wattenmeer

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