Bienen-Kriegerinnen-Kaste entdeckt Kräftige "Tür-Steherinnen" mit scharfen Beißern - wissenschaft.de
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Bienen-Kriegerinnen-Kaste entdeckt

Kräftige „Tür-Steherinnen“ mit scharfen Beißern

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Bienen-Wächterinnen der Art Scaptotrigona depilis bewachen den Stockeingang (Foto: Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Sie haben zwar keinen Giftstachel – doch die stachellosen Cousinen unserer Honigbienen sind keine hilflosen Opfer, haben Forscher dokumentiert: Spezialisierte Kämpferinnen bewachen ihre Nester vor rabiaten Räuberbienen.

Wer schon einmal barfuß in eine unserer heimischen Honigbienen getreten ist, weiß: Jede von ihnen ist mit einem Stachel bewaffnet. Das gilt allerdings nicht für alle Vertreter dieser Insektenfamilie. Weltweit gibt es über 500 Arten von stachellosen Honigbienen – etwa 400 davon allein in Brasilien. Sie bilden wie die in Europa heimischen Honigbienen hochsoziale Staaten mit einer Königin an der Spitze. Ebenso sammeln sie auch Pollen und Honig. Anders als unsere Bienen befinden sie sich allerdings stets im Kriegszustand – mit Vertretern einer anderen Gruppe von Bienen: den Räuberbienen. Diese Bienenarten haben es komplett aufgegeben, selbst Blüten aufzusuchen. Stattdessen dringen sie in die Nester der Sammler-Bienen ein und stehlen Honig, Pollen sowie Wachs und Brutfutter.

Als Soldatinnen geboren

Christoph Grüter von Johannes Gutenberg-Universität Mainz und seine Kollegen haben zunächst bei einer Art – den Jatai-Bienen (Tetragonisca angustula) – entdeckt, dass sie den Räuber-Bienen in hochentwickelter Weise Widerstand leisten: Der Nesteingang wird von speziellen Wächterinnen geschützt, die größer sind als andere Arbeiterinnen des Stocks. Sie beißen bei einem Angriff der Räuberbienen mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen zu. Mittlerweile haben die Biologen noch vier weitere Arten in Brasilien gefunden, die eine spezielle Soldatinnen-Kaste zur Nestverteidigung entwickeln. „Es handelt sich also um keinen Einzelfall, sondern wir finden auch bei anderen stachellosen Honigbienen eine erstaunliche Vielfalt der sozialen Organisation“, sagt Grüter.

Die Soldatinnen überragen die Pollensammlerinnen in der gleichen Kolonie um 10 bis 30 Prozent, berichten die Wissenschaftler. Es scheint plausibel, dass eine kräftigere Statur ihrer Aufgabe zugute kommt. Besonders große Wächterinnen fanden die Evolutionsbiologen vor allem bei denjenigen Arten, die sehr häufig von Räuberbienen attackiert werden.

Interessanter Evolutions-Effekt

Die Angriffe der Feinde scheint demnach die treibende Kraft für die Evolution einer speziellen Kaste unter den Arbeiterinnen zu sein und damit für die stärkere Arbeitsteilung in dem Sozialstaat. „Wir konnten die Räuberbienen als klare Verdächtige ausmachen, die zur Evolution dieser Soldatinnen geführt haben“, so Grüter. Weitere Untersuchungen der Forscher belegten, dass die Ausdifferenzierung der Bienenarbeiterinnen in den letzten 25 Millionen Jahren mindestens fünfmal unabhängig voneinander entstanden ist und mit dem Auftauchen der parasitischen Räuberbienen einherging.

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Bislang ging man davon aus, dass die Arbeitsteilung bei allen Bienen hauptsächlich auf dem Alter basiert: Junge Tiere unserer Honigbienen sind im Innern des Stocks mit der Reinigung beschäftigt und versorgen die Larven. Mit zunehmendem Alter wandern sie Richtung Nestausgang, um dann von dort aus auf Nahrungssuche zu gehen. Bei den Soldatinnen der stachellosen Bienen ist dies nicht der Fall. Sie sind von Geburt an größer als ihre Nestgenossinnen, das heißt die Arbeitsteilung in einem Bienenstock beruht nicht nur auf dem Alter der Tiere, sondern auch auf ihrer Veranlagung, berichten die Forscher.

 Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

© natur.de – Martin Vieweg
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